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Heilung der Mutter-Tochter Beziehung: ein Cygnus cygnus Fall

Von Doug Brown

In meiner Praxis behandele ich viele Patienten mit Depressionen. Oft haben diese Menschen dramatische Lebensgeschichten und erzählen von schwerem Missbrauch oder großer Vernachlässigung. Trauma und persönliche Tragödien hinterlassen Narben in der Lebensenergie des Menschen und offenbaren Spuren, die uns wichtige Hinweise liefern und zum richtigen Arzneimittel führen können, ohne allzu tief in der Seele dieser Patienten wühlen zu müssen. Andere Biografien wiederum verlaufen weniger dramatisch und die Beschwerden entwickeln sich allmählich und ‚sanfter‘, was sich auch in der homöopathischen Behandlung widerspiegelt. In diesen Fällen ist der Weg zum passenden Mittel nicht steinig und steil, sondern führt langsam und allmählich zum Ziel. Auch im vorliegenden Fall arbeitete ich mich Stück für Stück zusammen mit der Patientin zum Kern ihrer Beschwerden vor. Diese Patientin hatte schon viele Mittel bekommen, die ihr auch immer wieder halfen und Linderung verschafften. Aber es gab auch eine tief gehende Traurigkeit, die immer wieder an die Oberfläche kam bis es mir gelang, ein Mittel zu finden, welches die Beziehung der Patientin zu ihrer Tochter grundlegend veränderte. Dieser Prozess der Mittelfindung erinnerte mich stark an die Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede, die wir bei den Vögeln im Vergleich zu den Säugetieren finden. Aus diesem Grund möchte ich diesen Fall hier vorstellen und hoffe, dass Sie als Leser genauso davon profitieren wie ich.

Im Juli 2009 kam eine 65-jährige Patientin in meine Sprechstunde (ich nenne sie hier Tina) um sich wegen eines Hautausschlags am Bauch behandeln zu lassen. Außerdem litt sie an Depressionen. Anfangs erklärte sie sich ihre depressive Stimmungslage mit einem Mangel an Sonnenlicht, sprach aber schon bald sehr ausführlich über ihre Traurigkeit, die sie auf ihre problematische Beziehung zu ihrer erwachsenen Tochter zurückführte.

Tina (T): „Als sie das Kind erwartete, wollte sie nicht, dass ich zu ihr komme und ihr helfe. Es hat dieses alte Gefühl in mir verstärkt, als Mutter versagt zu haben. Sie müssen wissen, dass mein Mann und ich geschieden wurden als meine Tochter und ihr Bruder 17 und 18 Jahre alt waren. Ich glaube, dass sie damals das Gefühl hatte, ich sei nicht für sie da gewesen, dass ich mich von ihr distanzierte. Ich habe große Schuldgefühle wegen meines Alkoholkonsums damals und meiner Sucht.“

Von ihrer Kindheit erzählt Tina Folgendes:

„Ich bin in den High Plains aufgewachsen. Mein Vater war Autohändler, arbeitssüchtig und Alkoholiker. Ich war eines der älteren Kinder in der Familie und musste meiner Mutter im Haushalt und mit den jüngeren Geschwistern helfen. Wir hatten damals nicht viel Liebe und Unterstützung. Ich habe mich kalt und einsam gefühlt. Ich konnte nirgendwo hingehen, ich hatte niemanden, mit dem ich reden konnte. Mit meinen Brüdern habe ich mich nicht verstanden. Die älteren haben mich immer geärgert, dumme Bemerkungen über mein Aussehen gemacht, oder mich ausgelacht, weil ich Klavier und Klarinette gespielt habe. Meine Brüder waren gut in der Schule, ich war es nicht.“

„Ich habe dann mit Cheerleading angefangen, weil es für die Mädchen keinen anderen Sport gab. Für nichts fühlte ich mich gut genug. Die Anderen waren auf guten Schulen, sind zur Luftwaffe gegangen oder sind Rechtsanwälte geworden. Ich hatte das Gefühl zu nichts nutze zu sein.“

„Meine Mutter war immer nur stumm. Ich dachte immer, sie ist sauer auf mich. Ihr Vater war auch Alkoholiker gewesen. Sie hatte es nicht leicht. Ich war ihre kleine Helferin, habe Aufträge für sie erledigt.“ „Ich hätte gerne ihre Anerkennung gehabt, hätte gern gespürt, dass sie mich annimmt so wie ich bin. Das Gegenteil hätte ja geheißen, dass man ein schlechter Mensch ist, jemand, der nicht geliebt wird, der nichts wert ist.“

„Ich habe nur eine Erinnerung an meine Schulzeit. Ich hatte in einem Buch geschrieben, dass ich meinen Schuldirektor hasse. Ich weiß nicht mehr, warum ich das geschrieben habe. Sie wollten sogar Anzeige gegen mich erstatten! Ich habe es nie gemocht still zu sitzen. Geschichte, Erdkunde und Englisch haben mich nie interessiert. Ich war immer aktiv und wollte draußen spielen. Ich wollte draußen sein und meinem Vater auf dem Feld helfen. Das hätte mir Spaß gemacht.“

„Als Teenager hatte ich einen Freund. Diese Beziehung bedeutete alles für mich, aber an der Uni ist die Beziehung dann auseinander gegangen. Ich war am Boden zerstört. Es hat meine ganze Vorstellung vom Leben zerstört.“

„Sex vor der Ehe war gegen meinen Glauben. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich mich auf Petting eingelassen hatte. Ich war verwirrt. Es sollte ja angeblich Spaß machen, aber so war es nicht. Nachdem die Beziehung zu Ende war, hatte ich einen neuen Freund gefunden und wurde gleich schwanger. Das Kind hatte Koliken und immer viel geschrien. Der Vater wollte eigentlich keine Kinder, aber es war seine Ausrede, damit er nicht nach Vietnam musste. Er war kein liebevoller, warmer Mensch. Er war kalt und wütend. Ich wurde wieder schwanger und diesmal bekam ich eine wunderbar ruhige Tochter. Er ging zur Arbeit und ich war mit den Kindern zu Hause. Die Mutterrolle ist mir schwer gefallen. Mein Sohn (wir nennen ihn Eric) war ein schwieriges Kind. Ich hatte keinerlei Begabung. Ich wusste nicht, wie man mit einem schwierigen Kind umgeht. Wir lebten auf dem Land, dort gab es keine Unterstützung. Als ich anfing zu trinken und Marihuana zu rauchen, war das eine große Erleichterung. Es war aufregend und machte Spaß.“

„Wir hatten eine offene Ehe. Es gab Affären und viel Alkohol. Ich war ein Wrack. Es war nicht richtig. Ich sah keinen Ausweg außer, die Ehe zu beenden. Den Kindern war ich nie so nahe, wie ich das eigentlich gewollt hätte. Die Scheidung war schwierig, es hat die Familie auseinandergebrochen. Alles war anders und alle waren am Boden zerstört. Ich erinnere mich an Weihnachten, allein zu Hause. Ich musste mich um den kranken Hund kümmern. Ich war einsam und traurig. Ich fühlte mich ungeliebt, nicht gewollt und nicht geliebt.“

„Meine größte Freude sind meine Enkelkinder. Sie sind fröhlich und liebevoll, wunderbare Kinder.“

„Ich träume immer wieder davon, ein ganzes Semester lang den Unterricht zu verpassen und durch die Prüfung zu fallen.“

„Ich lebe gern auf dem Land. Es ist so ruhig und friedlich. Ich bin gerne weg. Den kalten Wind vertrage ich nicht.“

„Ich habe Angst davor, krank zu werden und nicht mehr für mich sorgen zu können. Ich freue mich nicht aufs Sterben. Ich habe Angst, meinen Mann zu verlieren; wir sind jetzt 14 Jahre verheiratet. Wir haben eine Firma zusammen und er möchte, dass ich mehr arbeite als mir lieb ist. Er möchte, dass ich beim Heu machen helfe, beim Harken und beim Pflanzen der Bäume. Es ist einfach zu viel. Er hat das akzeptiert. Mich hat es eine ganze Zeit lang gestört; ich hatte immer das Gefühl, mehr tun zu müssen.“

Doug Brown (DB): „Welche Beziehung haben Sie zu Tieren?“

T: „Der Hund ist wie ein Kind für uns, wie ein Baby. Es gibt keine Tiere, die ich nicht mag, nur aus Pferden mache ich mir nicht so viel. Sie wissen, dass ich Angst vor ihnen habe sie könnten ja ausbrechen. Sie sind so groß und unberechenbar; ich traue ihnen nicht.“

DB: „Die Arbeit, die Sie zurzeit machen?“

T: „Ich bin in einer Fahrschule angestellt und gebe Unterricht für Leute, die wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt wurden. Mir gefällt es nicht. Ich habe Angst, dass ich etwas vergesse, dass ich nicht weiß, was ich als nächstes sagen soll. Ich werde angespannt und habe Blackouts. Ich arbeite auch in einer Drogenberatungsstelle und es fällt mir schwer, dann auch noch Zeit zu finden zum Spazierengehen und Schwimmen.“

„Neben dem Ausschlag am Bauch muss ich auch oft aufstoßen, und mein Magen fühlt sich übersäuert an.“

Verschreibung: Ambra grisea C200

Verschreibung: Ambra grisea C200

Kommentar: Die körperlichen Beschwerden waren unspezifisch. Es gab keine Empfindungen, die Hinweise auf eine bestimmte Pflanzenfamilie gegeben hätten. Obwohl das Thema der fehlenden Unterstützung Hinweise gibt auf ein Element aus Stadium 2, zog sich das Thema nicht durch den ganzen Fall. Im Gegenteil: es gab dezente Hinweise auf ein Mittel aus dem Tierreich: Die merkwürdige Geschichte der Hassbotschaft gegen den Schuldirektor und die Angst vor einem Strafverfahren; die Worte, die sie häufig verwendet – ‚warm, liebevoll‘ und ‚kalt, einsam, ungeliebt‘ – und ein Opferthema (sie wird von ihren Geschwistern geärgert; das Thema ‚guter Mensch‘/‘schlechter Mensch‘) lassen aufhören. Das Thema ‚Wärme‘ und das Bedürfnis, einer Gemeinschaft oder einem Familienverband anzugehören, ließen mich zuerst nach einem Säugetier-Mittel suchen. Weil es der Patientin schwer fiel, in der Öffentlichkeit zu sprechen (Beruf) und viele Magenbeschwerden hatte, entschied ich mich für Ambra.

