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Jürgen Hansel

 ¦ Ruta graveolens

SPEKTRUM DER HOMÖOPATHIE

9

RHEUMA

Im linken Handgelenke schmerzt’s ihn, wie zerbrochen,

selbst in Ruhe

Die Knochen der Handgelenke und des Handrückens

schmerzen wie zerschlagen, in Ruhe und Bewegung

DIE FAMILIE DER RUTACEEN

Rutaceen nach Sankaran:

Dieser Schmerzcharakter ist nach

Sankaran typisch für die ganze Arzneifamilie der Rutaceen. Der

indische Homöopath gibt als Vitalempfindung der Rautenge-

wächse an: „Squeezed, then crushed“. „Squeeze“ bedeutet

(aus)quetschen, (aus)pressen, einzwängen und im übertrage-

nen Sinn auch auspowern, „ crush“ geht darüber hinaus und

bedeutet zerquetschen, zerstoßen, zermalmen, zerschmettern,

zerbrechen.

Rutaceen nach Scholten:

Das Ausquetschen und Auspowern

bestimmt nach Jan Scholten das gesamte Bild dieser Familie,

zu der auch die Zitruspflanzen gehören. Scholten nimmt das

Glas Orangensaft als Vergleich, das am Morgen Energie und

gute Laune für den ganzen Tag gibt. Diese Menschen gehen

wie die der Eisenserie ganz in ihrer Arbeit auf, sie vergessen

sich selbst dabei und ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle. Sie

engagieren sich mehr für andere als sich selbst. Dabei werden

sie leicht von anderen ausgenutzt und oft geradezu ausgepresst

wie eine Zitrone. Das nehmen sie so lange ohne Aggressionen

hin, bis sie völlig ausgepowert sind. Auf sie passt das Sprich-

wort: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.“ Erst

wenn die Kraft erschöpft ist, wenn diese Menschen überlastet

und überanstrengt sind, wenn sie sich übernommen und ver-

hoben haben, setzt die Pathologie ein, sowohl im körperlichen

als auch im Gemütsbereich. Ganz typisch für Ruta sind deshalb

Beschwerden nach Überanstrengung, vor allem am Bewegungs-

apparat und an den Augen.

Ausgepresst wie eine Zitrone:

Die psychischen Symptome, die

der RUTA-Patient dann entwickelt und die wir auch aus der AMP

kennen, sind relativ unspezifisch: „Ärgerlich, missmutig, nieder-

geschlagen, unzufrieden mit sich selbst und anderen, neigt zu

Streit und Widerspruch, ist reizbar“. Auffällig daran ist ledig-

lich, dass diese Beschreibungen im Widerspruch zu dem von

Scholten erarbeiteten Persönlichkeitsprofil liegen. Was Scholten

beschreibt, ist die prämorbide Persönlichkeit des Ruta-Patienten,

die man auch ganz gut im Fallbeispiel wiedererkennen kann.

Die Gemütssymptome, die wir aus der Prüfung kennen, zeigen

dagegen den Krug, nachdem er gebrochen ist, d. h. den dekom-

pensierten RUTA-Patienten, der ausgepowert ist, ausgepresst

wie eine Zitrone, niedergeschlagen und verbittert.

Ruta in der Prüfung Hahnemanns:

Ein Prüfer Hahnemanns

beschrieb in diesem Zustand eine ganz interessante Empfin-

dung: „Den ganzen Tag über ärgerlich und mißtrauisch; er

traute seinem besten Freunde nicht mehr und glaubte, immer

hintergangen zu werden“. In den Repertorien Synthesis und

Complete findet man dazu die Rubrik: „Wahnidee, er sei betro-

gen, getäuscht worden“. Diese Rubrik ist ein wichtiger Pfeiler

bei der Verordnung von Ruta graveolens in diesem Fall. Denn

Das Arbeitsethos der deutschen Kanzlerin, Rücken

gerade, durchhalten und weitermachen, entspricht dem

Bild von Ruta. Die Raute der deutschen Kanzlerin zählt

inzwischen zu den weltweit bekanntesten Gesten in der

internationalen Politik und wurde vielfach interpretiert

und symbolisch aufgeladen.

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