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HOMÖOPATHIE IN DER UNIVERSITÄTSKLINIK

Interview mit Dr. Sigrid Kruse

von Heidi Brand & Anne Devillard

 

Auszug aus dem Buch „DIE PIONIERE DER HOMÖOPATHIE IM 21. JAHRHUNDERT“

von Heidi Brand & Anne Devillard

 

Seit mehr als 200 Jahren hat das homöopathische Heilsystem seine Wirksamkeit bei der Behandlung unzähliger chronischer und akuter Krankheitsfälle immer wieder unter Beweis gestellt. Von Befürwortern der konventionellen Medizin sowie in Wissenschaftskreisen wird die Homöopathie dennoch nicht als eine effiziente medizinische Therapieform betrachtet, die auf präzisen Heilgesetzen beruht. Sie wird zurzeit sogar immer häufiger als eine unseriöse Heilmethode in der Öffentlichkeit herabgesetzt. Was Homöopathie am Krankenbett leisten und wie die effektive Zusammenarbeit von Kollegen aller Therapierichtungen praktiziert werden kann, zeigt das folgende Interview mit Dr. Sigrid Kruse, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, das zusammen mit 15 weiteren Gesprächen in dem Buch von Heidi Brand und Anne Devillard „DIE PIONIERE DER HOMÖOPATHIE IM 21. JAHRHUNDERT“ veröffentlicht wurde.

 

 Dr. Kruse ist seit 1995 am Dr. von Haunerschen Kinderspital des Klinikums der Universität München tätig und leitet dort den Bereich Homöopathie. Die Haunersche Kinderklinik gilt als eines der renommiertesten Universitätskinderkrankenhäuser europaweit und ist unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Klein beispielhaft in der pädiatrischen Forschung für die Verbesserung der Therapie bei akuten und chronischen Erkrankungen im Kindesalter.

Sigrid Kruse ist im Moment die einzige homöopathische Ärztin in Deutschland, die Patienten an einer Universitätskinderklinik homöopathisch begleitend behandelt, sowohl ambulant wie stationär. Sie hält europaweit Vorträge und organisiert die „Ringvorlesung Homöopathie“ an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Seit 2002 leitet sie auch das jährlich stattfindende internationale Symposium „Homöopathie in Klinik, Praxis und Forschung“, das dem Dialog zwischen konventionellen und homöopathischen Ärzten dient. Ferner vermittelt sie Medizinstudenten im Rahmen des Wahlfachs einen Einblick in die Homöopathie und gibt ihnen sowie den Ärzten die Möglichkeit, am Krankenbett praktische Homöopathie zu erleben.

 

Frau Dr. Kruse, mit Ihrer Hilfe ist es erstmals gelungen, die Homöopathie als komplementäre Therapie in eine universitäre Klinik zu integrieren. Was sind die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit? Welche Krankheiten behandeln Sie vorwiegend bzw. unterstützen Sie homöopathisch?

An der Universitätsklinik gibt es drei Bereiche: Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Für uns ist die Homöopathie ein Teil der modernen Medizin. Also haben wir uns auch um diese drei Bereiche zu kümmern und ihnen gerecht zu werden. 

Was die Patientenversorgung betrifft, bilden die stationären Kinder einen großen Schwerpunkt. Hier werde ich zum homöopathischen Konsil gerufen und komme auf die Station, wo ich gebraucht werde. Ein Konsil ist die patientenbezogene Beratung eines Arztes durch einen anderen Arzt. Das ist hier mittlerweile so selbstverständlich wie ein Konsil der Allergologie, Gastroenterologie oder Neurologie geworden. Der Experte kommt einfach auf die Station, wenn er angefordert wird. Ich werde mittlerweile auf alle Stationen gerufen. Die Schwerpunkte bilden die Neonatologie, die Onkologie, die Kinderchirurgie, aber auch die Intensivstationen.

Einmal in der Woche bin ich im Klinikum Großhadern zum Konsil. Dort befindet sich eine Intensivstation für Kinder. Hier ist auch die Kinderkardiologie beheimatet, in der Kinder mit Herzerkrankungen behandelt werden, die wegen eines Herzfehlers operiert werden müssen oder auf ein neues Herz warten. Ebenso befindet sich hier die Kinderneurologie, wo Kinder mit Hirntumoren oder nach einem Schädel-Hirn-Trauma behandelt werden. Eine weitere Station ist die Kinderpalliativstation, auf der wir mit der Homöopathie ebenfalls begleitend zur Seite stehen.

