 von Jürgen Hanselerschienen in Spektrum der Homoöpathie 1/2009 |
Das andere LiedDas andere Lied
Rajan Sankarans neuestes Werk „The other song“ liegt nun in einer hervorragenden deutschen Übersetzung vor. Eigentlich für Laien geschrieben, eignet sich „Das andere Lied“ auch für Homöopathen, insbesondere solche, die mit der Sankaran-Methode noch nicht vertraut sind und einen Einstieg quer zu den gesammelten Werken suchen.
Es gibt in meiner homöopathischen Bibliothek nur ein Buch, das mittlerweile völlig zerfleddert ist: „The Spirit of Homoeopathy“ von Rajan Sankaran ist nur noch eine Lose-Blatt-Sammlung. Das liegt nicht an der indischen Herstellungsqualität, sondern an der Häufigkeit meiner Zugriffe, wie man im Internet-Zeitalter sagt. Mit diesem Werk hat Sankaran 1991 den Fokus auf die Ebene der Wahnideen und auf die zentrale Störung gerichtet und damit die Arbeit einer ganzen Generation von Homöopathen wesentlich beeinflusst. Seither ist die Reihe seiner Bücher in meinem Schrank auf über einen halben Meter Länge angewachsen – wichtige gehaltvolle Werke mit ausgedehnten Fallsammlungen und detaillierten Erläuterungen seiner neuen Methodik, die sich in 20 Jahren erheblich weiterentwickelt und eine noch tiefere Ebene erreicht hat. Bis auf „Die Empfindung – Verfeinerung der Methode“ sind es eher Nachschlagewerke, keine homöopathischen Schmöker. Dank seltenerer Zugriffe sind alle noch in ausgezeichnetem Zustand. Seit diesem Jahr gibt es wieder einen Anwärter für lose Blätter. „Das andere Lied“ fasst Sankarans Entdeckungen der letzten zwei Jahrzehnte zusammen und zeigt, wie der Schritt von der Ebene der Wahnideen zu der der Vitalempfindung seine Philosophie und seine praktische Arbeit grundlegend verändert hat. Der Titel bezieht sich auf die Entdeckung, dass sich in unserem Leben neben unserer menschlichen Natur immer wieder eine nicht-menschliche Stimme zu Wort meldet. Diese Stimme singt das Lied einer tierischen, pflanzlichen oder mineralischen Substanz, die nach dem homöopathischen Prinzip just Heilung von dieser Dissonanz mit dem nicht-menschlichen Lied verspricht. Das Buch soll die universale Geltung des anderen Liedes, des parallelen Ichs in uns, zeigen und ist eigentlich für homöopathische Laien geschrieben. Gleichzeitig eignet es sich jedoch hervorragend für Homöopathen, die mit der Sankaran-Methode noch nicht vertraut sind und einen Einstieg quer zu den gesammelten Werken suchen. Ohne Vorkenntnisse vorauszusetzen, werden alle Elemente dieses von der Anamnese bis zur Fallanalyse kohärenten Systems vorgestellt – die Ebenen der Erfahrung, die Differenzierung der Naturreiche, das Periodensystem der Elemente mit seinen Serien und Stadien, die Pflanzenfamilien mit den Miasmen als ubiquitäre Bewältigungsstrategien, die ganze Landkarte unser inneren Welt. Und weil das andere Lied eines Tieres im Menschen am leichtesten erkennbar ist, wird die Vitalempfindung vor allem an Beispielen aus dem Tierreich illustriert. Besonders hilfreich sind die Fallbeispiele und die Hinweise zur Anamnese in einem ausführlichen Kapitel über Techniken zum Erreichen der Tiefe mit den Schwerpunkten der Handbewegungen und des Kritzelns von Doodles. Manchmal geht der Anspruch, ein breites Publikum zu erreichen, mit dem Autor etwas durch in seinen Beispielen und Formulierungen. Vieles davon wurde in der hervorragenden deutschen Übersetzung ohnehin geglättet. Es ist das erste von Sankarans zahlreichen Werken, bei dem ich definitiv die deutsche Ausgabe empfehle. Über die wenigen populären Passagen sollte man einfach hinweglesen. Sankaran’s homöopathische Welt wird dennoch in ihrer ganzen Breite und Tiefe vorgeführt. Für „Das andere Lied“ gilt heute das gleiche wie für „The Spirit of Homeopathy“ in den Neunzigerjahren: Zugreifen, schmökern, zerfleddern! |