14. August 2009

T: „Mir geht es gut! Der Pilz verschwindet langsam und ich bin nicht mehr so emotional. Ich kann die Dinge viel mehr annehmen so, wie sie sind. Ich beurteile nicht mehr so schnell und muss nicht mehr alles unter Kontrolle haben. Ich fühle mich ruhiger und fühle mich mehr mit der Welt im Reinen. Das Mittel hat mich friedlicher und gelassener gemacht. Ich kann die Welt nun akzeptieren, auch im Allgemeinen.“

DB: „Was ist mit der Beziehung zu Ihrer Tochter?“

T: „Sie macht mir nicht mehr so viel Kummer. Die Beziehung ist besser geworden.

Ich habe einen Ausschlag, da wo mein Büstenhalter sitzt. Er kommt und geht. Die Magenübersäuerung ist die gleiche geblieben. Großen Stress habe ich zurzeit mit meinem Sohn. Er ist hysterisch und will Geld von mir, weil sein Leistenbruch operiert werden muss. Er ist heroinsüchtig. Das macht mich hilflos. Ich bin wütend und abgegessen. Er ist so verantwortungslos.“

„Ich möchte entscheiden, wie und wann ich meinen Kindern helfe. Er muss das lernen. Ich bin frustriert.“

„Mein Mann arbeitet immer noch so viel. Ich kann das mehr akzeptieren. Ich habe mit ihm darüber gesprochen, dass ich mehr Freiheit brauche … mich mal mit einer Freundin zum  Kaffee treffen möchte oder zum Mittagessen.“

„Ich hatte einen schlimmen Husten, als ich von dem Besuch bei meiner Tochter wieder zu Hause war … ich konnte deswegen nachts nicht schlafen.“

Verschreibung: Ambra grisea C200

15. September 2009

T: „Mir geht es wirklich gut. Ich habe tonnenweise Energie. Ich bin glücklich. Mit meiner Tochter rede ich nicht so oft, aber wenn wir uns unterhalten, dann richtig lange. Ich vermisse sie und die Kinder; mir fällt es schwer, nicht in ihrer Nähe zu sein. Ich wäre gerne dort, um mit den Kindern helfen zu können.“

DB: „Die Magenübersäuerung?“

T: „Prilosec habe ich vor einer Woche abgesetzt, habe aber immer noch ein paar Beschwerden. Gelegentlich nehme ich noch Zantac ein.“

„ Der Ausschlag ist viel besser geworden. Man sieht ihn nicht mehr so.“

„Ich hatte einen Traum. In dem Traum war ich im Haus eines ehemaligen Freundes. Seine Frau zeigte mir die Tagesdecken, die sie genäht hatte. Ich fühlte mich wie ein Eindringling. Es war mir sehr unangenehm.“

„In einem anderen Traum, wollte eine meiner Klientin, dass ich bei der Geburt ihres Kindes dabei bin. Es war eine große Freude, ein Fest. Es gab ein Festessen. Es war aufregend; ich habe mich sehr gut dabei gefühlt. Es erinnerte mich daran, als ich gebeten wurde, bei der Geburt meiner Enkeltochter dabei zu sein.“

„Ich habe viele positive Träume gehabt. Der folgende Traum hat sich wie ein heilender Traum angefühlt: Wir haben unsere Partner getauscht. Es gab keine Liebe. Ich konnte spüren, was es mit allen gemacht hat. Es war schrecklich. Es war heilsam in dem Sinne, dass ich sehen konnte, wie viele Menschen unter meiner eigenen Scheidung gelitten haben.“

Plan: abwarten.

26.März 2010

T: „Ich habe Angst! Ich habe versucht, eine Nachricht zu verschicken und konnte die Buchstaben auf der Tastatur nicht finden. Dann konnte ich mich nicht mehr an die Namen der Kinder meines Bruders erinnern. Die ganze Episode hat 15 Minuten gedauert. Mir war die Kontrolle völlig entglitten. Ich konnte mich nicht mehr zurechtfinden und hatte Angst, dass das so bleiben würde. Ich hatte Angst, es könnte ein Schlaganfall sein, dass ich sterben könnte. Es war, als wäre das Ende gekommen. Ich fragte meinen Mann schon, ob er noch einmal heiraten würde… und ob er weiterleben würde, als wäre nichts geschehen.“

„Ich fühle mich wichtig; als hätte ich wichtige Dinge geleistet. Und dann ist alles vorbei. Je älter ich werde, desto unwichtiger wird mein Leben; auch für andere Leute unwichtiger. Ältere Menschen nehmen nicht mehr so viel am Leben teil. Ich habe Angst, jemanden zur Last zu fallen und nicht mehr für mich selbst sorgen zu können.“

„Der Ausschlag hat sich ausgebreitet. Er ist jetzt auch auf dem Rücken.“

„Diese Episode hat mich sehr beunruhigt. Ich konnte mich kaum beruhigen. Alles ist mir auf die Nerven gegangen. Mein Mann hat mit seinem Fernseher das ganze Wohnzimmer in Beschlag genommen. Es gibt keinen Platz, an dem ich zur Ruhe kommen kann, an den ich mich zurückziehen kann.“

„Ich fühle mich gefangen. Ich muss dasitzen und ihm beim Telefonieren zuhören. Ich gehe die Wände hoch. Nirgendwo ein Platz für mich. Es ist, als würde man verrückt werden. Wie ein Tier in der Falle, das im Käfig auf und ab geht.“

Verschreibung: Ambra grisea 1M

Kommentar: Man könnte meinen, dass ich zu diesem Zeitpunkt das Vogel-Thema hätte erkennen müssen. Zusätzlich zu der Empfindung des Gefangenseins, zeigt die Patientin eine erhöhte Sensibilität für das Thema des eigenen Raums, einem Platz, an dem sie sich niederlassen kann. Das Nervensystem der Menschen, die mit einem Vogelmittel in Resonanz gehen, ist stärker angespannt, sensibler und reizbarer als bei Patienten, die ein Säugetier-Mittel brauchen. Das Thema des eigenen Reviers äußert sich meist in Zusammenhang mit dem Bedürfnis, sich niederzulassen an einem ruhigen Ort und dieser Reizbarkeit entfliehen zu können. Zusätzlich spricht die Patientin ein weiteres wichtiges Vogel-Thema an, nämlich von Bedeutung zu sein und teilzuhaben an sinnvollen Betätigungen. Wir werden später noch mehr darauf eingehen.

4. Mai 2010

T: „Ich hatte große Rückenschmerzen. Im Röntgenbild wurde festgestellt, dass ich eine Lungenentzündung hatte. Die Schmerzen waren unerträglich. Und mein Herz? Ich habe mich hilflos gefühlt; es hat mich verzehrt.“

„Hilflosigkeit… das ist, wenn man keinerlei Kontrolle hat über Gefühle, Emotionen, über das, was passiert. Angst, Verwirrung, was passiert jetzt? Ein Gefühl von Elend, Traurigkeit.“

„Ich habe im Traum eine Nähmaschine gestohlen. Ich hatte Schuldgefühle.“

DB: „Ein Beispiel für Kontrollverlust?

T: „Sterben. Sterben, ohne es annehmen zu können. Oder ein Unfall, bei dem ein Fußgänger überfahren wird.“

„Am wohlsten fühle ich mich mit meinen Enkelkindern. Oder bei meiner Arbeit, mit meinen Klienten. Bei der Gartenarbeit, oder beim Kochen.“

DB: „Tanzen?“

T: „Ich liebe es zu tanzen. Ich fühle mich dann frei, glücklich und lebendig.“

DB: „Frei?“

T: „Das zu tun, was ich möchte. Sogar auszurasten. Erleichterung, Dampf ablassen, die Katze aus dem Sack lassen. Nicht mehr alles unter Kontrolle haben zu müssen.“

Verschreibung: Carcinosinum C200

Kommentar: Das Thema der Kontrolle sprang mir ins Auge; nichtsdestotrotz konnte ich das Bild eines Vogel-Mittels noch nicht erkennen. Das Energiefeld dieser wunderbaren Patientin war empfänglich für viele Mittel, die ihr auch geholfen haben.

8. Juni 2010

T: „Mir geht es gut, mir geht es richtig gut! Das neue Mittel hat sehr gut gewirkt. Es gibt mir einen richtigen Energieschub. Ich bin nicht mehr so passiv, ich kann mich mehr durchsetzen. Es grenzt schon fast an Ungeduld. Ich habe nicht mehr so viel Angst, dass ich die Gefühle anderer verletzen könnte. Bis zu einem gewissen Punkt funktioniert das gut. Ich darf es nur nicht übertreiben. Ich bin jetzt eher in der Lage zu sagen, was ich denke.“

DB: „Die Rückenschmerzen?“

T: „Ich habe sie ab und zu immer noch, aber es macht mir nicht wirklich Beschwerden. Ich glaube, es ist ein Muskel. Es kommt und geht.“

DB: „Die Hilflosigkeit?“

T: „Das habe ich nicht mehr.“

Plan: abwarten.

23. November 2010

T: „Viele Probleme. Meine Hüftprothese sitzt nicht mehr richtig. Ich muss wieder operiert werden.

Ich wurde von einem Auto angefahren und wurde an der Schulter und an der Hüfte verletzt. Das zeigt uns, wie verletzlich ein Mensch ist, wie schnell sich das Leben verändern kann. Es ist ein Weckruf.“

„Ich war auf dieser Reise, die ich eigentlich gar nicht machen wollte. 50 000 Leute auf einem Kongress zum Thema Sucht. Ich bin ausgerastet. Der Bus ist falsch abgebogen; ich habe mich sehr hilflos gefühlt.“

„Ich fühle mich entfremdet von meiner Familie. Meine Tochter geht nach Frankreich um die Familie ihres Mannes zu besuchen. Ich freue mich für sie, würde aber auch gerne mitfahren. Mein Mann glaubt immer zu wissen, was als nächstes passieren wird. Sein Selbstvertrauen wider mich an.“

DB: „Verletzlichkeit?“

T: „Es macht mich traurig, wie schnell sich das Leben verändern kann. Als ich merkte, dass ich von einem Auto angefahren werde, war ich in einem Schockzustand. Ich konnte die Wucht des Aufpralls förmlich spüren. Ich war wie gelähmt. Danach musste ich feststellen, dass den Augenblick nicht mehr genießen konnte, das Hier und Jetzt. Ich musste ständig die Vergangenheit wieder durchleben.“

„Nie war das Gefühl der Entfremdung so stark wie während meiner Scheidung. Ich hatte solche Angst. Ich fühlte mich verletzt und habe mich geschämt. Ich fragte mich, wie ich allein zurechtkommen würde? Entscheidungen treffen? Finanziell über die Runden kommen?“

Verschreibung: Hydrogenium C200

 

Kommentar: Rückblickend ist man immer schlauer. Trotzdem ist es schwierig zu verstehen, dass ich die Essenz eines Vogel-Mittels immer noch nicht erkennen konnte.

Einmal ist da die Hüftprothese, die nicht an ihrem Platz bleibt. Was in der Falle sitzt, versucht zu fliehen! Dann das Opferthema im Kontext des Autounfalls. Verletzlichkeit ist ein großes Thema der Vögel. Diese Erfahrung der eigenen Verletzlichkeit hat schließlich maßgeblich zur Entwicklung der Flugfähigkeit beigetragen.

Dann haben wir das Thema der Entfremdung, auch dieses Wort ist ein wichtiger Bestandteil des Vogel-Vokabulars. Bei den Vögeln liegt der Schwerpunkt auf Beziehungen, insbesondere auf Bindungen innerhalb der Familie.

23.Dezember.2010

T: „Ich habe keinen großen Unterschied feststellen können. Mir geht es gut, bin nicht nervös.

Ich bin traurig, weil ich Weihnachten nicht mit Freunden verbringen kann. Ohne die Enkelkinder fehlt etwas.“

„Mein linker Fuß tut weh. Ich kann kaum laufen.“

„Meine Zukunft sieht düster aus. Ich fühle mich nutzlos.“

Verschreibung: Interessanterweise spürte die Patientin zum ersten Mal keine Reaktion auf ein Mittel. Es war auch das erste Mal, dass ein Mittel verschrieben wurde, welches nicht aus dem Tierreich stammt. Warum habe darauf beharrt? Ich weiß es nicht!

29.01.2011

T. „Das Mittel hat geholfen. Ich denke nicht mehr so oft über das Älterwerden nach, ich grüble nicht mehr so viel. Aber wenn die Angst doch kommt, habe ich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Ich wache nachts um 2 Uhr auf und kann nicht mehr einschlafen. Meine Tochter und meine Enkelinnen vermisse ich immer noch. Die Schmerzen im Fuß sind besser.“

18. April 2011

T: „Mir geht es wirklich gut. Ich habe ein paar große Herausforderungen gemeistert. Es ist sehr befriedigend; ich fühle mich stark und zuversichtlich. Ich fühle mich viel stärker als vorher.

Meine Mutter wird nicht mehr lange leben. Sie entgleitet uns. Ich mache mir Sorgen, was mit ihr passieren wird. Manchmal bekomme ich die Krise, dann will ich nur noch allein da sitzen, niemanden sehen, nichts machen. Einfach auf der Couch liegen und lesen.“

Träume

„Meine Schwester wird mit dem Samen meines Mannes befruchtet. Ich konnte es ihr nicht erzählen. Es war ein großes Geheimnis. Es war schlimm für mich. Nicht nur wegen meines Mannes, sondern weil sie viel älter ist. Ich hatte Angst, dass das Baby mit Down Syndrom geboren wird, dass es nicht normal ist.“

„Eine Freundin hat einen Mann dazu überredet, sich in Kanada behandeln zu lassen und viel Geld dafür zu bezahlen. Ich mag es nicht, wenn Leute gezwungen werden, etwas gegen ihren Willen zu tun.“

„Eine Gruppe von Leuten in der Nähe eines Sees; ich versuche, einen Platz zu finden, an dem ich mich verstecken kann. Leute kommen, um uns zu töten.“

T: „Meine Familie – das, was davon übrig ist – hat sich aufgelöst. Mein Sohn (heroinsüchtig) ist verstoßen worden. Man hat keine Verbindung mehr. Keine Familie mehr um sich herum. Einsam. Ohne Bedeutung. Ein Abgrund.“

Verschreibung: Hydrogenium LM6

Kommentar: Diese Träume sind so wichtig! Die Themen: Geheimnisse, Untreue, Verrat, abnorm, zu etwas gezwungen werden, an einem See gejagt zu werden.

Hydrogenium hat folgende Rubriken:

Gemüt; Wahnidee; verraten worden; er sei

Gemüt; Wahnideen; ermordet werden; er würde ermordet; Verschwörung angezettelt, ihn umzubringen, andere hätten eine

Rückblickend können wir natürlich sagen, dass dieser Fall noch anderes zu bieten hat als das, was Hydrogenium abdeckt.

16. August 2011

T: „Die Hölle ist losgebrochen. Ich musste meine Mutter in einer Demenz-WG unterbringen. Es war schrecklich. Sie weinte und wollte nicht, dass ich sie dort lasse. Ich kann ihr aber nicht helfen. Ich kann mich einfach nicht um sie kümmern, es wäre ein Vollzeitjob.“

„Ich fühle mich erschöpft. Ich habe nichts mehr zu geben. Ich bin traurig, zerstreut, ausgelaugt. Ich sitze nur da und starre aus dem Fenster. Es fällt mir schwer, ausgeglichen zu bleiben. Es gibt viele Leute, die versuchen, den Kopf über Wasser zu halten. Ich drehe mich im Kreis.“

Träume

„Ich gehe irgendwo hin und will nicht, dass Mama alleine bleibt. Ich habe eine Frau, die sie kaum kennt, gebeten, sich um sie zu kümmern. Alle meine Geschwister waren sauer deswegen. Jeder war sauer auf mich. Ich konnte es nicht mehr rückgängig machen. Es war schon passiert.“

„Von einem Freund, mit dem ich zusammen war, bevor mein Mann gestorben ist. Ich war bei ihm. Es war angenehm, es hat mir keine Angst gemacht. Es war ruhig und friedlich.“

Verschreibung: Hydrogenium LM7

Kommentar: an dieser Stelle taucht ein wichtiges Vogel-Thema auf: Pflichterfüllung.

24. Oktober 2011

T: „Meine Tochter versucht, sich von der Familie abzukapseln; es hat sich wie eine Zurückweisung angefühlt und ich bin aufgewacht und habe geweint. Der Freund meines Mannes hat mir vorgeworfen, ihn  nicht zu mögen. Es wird alles aus mir herausgesogen. Wenn noch jemand etwas von mir verlangt, werde ich wahrscheinlich ungemütlich. Das Wichtigste im Leben ist nett zu sein, freundlich. Ich bin zu sehr mit mir selbst beschäftigt, zu egoistisch.

Erschöpfung ist wie tot sein, nur dass man noch lebt. Deine Seele ist tot. Man hat keine Spiritualität mehr.“

Verschreibung: Sulphur hydrogenisatum LM5

Kommentar: Vögel sind Kreaturen der Lüfte, des Hauches und der Spiritualität. Der Tod wird als Auslöschung der Seele empfunden, viel mehr als ein einfacher Herzstillstand.

Die folgenden Auszüge stammen aus der Zeit zwischen 2012 und 2014.

T: „Ich bin frustriert wegen dieser einen Frau, die glaubt, alles im Griff haben zu müssen. Sie muss die Chefin raushängen lassen, jedem sagen, was er zu tun und zu lassen hat. Sie redet immer nur über sich. Sie ist egozentrisch.

Empathie. Man weiß ja nicht, was der andere durchgemacht hat. Schreckliche Dinge … Vergewaltigung, Mord, Schießereien.“

Traum

„Ein Flugzeugabsturz. Ich habe nur knapp überlebt.“

T: „Trauer. Mutter ist in einem Pflegeheim. Mache viel durch. Bewege mich vom Unbewussten zum Bewusstsein. Ich behaupte mich: Das ist neu für mich.“

Träume

„Meine Mutter ist im Pflegeheim und kann ihre Blase nicht mehr kontrollieren. Wir sitzen zusammen, sticken, tanzen.“

„Meine Freundin küsst meinen Mann und tut so, als wäre nichts dabei.“

T: „Meine Stieftochter lebt nebenan – noch jemand, um den ich mich kümmern muss.“

„Kein Austausch, kein Kontakt in der Familie. Sie leben da drüben in einer Blase. Sie schauen nicht einmal aus dem Fenster, um zu sehen, was los ist.“

„Ich bin sehr nervös und angespannt. Ich hatte einen Klienten, der erzählte und erzählte. Mir fiel es schwer, da zu sitzen und zuzuhören. Mein Körper spannt sich an und macht zu. Ich kann nichts mehr aufnehmen. Ich fühle mich gefangen und möchte raus. Es fühlt sich an, als wäre ich in einer dunklen Höhle gefangen, an einem dunklen Ort. Ich stecke fest, es gibt keinen Ausweg. Ich bete, bitte Gott um Hilfe. Ein weißer Vogel fliegt an mir vorbei, landet und zeigt mir, dass er mir hilft.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, das durchzumachen, was andere Menschen durchmachen müssen, mit Tod und Angst. Viel Empathie.“

„Es wird immer enger; ich kann nicht atmen.“

Träume

„Ich bin in der Stadt, in der meine Großmutter lebt, ich besuche sie aber nicht. Furchtbar. Warum besuche ich sie nicht? Alles zieht sich um mich herum zusammen.“

„Ich gehe mit meiner Enkelin zu dem See, an dem ich aufgewachsen bin. Dort wecken uns die Vögel und locken uns nach draußen.“

„Ich versuche auf dem Wasser zu laufen, mich zu erhalten.“

„Mein Mann hat eine Affäre mit der Frau seines Freundes. Ich fühlte mich am Boden zerstört und verraten.“

T: „Ich habe das Gefühl, alle im Stich gelassen zu haben, ein Versager zu sein.“

„Ich sehe meine Mutter. Sie ist tot. Sie sitzt in ihrem Sessel. Ihre Seele ist nicht mehr da.“

„Mein Mann ist dominant, kontrollierend. Die Zurückweisung durch die Tochter ist die ultimative Kränkung. Ein Teil von mir ist gestorben. Sie ist da, aber nicht anwesend. Wie meine Mutter im Pflegeheim.“

Traum

„Von meinem Neffen. Es war romantisch, als würden wir uns zum ersten Mal verlieben. Die Zeit, wenn alles im Leben neu, aufregend und voller Hoffnung ist.“

2. Oktober 2014

Verschreibung: Cygnus cygnus C200

Kommentar: Endlich habe ich verstanden, worum es geht. Der weiße Vogel im Traum meiner Patientin hat mich auf den richtigen Weg geführt! Cygnus, natürlich, ist das Mittel für Trauer um die Lebenden [1]. Der Schwan läuft auf dem Wasser, das Symbol der Gefühlswelt.

Follow ups nach Cygnus

3. November 2014

„Es war eine Qual. Meine Mutter ist gestorben. Ich war bei ihr und bin froh darüber. Das Mittel schien zu wirken schon bevor ich es eingenommen hatte, bevor die Qualen losgingen. Die Trauer und der Kummer haben mich nicht völlig überrannt. Und die Trauer um sie nimmt mich nicht völlig ein.“

„Körperlich geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Meine Hüfte fühlt sich gut an. Ich habe keine Schmerzen.“

„Ich fühle mich mehr mit meinem Mann verbunden. Auf der Arbeit trete ich kürzer. Ich habe akzeptiert, dass Unglücke geschehen. Dass es Dinge gibt, die außerhalb meiner Kontrolle sind. Ich freue mich, dass meine Schwiegertochter nebenan wohnt.“

5. Februar 2015

„Meine Tochter rief an und tat so, als wäre nichts passiert. Habe ich mir nur eingebildet, dass es diesen Bruch gab? Sie ist wieder in mein Leben getreten! Meine Enkeltochter besucht mich vielleicht in den Sommerferien.“

„Ich habe von meiner Mutter geträumt, sie war am Meer. Sie hatte sich daran gewöhnt, dort zu sein; ich war glücklich.“

DB: „Was ist mit der Trauer?“

T:“Ich habe meine Frieden damit geschlossen.“

Vögel – Säugetiere

Vögel und Säugetiere sind hoch entwickelte Tiere, deren Überleben hauptsächlich dadurch gesichert wird, dass sie Beziehungen zu anderen Mitgliedern ihrer Spezies eingehen. Wenn wir uns die Klassen des Tierreichs anschauen – Insekten, Knochenfische, Spinnen, Amphibien, Krustentiere, Spinnentiere, Reptilien, Vögel und Säugetiere – fällt sofort auf, dass nur die letzten beiden Klassen Brutpflege betreiben und ihren Nachwuchs schützen.

Da bei allen Arzneimitteln dieser beiden Ordnungen die Themen Fürsorge und Kooperation prägend für das Arzneimittelbild sind, stellt sich die Frage, wie man diese Mittelgruppen unterscheiden kann.

Säugetier- und Milchmittel kämpfen um ihre eigene Identität. Dazugehören ist wichtiger als verbunden zu sein. Säugetiere können sogar so weit gehen, einen Teil ihrer eigenen Identität aufzugeben, um dazuzugehören. Die Säugetiere verhalten sich im Vergleich zu den Vögeln etwa so wie die Malvaceae zu den Solanaceae im Pflanzenreich: Für Säugetiere ist es wichtig, dass andere wissen, wer sie sind. Vögel brauchen andere um teilzuhaben an der Gemeinschaft oder zusammen etwas Bedeutsames zu schaffen.

Bei den Säugetieren sind Hierarchie und Konkurrenzverhalten sehr wichtig, finden aber im Verborgenen statt. Meist ist das sykotische Miasma deutlich zu erkennen. Bei den Vögeln gibt es diese Faktoren auch, aber die gesellschaftliche Teilhabe hat einen höheren Stellenwert. Sie wollen am Leben teilhaben, etwas Sinnvolles tun, um einen guten Fußabdruck auf der Erde zu hinterlassen. Vögel haben nicht so sehr das Gefühl auf einer bestimmten Ebene der Herdenhierarchie festzustecken, sondern investieren viel Energie, um im Leben voranzukommen. Das kann den Anschein erwecken, sie wollten unbedingt auf der gesellschaftlichen Leiter nach oben klettern, um eine bessere Position zu erreichen. Um ihre Ziele zu erreichen müssen sie enorme Disziplin an den Tag legen. Meist kann man Hinweise auf das Krebsmiasma finden. Auf der Verstandesebene funktionieren die Vögel eher abstrakt und denken in Symbolen, vielmehr so als die Säugetiere. Das Loslösen von den irdischen Sphären in Kombination mit einer echten Vision (die zum Fliegen unbedingt gebraucht wird) kann sich als Abgehoben-sein, Finesse, Zerstreutheit, Arbeitswut, Idealismus oder Sonderbarkeit äußern.

Vogel-Mittel legen viel Wert auf Bewegung; sie bewegen sich von einem Ort zum anderen. Bei unseren Patienten kann sich das im Übergang von einer Lebensphase zur anderen zeigen, vielleicht sogar die Bewegung vom Leben in den Tod (die Seele fliegt). Oft liegen Beschwerden des Bewegungsapparates und der Wirbelsäule vor. Bei den Säugetieren finden sich häufig Gefühle der Überlegenheit oder der Minderwertigkeit. Bei den Vögeln sehen wir eher das Gefühl versagt zu haben, oder erfolgreich gewesen zu sein. Das kann sich auf ein persönliches Ziel beziehen, eine neue Arbeitsstelle oder – wahrscheinlicher – eine Sinnhaftigkeit und Verbundenheit zu finden in einem ansonsten desolaten und bedeutungslosen Kosmos.

Für Säugetiere bedeutet die Gemeinschaft Schutz, Fürsorge und Liebe. Bei den Vögeln hören wir öfter die Begriffe Inklusion und Exklusion. Diese verzahnen sich mit der Empfindung von Bindung und Teilhabe. Das Gegenteil hier ist entfremdet, distanziert, abgelöst. Bei den Säugetieren finden wir Begriffe wie ausgestoßen, allein, ausgeschlossen. In der Praxis sind die Unterschiede oft nicht ganz so klar und deutlich gesteckt, da beide Mittelgruppen jeden dieser Begriffe benutzen können.

Hilfreicher ist es wahrscheinlich zu wissen, dass Vogel-Patienten sehr viel Wert auf ihre Autonomie legen. „Gezwungen zu werden, etwas gegen seinen Willen zu tun“ ist bezeichnend für die Essenz der Vogelarzneien [2] (2). Zusätzlich haben sie ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl anderen Menschen gegenüber, was paradoxerweise ein Gefühl von Bedeutung und Zugehörigkeit vermittelt, den Patienten aber auch in seiner Freiheit einschränkt und gefangen hält.

Weitere Ausdrucksweisen der Vogelenergie:

Aus dem Fenster schauen.

Familie.

Gleichgewicht; zum Fliegen braucht man zwei Flügel und einen guten Gleichgewichtssinn.

Orientierungslosigkeit; „Ich komme nicht zurecht.“ Kann an die Magnoliidae erinnern.

Perfektionismus – alles richtig machen – hohe Erwartungen.

Flugzeugabsturz

> Draußen/frische Luft – gefangen sein. Folgen von Wind, entweder gut oder schlecht.

Fremd/merkwürdig/entfremdet; ein Kontinuum.

Empathie/Mitgefühl mit nach außen gerichteten Bewegungen gefolgt von Rückzug, Überwältigung.

Dankbarkeit.

Sich des Unbewussten bewusst sein, Schatten.

Verlangen, ein Vermächtnis zu hinterlassen, eine Fußabdruck auf der Erde; Eule – Weisheit; Ibis – Schönheit und Leidenschaft; Taube – Friede und Unschuld; Kondor – sich ergeben, sterben; Ara – Individualität, etc.

Schokolade/Tea/Alkohol. Sucht.

Anspannung in Nacken und Rücken; Beschwerden der Wirbelsäule mit Nervenwurzelerkrankung.

[1] Jonathan Shore: Vögel – Homöopathische Mittel aus dem Vogelreich, Narayana Verlag

[2] Eine weitere Diskussion von Doug Brown zur Differenzierung von Lanthaniden und Vogel-Mittel finden Sie unter: , “Golden Flight: Differentiating the Lanthanide from the Bird” in Hpathy Ezine, Jan. 2013.

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Photos
Amber; Hannes Grobe; Wikimedia Commons; CC BY-SA 2.5
Broken chain; lightspring; Shutterstock
Cygnus; Vlasta Kaspar; Shutterstock

Kategorie: Fälle

Schlüsselwörter: Depression, Alkoholismus, Sucht, Trauer, Hautausschlag auf dem Bauch, Verdauungsbeschwerden, sich gefangen fühlen, Thema Kontrolle, Opferrolle, Verletzlichkeit, Bindungslosigkeit, Pflichtgefühl

Mittel: Cygnus cygnus, Ambra grisea, Hydrogenium, Sulphur hydrogenisatum

Originalartikel: Interhomeopathy.org

Heilung der Mutter-Tochter Beziehung: ein Cygnus cygnus Fall

Von Doug Brown

In meiner Praxis behandele ich viele Patienten mit Depressionen. Oft haben diese Menschen dramatische Lebensgeschichten und erzählen von schwerem Missbrauch oder großer Vernachlässigung. Trauma und persönliche Tragödien hinterlassen Narben in der Lebensenergie des Menschen und offenbaren Spuren, die uns wichtige Hinweise liefern und zum richtigen Arzneimittel führen können, ohne allzu tief in der Seele dieser Patienten wühlen zu müssen. Andere Biografien wiederum verlaufen weniger dramatisch und die Beschwerden entwickeln sich allmählich und ‚sanfter‘, was sich auch in der homöopathischen Behandlung widerspiegelt. In diesen Fällen ist der Weg zum passenden Mittel nicht steinig und steil, sondern führt langsam und allmählich zum Ziel. Auch im vorliegenden Fall arbeitete ich mich Stück für Stück zusammen mit der Patientin zum Kern ihrer Beschwerden vor. Diese Patientin hatte schon viele Mittel bekommen, die ihr auch immer wieder halfen und Linderung verschafften. Aber es gab auch eine tief gehende Traurigkeit, die immer wieder an die Oberfläche kam bis es mir gelang, ein Mittel zu finden, welches die Beziehung der Patientin zu ihrer Tochter grundlegend veränderte. Dieser Prozess der Mittelfindung erinnerte mich stark an die Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede, die wir bei den Vögeln im Vergleich zu den Säugetieren finden. Aus diesem Grund möchte ich diesen Fall hier vorstellen und hoffe, dass Sie als Leser genauso davon profitieren wie ich.

Im Juli 2009 kam eine 65-jährige Patientin in meine Sprechstunde (ich nenne sie hier Tina) um sich wegen eines Hautausschlags am Bauch behandeln zu lassen. Außerdem litt sie an Depressionen. Anfangs erklärte sie sich ihre depressive Stimmungslage mit einem Mangel an Sonnenlicht, sprach aber schon bald sehr ausführlich über ihre Traurigkeit, die sie auf ihre problematische Beziehung zu ihrer erwachsenen Tochter zurückführte.

Tina (T): „Als sie das Kind erwartete, wollte sie nicht, dass ich zu ihr komme und ihr helfe. Es hat dieses alte Gefühl in mir verstärkt, als Mutter versagt zu haben. Sie müssen wissen, dass mein Mann und ich geschieden wurden als meine Tochter und ihr Bruder 17 und 18 Jahre alt waren. Ich glaube, dass sie damals das Gefühl hatte, ich sei nicht für sie da gewesen, dass ich mich von ihr distanzierte. Ich habe große Schuldgefühle wegen meines Alkoholkonsums damals und meiner Sucht.“

Von ihrer Kindheit erzählt Tina Folgendes:

„Ich bin in den High Plains aufgewachsen. Mein Vater war Autohändler, arbeitssüchtig und Alkoholiker. Ich war eines der älteren Kinder in der Familie und musste meiner Mutter im Haushalt und mit den jüngeren Geschwistern helfen. Wir hatten damals nicht viel Liebe und Unterstützung. Ich habe mich kalt und einsam gefühlt. Ich konnte nirgendwo hingehen, ich hatte niemanden, mit dem ich reden konnte. Mit meinen Brüdern habe ich mich nicht verstanden. Die älteren haben mich immer geärgert, dumme Bemerkungen über mein Aussehen gemacht, oder mich ausgelacht, weil ich Klavier und Klarinette gespielt habe. Meine Brüder waren gut in der Schule, ich war es nicht.“

„Ich habe dann mit Cheerleading angefangen, weil es für die Mädchen keinen anderen Sport gab. Für nichts fühlte ich mich gut genug. Die Anderen waren auf guten Schulen, sind zur Luftwaffe gegangen oder sind Rechtsanwälte geworden. Ich hatte das Gefühl zu nichts nutze zu sein.“

„Meine Mutter war immer nur stumm. Ich dachte immer, sie ist sauer auf mich. Ihr Vater war auch Alkoholiker gewesen. Sie hatte es nicht leicht. Ich war ihre kleine Helferin, habe Aufträge für sie erledigt.“ „Ich hätte gerne ihre Anerkennung gehabt, hätte gern gespürt, dass sie mich annimmt so wie ich bin. Das Gegenteil hätte ja geheißen, dass man ein schlechter Mensch ist, jemand, der nicht geliebt wird, der nichts wert ist.“

„Ich habe nur eine Erinnerung an meine Schulzeit. Ich hatte in einem Buch geschrieben, dass ich meinen Schuldirektor hasse. Ich weiß nicht mehr, warum ich das geschrieben habe. Sie wollten sogar Anzeige gegen mich erstatten! Ich habe es nie gemocht still zu sitzen. Geschichte, Erdkunde und Englisch haben mich nie interessiert. Ich war immer aktiv und wollte draußen spielen. Ich wollte draußen sein und meinem Vater auf dem Feld helfen. Das hätte mir Spaß gemacht.“

„Als Teenager hatte ich einen Freund. Diese Beziehung bedeutete alles für mich, aber an der Uni ist die Beziehung dann auseinander gegangen. Ich war am Boden zerstört. Es hat meine ganze Vorstellung vom Leben zerstört.“

„Sex vor der Ehe war gegen meinen Glauben. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich mich auf Petting eingelassen hatte. Ich war verwirrt. Es sollte ja angeblich Spaß machen, aber so war es nicht. Nachdem die Beziehung zu Ende war, hatte ich einen neuen Freund gefunden und wurde gleich schwanger. Das Kind hatte Koliken und immer viel geschrien. Der Vater wollte eigentlich keine Kinder, aber es war seine Ausrede, damit er nicht nach Vietnam musste. Er war kein liebevoller, warmer Mensch. Er war kalt und wütend. Ich wurde wieder schwanger und diesmal bekam ich eine wunderbar ruhige Tochter. Er ging zur Arbeit und ich war mit den Kindern zu Hause. Die Mutterrolle ist mir schwer gefallen. Mein Sohn (wir nennen ihn Eric) war ein schwieriges Kind. Ich hatte keinerlei Begabung. Ich wusste nicht, wie man mit einem schwierigen Kind umgeht. Wir lebten auf dem Land, dort gab es keine Unterstützung. Als ich anfing zu trinken und Marihuana zu rauchen, war das eine große Erleichterung. Es war aufregend und machte Spaß.“

„Wir hatten eine offene Ehe. Es gab Affären und viel Alkohol. Ich war ein Wrack. Es war nicht richtig. Ich sah keinen Ausweg außer, die Ehe zu beenden. Den Kindern war ich nie so nahe, wie ich das eigentlich gewollt hätte. Die Scheidung war schwierig, es hat die Familie auseinandergebrochen. Alles war anders und alle waren am Boden zerstört. Ich erinnere mich an Weihnachten, allein zu Hause. Ich musste mich um den kranken Hund kümmern. Ich war einsam und traurig. Ich fühlte mich ungeliebt, nicht gewollt und nicht geliebt.“

„Meine größte Freude sind meine Enkelkinder. Sie sind fröhlich und liebevoll, wunderbare Kinder.“

„Ich träume immer wieder davon, ein ganzes Semester lang den Unterricht zu verpassen und durch die Prüfung zu fallen.“

„Ich lebe gern auf dem Land. Es ist so ruhig und friedlich. Ich bin gerne weg. Den kalten Wind vertrage ich nicht.“

„Ich habe Angst davor, krank zu werden und nicht mehr für mich sorgen zu können. Ich freue mich nicht aufs Sterben. Ich habe Angst, meinen Mann zu verlieren; wir sind jetzt 14 Jahre verheiratet. Wir haben eine Firma zusammen und er möchte, dass ich mehr arbeite als mir lieb ist. Er möchte, dass ich beim Heu machen helfe, beim Harken und beim Pflanzen der Bäume. Es ist einfach zu viel. Er hat das akzeptiert. Mich hat es eine ganze Zeit lang gestört; ich hatte immer das Gefühl, mehr tun zu müssen.“

Doug Brown (DB): „Welche Beziehung haben Sie zu Tieren?“

T: „Der Hund ist wie ein Kind für uns, wie ein Baby. Es gibt keine Tiere, die ich nicht mag, nur aus Pferden mache ich mir nicht so viel. Sie wissen, dass ich Angst vor ihnen habe sie könnten ja ausbrechen. Sie sind so groß und unberechenbar; ich traue ihnen nicht.“

DB: „Die Arbeit, die Sie zurzeit machen?“

T: „Ich bin in einer Fahrschule angestellt und gebe Unterricht für Leute, die wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt wurden. Mir gefällt es nicht. Ich habe Angst, dass ich etwas vergesse, dass ich nicht weiß, was ich als nächstes sagen soll. Ich werde angespannt und habe Blackouts. Ich arbeite auch in einer Drogenberatungsstelle und es fällt mir schwer, dann auch noch Zeit zu finden zum Spazierengehen und Schwimmen.“

„Neben dem Ausschlag am Bauch muss ich auch oft aufstoßen, und mein Magen fühlt sich übersäuert an.“

Verschreibung: Ambra grisea C200

Verschreibung: Ambra grisea C200

Kommentar: Die körperlichen Beschwerden waren unspezifisch. Es gab keine Empfindungen, die Hinweise auf eine bestimmte Pflanzenfamilie gegeben hätten. Obwohl das Thema der fehlenden Unterstützung Hinweise gibt auf ein Element aus Stadium 2, zog sich das Thema nicht durch den ganzen Fall. Im Gegenteil: es gab dezente Hinweise auf ein Mittel aus dem Tierreich: Die merkwürdige Geschichte der Hassbotschaft gegen den Schuldirektor und die Angst vor einem Strafverfahren; die Worte, die sie häufig verwendet – ‚warm, liebevoll‘ und ‚kalt, einsam, ungeliebt‘ – und ein Opferthema (sie wird von ihren Geschwistern geärgert; das Thema ‚guter Mensch‘/‘schlechter Mensch‘) lassen aufhören. Das Thema ‚Wärme‘ und das Bedürfnis, einer Gemeinschaft oder einem Familienverband anzugehören, ließen mich zuerst nach einem Säugetier-Mittel suchen. Weil es der Patientin schwer fiel, in der Öffentlichkeit zu sprechen (Beruf) und viele Magenbeschwerden hatte, entschied ich mich für Ambra.

14. August 2009

T: „Mir geht es gut! Der Pilz verschwindet langsam und ich bin nicht mehr so emotional. Ich kann die Dinge viel mehr annehmen so, wie sie sind. Ich beurteile nicht mehr so schnell und muss nicht mehr alles unter Kontrolle haben. Ich fühle mich ruhiger und fühle mich mehr mit der Welt im Reinen. Das Mittel hat mich friedlicher und gelassener gemacht. Ich kann die Welt nun akzeptieren, auch im Allgemeinen.“

DB: „Was ist mit der Beziehung zu Ihrer Tochter?“

T: „Sie macht mir nicht mehr so viel Kummer. Die Beziehung ist besser geworden.

Ich habe einen Ausschlag, da wo mein Büstenhalter sitzt. Er kommt und geht. Die Magenübersäuerung ist die gleiche geblieben. Großen Stress habe ich zurzeit mit meinem Sohn. Er ist hysterisch und will Geld von mir, weil sein Leistenbruch operiert werden muss. Er ist heroinsüchtig. Das macht mich hilflos. Ich bin wütend und abgegessen. Er ist so verantwortungslos.“

„Ich möchte entscheiden, wie und wann ich meinen Kindern helfe. Er muss das lernen. Ich bin frustriert.“

„Mein Mann arbeitet immer noch so viel. Ich kann das mehr akzeptieren. Ich habe mit ihm darüber gesprochen, dass ich mehr Freiheit brauche … mich mal mit einer Freundin zum  Kaffee treffen möchte oder zum Mittagessen.“

„Ich hatte einen schlimmen Husten, als ich von dem Besuch bei meiner Tochter wieder zu Hause war … ich konnte deswegen nachts nicht schlafen.“

Verschreibung: Ambra grisea C200

15. September 2009

T: „Mir geht es wirklich gut. Ich habe tonnenweise Energie. Ich bin glücklich. Mit meiner Tochter rede ich nicht so oft, aber wenn wir uns unterhalten, dann richtig lange. Ich vermisse sie und die Kinder; mir fällt es schwer, nicht in ihrer Nähe zu sein. Ich wäre gerne dort, um mit den Kindern helfen zu können.“

DB: „Die Magenübersäuerung?“

T: „Prilosec habe ich vor einer Woche abgesetzt, habe aber immer noch ein paar Beschwerden. Gelegentlich nehme ich noch Zantac ein.“

„ Der Ausschlag ist viel besser geworden. Man sieht ihn nicht mehr so.“

„Ich hatte einen Traum. In dem Traum war ich im Haus eines ehemaligen Freundes. Seine Frau zeigte mir die Tagesdecken, die sie genäht hatte. Ich fühlte mich wie ein Eindringling. Es war mir sehr unangenehm.“

„In einem anderen Traum, wollte eine meiner Klientin, dass ich bei der Geburt ihres Kindes dabei bin. Es war eine große Freude, ein Fest. Es gab ein Festessen. Es war aufregend; ich habe mich sehr gut dabei gefühlt. Es erinnerte mich daran, als ich gebeten wurde, bei der Geburt meiner Enkeltochter dabei zu sein.“

„Ich habe viele positive Träume gehabt. Der folgende Traum hat sich wie ein heilender Traum angefühlt: Wir haben unsere Partner getauscht. Es gab keine Liebe. Ich konnte spüren, was es mit allen gemacht hat. Es war schrecklich. Es war heilsam in dem Sinne, dass ich sehen konnte, wie viele Menschen unter meiner eigenen Scheidung gelitten haben.“

Plan: abwarten.

26.März 2010

T: „Ich habe Angst! Ich habe versucht, eine Nachricht zu verschicken und konnte die Buchstaben auf der Tastatur nicht finden. Dann konnte ich mich nicht mehr an die Namen der Kinder meines Bruders erinnern. Die ganze Episode hat 15 Minuten gedauert. Mir war die Kontrolle völlig entglitten. Ich konnte mich nicht mehr zurechtfinden und hatte Angst, dass das so bleiben würde. Ich hatte Angst, es könnte ein Schlaganfall sein, dass ich sterben könnte. Es war, als wäre das Ende gekommen. Ich fragte meinen Mann schon, ob er noch einmal heiraten würde… und ob er weiterleben würde, als wäre nichts geschehen.“

„Ich fühle mich wichtig; als hätte ich wichtige Dinge geleistet. Und dann ist alles vorbei. Je älter ich werde, desto unwichtiger wird mein Leben; auch für andere Leute unwichtiger. Ältere Menschen nehmen nicht mehr so viel am Leben teil. Ich habe Angst, jemanden zur Last zu fallen und nicht mehr für mich selbst sorgen zu können.“

„Der Ausschlag hat sich ausgebreitet. Er ist jetzt auch auf dem Rücken.“

„Diese Episode hat mich sehr beunruhigt. Ich konnte mich kaum beruhigen. Alles ist mir auf die Nerven gegangen. Mein Mann hat mit seinem Fernseher das ganze Wohnzimmer in Beschlag genommen. Es gibt keinen Platz, an dem ich zur Ruhe kommen kann, an den ich mich zurückziehen kann.“

„Ich fühle mich gefangen. Ich muss dasitzen und ihm beim Telefonieren zuhören. Ich gehe die Wände hoch. Nirgendwo ein Platz für mich. Es ist, als würde man verrückt werden. Wie ein Tier in der Falle, das im Käfig auf und ab geht.“

Verschreibung: Ambra grisea 1M

Kommentar: Man könnte meinen, dass ich zu diesem Zeitpunkt das Vogel-Thema hätte erkennen müssen. Zusätzlich zu der Empfindung des Gefangenseins, zeigt die Patientin eine erhöhte Sensibilität für das Thema des eigenen Raums, einem Platz, an dem sie sich niederlassen kann. Das Nervensystem der Menschen, die mit einem Vogelmittel in Resonanz gehen, ist stärker angespannt, sensibler und reizbarer als bei Patienten, die ein Säugetier-Mittel brauchen. Das Thema des eigenen Reviers äußert sich meist in Zusammenhang mit dem Bedürfnis, sich niederzulassen an einem ruhigen Ort und dieser Reizbarkeit entfliehen zu können. Zusätzlich spricht die Patientin ein weiteres wichtiges Vogel-Thema an, nämlich von Bedeutung zu sein und teilzuhaben an sinnvollen Betätigungen. Wir werden später noch mehr darauf eingehen.

4. Mai 2010

T: „Ich hatte große Rückenschmerzen. Im Röntgenbild wurde festgestellt, dass ich eine Lungenentzündung hatte. Die Schmerzen waren unerträglich. Und mein Herz? Ich habe mich hilflos gefühlt; es hat mich verzehrt.“

„Hilflosigkeit… das ist, wenn man keinerlei Kontrolle hat über Gefühle, Emotionen, über das, was passiert. Angst, Verwirrung, was passiert jetzt? Ein Gefühl von Elend, Traurigkeit.“

„Ich habe im Traum eine Nähmaschine gestohlen. Ich hatte Schuldgefühle.“

DB: „Ein Beispiel für Kontrollverlust?

T: „Sterben. Sterben, ohne es annehmen zu können. Oder ein Unfall, bei dem ein Fußgänger überfahren wird.“

„Am wohlsten fühle ich mich mit meinen Enkelkindern. Oder bei meiner Arbeit, mit meinen Klienten. Bei der Gartenarbeit, oder beim Kochen.“

DB: „Tanzen?“

T: „Ich liebe es zu tanzen. Ich fühle mich dann frei, glücklich und lebendig.“

DB: „Frei?“

T: „Das zu tun, was ich möchte. Sogar auszurasten. Erleichterung, Dampf ablassen, die Katze aus dem Sack lassen. Nicht mehr alles unter Kontrolle haben zu müssen.“

Verschreibung: Carcinosinum C200

Kommentar: Das Thema der Kontrolle sprang mir ins Auge; nichtsdestotrotz konnte ich das Bild eines Vogel-Mittels noch nicht erkennen. Das Energiefeld dieser wunderbaren Patientin war empfänglich für viele Mittel, die ihr auch geholfen haben.

8. Juni 2010

T: „Mir geht es gut, mir geht es richtig gut! Das neue Mittel hat sehr gut gewirkt. Es gibt mir einen richtigen Energieschub. Ich bin nicht mehr so passiv, ich kann mich mehr durchsetzen. Es grenzt schon fast an Ungeduld. Ich habe nicht mehr so viel Angst, dass ich die Gefühle anderer verletzen könnte. Bis zu einem gewissen Punkt funktioniert das gut. Ich darf es nur nicht übertreiben. Ich bin jetzt eher in der Lage zu sagen, was ich denke.“

DB: „Die Rückenschmerzen?“

T: „Ich habe sie ab und zu immer noch, aber es macht mir nicht wirklich Beschwerden. Ich glaube, es ist ein Muskel. Es kommt und geht.“

DB: „Die Hilflosigkeit?“

T: „Das habe ich nicht mehr.“

Plan: abwarten.

23. November 2010

T: „Viele Probleme. Meine Hüftprothese sitzt nicht mehr richtig. Ich muss wieder operiert werden.

Ich wurde von einem Auto angefahren und wurde an der Schulter und an der Hüfte verletzt. Das zeigt uns, wie verletzlich ein Mensch ist, wie schnell sich das Leben verändern kann. Es ist ein Weckruf.“

„Ich war auf dieser Reise, die ich eigentlich gar nicht machen wollte. 50 000 Leute auf einem Kongress zum Thema Sucht. Ich bin ausgerastet. Der Bus ist falsch abgebogen; ich habe mich sehr hilflos gefühlt.“

„Ich fühle mich entfremdet von meiner Familie. Meine Tochter geht nach Frankreich um die Familie ihres Mannes zu besuchen. Ich freue mich für sie, würde aber auch gerne mitfahren. Mein Mann glaubt immer zu wissen, was als nächstes passieren wird. Sein Selbstvertrauen wider mich an.“

DB: „Verletzlichkeit?“

T: „Es macht mich traurig, wie schnell sich das Leben verändern kann. Als ich merkte, dass ich von einem Auto angefahren werde, war ich in einem Schockzustand. Ich konnte die Wucht des Aufpralls förmlich spüren. Ich war wie gelähmt. Danach musste ich feststellen, dass den Augenblick nicht mehr genießen konnte, das Hier und Jetzt. Ich musste ständig die Vergangenheit wieder durchleben.“

„Nie war das Gefühl der Entfremdung so stark wie während meiner Scheidung. Ich hatte solche Angst. Ich fühlte mich verletzt und habe mich geschämt. Ich fragte mich, wie ich allein zurechtkommen würde? Entscheidungen treffen? Finanziell über die Runden kommen?“

Verschreibung: Hydrogenium C200

 

Kommentar: Rückblickend ist man immer schlauer. Trotzdem ist es schwierig zu verstehen, dass ich die Essenz eines Vogel-Mittels immer noch nicht erkennen konnte.

Einmal ist da die Hüftprothese, die nicht an ihrem Platz bleibt. Was in der Falle sitzt, versucht zu fliehen! Dann das Opferthema im Kontext des Autounfalls. Verletzlichkeit ist ein großes Thema der Vögel. Diese Erfahrung der eigenen Verletzlichkeit hat schließlich maßgeblich zur Entwicklung der Flugfähigkeit beigetragen.

Dann haben wir das Thema der Entfremdung, auch dieses Wort ist ein wichtiger Bestandteil des Vogel-Vokabulars. Bei den Vögeln liegt der Schwerpunkt auf Beziehungen, insbesondere auf Bindungen innerhalb der Familie.

23.Dezember.2010

T: „Ich habe keinen großen Unterschied feststellen können. Mir geht es gut, bin nicht nervös.

Ich bin traurig, weil ich Weihnachten nicht mit Freunden verbringen kann. Ohne die Enkelkinder fehlt etwas.“

„Mein linker Fuß tut weh. Ich kann kaum laufen.“

„Meine Zukunft sieht düster aus. Ich fühle mich nutzlos.“

Verschreibung: Interessanterweise spürte die Patientin zum ersten Mal keine Reaktion auf ein Mittel. Es war auch das erste Mal, dass ein Mittel verschrieben wurde, welches nicht aus dem Tierreich stammt. Warum habe darauf beharrt? Ich weiß es nicht!

29.01.2011

T. „Das Mittel hat geholfen. Ich denke nicht mehr so oft über das Älterwerden nach, ich grüble nicht mehr so viel. Aber wenn die Angst doch kommt, habe ich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Ich wache nachts um 2 Uhr auf und kann nicht mehr einschlafen. Meine Tochter und meine Enkelinnen vermisse ich immer noch. Die Schmerzen im Fuß sind besser.“

18. April 2011

T: „Mir geht es wirklich gut. Ich habe ein paar große Herausforderungen gemeistert. Es ist sehr befriedigend; ich fühle mich stark und zuversichtlich. Ich fühle mich viel stärker als vorher.

Meine Mutter wird nicht mehr lange leben. Sie entgleitet uns. Ich mache mir Sorgen, was mit ihr passieren wird. Manchmal bekomme ich die Krise, dann will ich nur noch allein da sitzen, niemanden sehen, nichts machen. Einfach auf der Couch liegen und lesen.“

Träume

„Meine Schwester wird mit dem Samen meines Mannes befruchtet. Ich konnte es ihr nicht erzählen. Es war ein großes Geheimnis. Es war schlimm für mich. Nicht nur wegen meines Mannes, sondern weil sie viel älter ist. Ich hatte Angst, dass das Baby mit Down Syndrom geboren wird, dass es nicht normal ist.“

„Eine Freundin hat einen Mann dazu überredet, sich in Kanada behandeln zu lassen und viel Geld dafür zu bezahlen. Ich mag es nicht, wenn Leute gezwungen werden, etwas gegen ihren Willen zu tun.“

„Eine Gruppe von Leuten in der Nähe eines Sees; ich versuche, einen Platz zu finden, an dem ich mich verstecken kann. Leute kommen, um uns zu töten.“

T: „Meine Familie – das, was davon übrig ist – hat sich aufgelöst. Mein Sohn (heroinsüchtig) ist verstoßen worden. Man hat keine Verbindung mehr. Keine Familie mehr um sich herum. Einsam. Ohne Bedeutung. Ein Abgrund.“

Verschreibung: Hydrogenium LM6

Kommentar: Diese Träume sind so wichtig! Die Themen: Geheimnisse, Untreue, Verrat, abnorm, zu etwas gezwungen werden, an einem See gejagt zu werden.

Hydrogenium hat folgende Rubriken:

Gemüt; Wahnidee; verraten worden; er sei

Gemüt; Wahnideen; ermordet werden; er würde ermordet; Verschwörung angezettelt, ihn umzubringen, andere hätten eine

Rückblickend können wir natürlich sagen, dass dieser Fall noch anderes zu bieten hat als das, was Hydrogenium abdeckt.

16. August 2011

T: „Die Hölle ist losgebrochen. Ich musste meine Mutter in einer Demenz-WG unterbringen. Es war schrecklich. Sie weinte und wollte nicht, dass ich sie dort lasse. Ich kann ihr aber nicht helfen. Ich kann mich einfach nicht um sie kümmern, es wäre ein Vollzeitjob.“

„Ich fühle mich erschöpft. Ich habe nichts mehr zu geben. Ich bin traurig, zerstreut, ausgelaugt. Ich sitze nur da und starre aus dem Fenster. Es fällt mir schwer, ausgeglichen zu bleiben. Es gibt viele Leute, die versuchen, den Kopf über Wasser zu halten. Ich drehe mich im Kreis.“

Träume

„Ich gehe irgendwo hin und will nicht, dass Mama alleine bleibt. Ich habe eine Frau, die sie kaum kennt, gebeten, sich um sie zu kümmern. Alle meine Geschwister waren sauer deswegen. Jeder war sauer auf mich. Ich konnte es nicht mehr rückgängig machen. Es war schon passiert.“

„Von einem Freund, mit dem ich zusammen war, bevor mein Mann gestorben ist. Ich war bei ihm. Es war angenehm, es hat mir keine Angst gemacht. Es war ruhig und friedlich.“

Verschreibung: Hydrogenium LM7

Kommentar: an dieser Stelle taucht ein wichtiges Vogel-Thema auf: Pflichterfüllung.

24. Oktober 2011

T: „Meine Tochter versucht, sich von der Familie abzukapseln; es hat sich wie eine Zurückweisung angefühlt und ich bin aufgewacht und habe geweint. Der Freund meines Mannes hat mir vorgeworfen, ihn  nicht zu mögen. Es wird alles aus mir herausgesogen. Wenn noch jemand etwas von mir verlangt, werde ich wahrscheinlich ungemütlich. Das Wichtigste im Leben ist nett zu sein, freundlich. Ich bin zu sehr mit mir selbst beschäftigt, zu egoistisch.

Erschöpfung ist wie tot sein, nur dass man noch lebt. Deine Seele ist tot. Man hat keine Spiritualität mehr.“

Verschreibung: Sulphur hydrogenisatum LM5

Kommentar: Vögel sind Kreaturen der Lüfte, des Hauches und der Spiritualität. Der Tod wird als Auslöschung der Seele empfunden, viel mehr als ein einfacher Herzstillstand.

Die folgenden Auszüge stammen aus der Zeit zwischen 2012 und 2014.

T: „Ich bin frustriert wegen dieser einen Frau, die glaubt, alles im Griff haben zu müssen. Sie muss die Chefin raushängen lassen, jedem sagen, was er zu tun und zu lassen hat. Sie redet immer nur über sich. Sie ist egozentrisch.

Empathie. Man weiß ja nicht, was der andere durchgemacht hat. Schreckliche Dinge … Vergewaltigung, Mord, Schießereien.“

Traum

„Ein Flugzeugabsturz. Ich habe nur knapp überlebt.“

T: „Trauer. Mutter ist in einem Pflegeheim. Mache viel durch. Bewege mich vom Unbewussten zum Bewusstsein. Ich behaupte mich: Das ist neu für mich.“

Träume

„Meine Mutter ist im Pflegeheim und kann ihre Blase nicht mehr kontrollieren. Wir sitzen zusammen, sticken, tanzen.“

„Meine Freundin küsst meinen Mann und tut so, als wäre nichts dabei.“

T: „Meine Stieftochter lebt nebenan – noch jemand, um den ich mich kümmern muss.“

„Kein Austausch, kein Kontakt in der Familie. Sie leben da drüben in einer Blase. Sie schauen nicht einmal aus dem Fenster, um zu sehen, was los ist.“

„Ich bin sehr nervös und angespannt. Ich hatte einen Klienten, der erzählte und erzählte. Mir fiel es schwer, da zu sitzen und zuzuhören. Mein Körper spannt sich an und macht zu. Ich kann nichts mehr aufnehmen. Ich fühle mich gefangen und möchte raus. Es fühlt sich an, als wäre ich in einer dunklen Höhle gefangen, an einem dunklen Ort. Ich stecke fest, es gibt keinen Ausweg. Ich bete, bitte Gott um Hilfe. Ein weißer Vogel fliegt an mir vorbei, landet und zeigt mir, dass er mir hilft.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, das durchzumachen, was andere Menschen durchmachen müssen, mit Tod und Angst. Viel Empathie.“

„Es wird immer enger; ich kann nicht atmen.“

Träume

„Ich bin in der Stadt, in der meine Großmutter lebt, ich besuche sie aber nicht. Furchtbar. Warum besuche ich sie nicht? Alles zieht sich um mich herum zusammen.“

„Ich gehe mit meiner Enkelin zu dem See, an dem ich aufgewachsen bin. Dort wecken uns die Vögel und locken uns nach draußen.“

„Ich versuche auf dem Wasser zu laufen, mich zu erhalten.“

„Mein Mann hat eine Affäre mit der Frau seines Freundes. Ich fühlte mich am Boden zerstört und verraten.“

T: „Ich habe das Gefühl, alle im Stich gelassen zu haben, ein Versager zu sein.“

„Ich sehe meine Mutter. Sie ist tot. Sie sitzt in ihrem Sessel. Ihre Seele ist nicht mehr da.“

„Mein Mann ist dominant, kontrollierend. Die Zurückweisung durch die Tochter ist die ultimative Kränkung. Ein Teil von mir ist gestorben. Sie ist da, aber nicht anwesend. Wie meine Mutter im Pflegeheim.“

Traum

„Von meinem Neffen. Es war romantisch, als würden wir uns zum ersten Mal verlieben. Die Zeit, wenn alles im Leben neu, aufregend und voller Hoffnung ist.“

2. Oktober 2014

Verschreibung: Cygnus cygnus C200

Kommentar: Endlich habe ich verstanden, worum es geht. Der weiße Vogel im Traum meiner Patientin hat mich auf den richtigen Weg geführt! Cygnus, natürlich, ist das Mittel für Trauer um die Lebenden [1]. Der Schwan läuft auf dem Wasser, das Symbol der Gefühlswelt.

Follow ups nach Cygnus

3. November 2014

„Es war eine Qual. Meine Mutter ist gestorben. Ich war bei ihr und bin froh darüber. Das Mittel schien zu wirken schon bevor ich es eingenommen hatte, bevor die Qualen losgingen. Die Trauer und der Kummer haben mich nicht völlig überrannt. Und die Trauer um sie nimmt mich nicht völlig ein.“

„Körperlich geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Meine Hüfte fühlt sich gut an. Ich habe keine Schmerzen.“

„Ich fühle mich mehr mit meinem Mann verbunden. Auf der Arbeit trete ich kürzer. Ich habe akzeptiert, dass Unglücke geschehen. Dass es Dinge gibt, die außerhalb meiner Kontrolle sind. Ich freue mich, dass meine Schwiegertochter nebenan wohnt.“

5. Februar 2015

„Meine Tochter rief an und tat so, als wäre nichts passiert. Habe ich mir nur eingebildet, dass es diesen Bruch gab? Sie ist wieder in mein Leben getreten! Meine Enkeltochter besucht mich vielleicht in den Sommerferien.“

„Ich habe von meiner Mutter geträumt, sie war am Meer. Sie hatte sich daran gewöhnt, dort zu sein; ich war glücklich.“

DB: „Was ist mit der Trauer?“

T:“Ich habe meine Frieden damit geschlossen.“

Vögel – Säugetiere

Vögel und Säugetiere sind hoch entwickelte Tiere, deren Überleben hauptsächlich dadurch gesichert wird, dass sie Beziehungen zu anderen Mitgliedern ihrer Spezies eingehen. Wenn wir uns die Klassen des Tierreichs anschauen – Insekten, Knochenfische, Spinnen, Amphibien, Krustentiere, Spinnentiere, Reptilien, Vögel und Säugetiere – fällt sofort auf, dass nur die letzten beiden Klassen Brutpflege betreiben und ihren Nachwuchs schützen.

Da bei allen Arzneimitteln dieser beiden Ordnungen die Themen Fürsorge und Kooperation prägend für das Arzneimittelbild sind, stellt sich die Frage, wie man diese Mittelgruppen unterscheiden kann.

Säugetier- und Milchmittel kämpfen um ihre eigene Identität. Dazugehören ist wichtiger als verbunden zu sein. Säugetiere können sogar so weit gehen, einen Teil ihrer eigenen Identität aufzugeben, um dazuzugehören. Die Säugetiere verhalten sich im Vergleich zu den Vögeln etwa so wie die Malvaceae zu den Solanaceae im Pflanzenreich: Für Säugetiere ist es wichtig, dass andere wissen, wer sie sind. Vögel brauchen andere um teilzuhaben an der Gemeinschaft oder zusammen etwas Bedeutsames zu schaffen.

Bei den Säugetieren sind Hierarchie und Konkurrenzverhalten sehr wichtig, finden aber im Verborgenen statt. Meist ist das sykotische Miasma deutlich zu erkennen. Bei den Vögeln gibt es diese Faktoren auch, aber die gesellschaftliche Teilhabe hat einen höheren Stellenwert. Sie wollen am Leben teilhaben, etwas Sinnvolles tun, um einen guten Fußabdruck auf der Erde zu hinterlassen. Vögel haben nicht so sehr das Gefühl auf einer bestimmten Ebene der Herdenhierarchie festzustecken, sondern investieren viel Energie, um im Leben voranzukommen. Das kann den Anschein erwecken, sie wollten unbedingt auf der gesellschaftlichen Leiter nach oben klettern, um eine bessere Position zu erreichen. Um ihre Ziele zu erreichen müssen sie enorme Disziplin an den Tag legen. Meist kann man Hinweise auf das Krebsmiasma finden. Auf der Verstandesebene funktionieren die Vögel eher abstrakt und denken in Symbolen, vielmehr so als die Säugetiere. Das Loslösen von den irdischen Sphären in Kombination mit einer echten Vision (die zum Fliegen unbedingt gebraucht wird) kann sich als Abgehoben-sein, Finesse, Zerstreutheit, Arbeitswut, Idealismus oder Sonderbarkeit äußern.

Vogel-Mittel legen viel Wert auf Bewegung; sie bewegen sich von einem Ort zum anderen. Bei unseren Patienten kann sich das im Übergang von einer Lebensphase zur anderen zeigen, vielleicht sogar die Bewegung vom Leben in den Tod (die Seele fliegt). Oft liegen Beschwerden des Bewegungsapparates und der Wirbelsäule vor. Bei den Säugetieren finden sich häufig Gefühle der Überlegenheit oder der Minderwertigkeit. Bei den Vögeln sehen wir eher das Gefühl versagt zu haben, oder erfolgreich gewesen zu sein. Das kann sich auf ein persönliches Ziel beziehen, eine neue Arbeitsstelle oder – wahrscheinlicher – eine Sinnhaftigkeit und Verbundenheit zu finden in einem ansonsten desolaten und bedeutungslosen Kosmos.

Für Säugetiere bedeutet die Gemeinschaft Schutz, Fürsorge und Liebe. Bei den Vögeln hören wir öfter die Begriffe Inklusion und Exklusion. Diese verzahnen sich mit der Empfindung von Bindung und Teilhabe. Das Gegenteil hier ist entfremdet, distanziert, abgelöst. Bei den Säugetieren finden wir Begriffe wie ausgestoßen, allein, ausgeschlossen. In der Praxis sind die Unterschiede oft nicht ganz so klar und deutlich gesteckt, da beide Mittelgruppen jeden dieser Begriffe benutzen können.

Hilfreicher ist es wahrscheinlich zu wissen, dass Vogel-Patienten sehr viel Wert auf ihre Autonomie legen. „Gezwungen zu werden, etwas gegen seinen Willen zu tun“ ist bezeichnend für die Essenz der Vogelarzneien [2] (2). Zusätzlich haben sie ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl anderen Menschen gegenüber, was paradoxerweise ein Gefühl von Bedeutung und Zugehörigkeit vermittelt, den Patienten aber auch in seiner Freiheit einschränkt und gefangen hält.

Weitere Ausdrucksweisen der Vogelenergie:

Aus dem Fenster schauen.

Familie.

Gleichgewicht; zum Fliegen braucht man zwei Flügel und einen guten Gleichgewichtssinn.

Orientierungslosigkeit; „Ich komme nicht zurecht.“ Kann an die Magnoliidae erinnern.

Perfektionismus – alles richtig machen – hohe Erwartungen.

Flugzeugabsturz

> Draußen/frische Luft – gefangen sein. Folgen von Wind, entweder gut oder schlecht.

Fremd/merkwürdig/entfremdet; ein Kontinuum.

Empathie/Mitgefühl mit nach außen gerichteten Bewegungen gefolgt von Rückzug, Überwältigung.

Dankbarkeit.

Sich des Unbewussten bewusst sein, Schatten.

Verlangen, ein Vermächtnis zu hinterlassen, eine Fußabdruck auf der Erde; Eule – Weisheit; Ibis – Schönheit und Leidenschaft; Taube – Friede und Unschuld; Kondor – sich ergeben, sterben; Ara – Individualität, etc.

Schokolade/Tea/Alkohol. Sucht.

Anspannung in Nacken und Rücken; Beschwerden der Wirbelsäule mit Nervenwurzelerkrankung.

[1] Jonathan Shore: Vögel – Homöopathische Mittel aus dem Vogelreich, Narayana Verlag

[2] Eine weitere Diskussion von Doug Brown zur Differenzierung von Lanthaniden und Vogel-Mittel finden Sie unter: , “Golden Flight: Differentiating the Lanthanide from the Bird” in Hpathy Ezine, Jan. 2013.

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Photos
Amber; Hannes Grobe; Wikimedia Commons; CC BY-SA 2.5
Broken chain; lightspring; Shutterstock
Cygnus; Vlasta Kaspar; Shutterstock

Kategorie: Fälle

Schlüsselwörter: Depression, Alkoholismus, Sucht, Trauer, Hautausschlag auf dem Bauch, Verdauungsbeschwerden, sich gefangen fühlen, Thema Kontrolle, Opferrolle, Verletzlichkeit, Bindungslosigkeit, Pflichtgefühl

Mittel: Cygnus cygnus, Ambra grisea, Hydrogenium, Sulphur hydrogenisatum

Originalartikel: Interhomeopathy.org




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