Ich werde auch oft gerufen, wenn Kinder sehr unruhig sind, zum Beispiel, wenn Säuglinge viel schreien. Keiner in der Kinderheilkunde gibt gern Beruhigungsmittel wegen möglicher Nebenwirkungen. Die Homöopathie wird zudem eingesetzt, um die Nebenwirkungen der konventionellen Therapie abzumildern. In der Onkologie – wenn ein Kind beispielsweise eine Leukämie hat – wird natürlich die Chemotherapie durchgeführt. Eine begleitende homöopathische Therapie kann Nebenwirkungen abfangen, sodass das Kind besser durch die Chemotherapie kommt.

Wir können mit der Homöopathie immer wieder Medikamente einsparen und dazu beitragen, dass die Kinder früher nach Hause entlassen werden. Das sind erfreuliche zusätzliche Effekte.

 

Welche Rolle spielt für Sie als homöopathische Ärztin die Diagnose?

Bevor man überhaupt anfängt zu behandeln, ist es wichtig, eine Diagnose zu stellen und sich zu überlegen, ob die Homöopathie hier überhaupt zum Einsatz kommen soll. Denn es geht immer darum, gemeinsam die bestmögliche Therapie für das Kind zu finden. Deswegen halte ich die Diagnostik für das A und O und das Wichtigste, bevor wir homöopathisch behandeln.

Dann schaue ich mir das Kind an, mache eine Anamnese (Fallaufnahme) mit der Mutter oder dem Vater, mit dem Kind und überlege: „Wie kann ich hier am besten homöopathisch behandeln?“ Im weiteren Vorgehen unterscheide ich, ob es sich um eine akute oder eine chronische Krankheit handelt. Bei den akuten Krankheitsfällen verordne ich gern nach der bewährten Indikation aufgrund des vollständigen lokalen Symptoms. Bei chronischen Krankheiten führe ich natürlich eine ausführliche Anamnese durch und verordne dann aufgrund der Gesamtheit der Symptome und aufgrund der Konstitution und der Diathese des Patienten eine homöopathische Arznei. Die Diathesen entsprechen nach der Lehre von Prof. Dr. Mathias Dorcsi, dem Begründer der „Wiener Schule der Homöopathie“, in etwa den drei Hahnemannschen Miasmen Psora, Sykose und Syphilis.

 

Neben dem stationären Bereich sind Sie auch in der Notfallambulanz tätig. Wie sieht dort der Einsatz der Homöopathie als komplementäre Medizin aus?

Ich bin froh darüber, hier die Homöopathie einsetzen zu können, zum Beispiel bei Virusinfektionen. Wir werden zum Glück mit den Antibiotika immer zurückhaltender. Sie werden nur eingesetzt, wenn sie wirklich angezeigt sind, nämlich bei bakteriellen Infektionen. Viele Kinder kommen in die Notfallambulanz aber mit viralen Infektionen, und hier bin ich dankbar, die Homöopathie als Therapiemöglichkeit zu haben. Mithilfe des vollständigen Lokalsymptoms kann auch in der Notfallambulanz bei viralen Infektionen rasch eine individuell passende Arznei gefunden werden.

  

Beeindruckende Ergebnisse

 

Könnten Sie uns von Fällen erzählen – wenn es Ihre Schweigepflicht nicht verletzt –, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind und die deutlich machen, wozu die Homöopathie als komplementäre Therapie in der Universitätsklinik in der Lage ist?

Mich beeindrucken immer noch Kinder mit Hirnblutungen dritten Grades, bei denen wir konventionell ursächlich nicht so viel tun können. Diese Hirnblutungen treten immer wieder bei Frühgeborenen auf, oft gar nicht zum Zeitpunkt der Geburt, sondern erst am dritten, vierten Lebenstag. Wir hatten den Fall von Ludwig, einem Zwilling, der in der 23. Woche geboren wurde und am dritten Lebenstag eine beidseitige Hirnblutung sowie eine Lungenblutung bekam. Das Kind musste reanimiert werden.

Die Prognose für Kinder mit einer Hirnblutung dritten Grades ist nicht besonders gut. Laut Statistik haben sie eine Chance von sieben bis zehn Prozent, sich normal zu entwickeln. Alle anderen leiden unter mäßigen bis schweren Entwicklungsstörungen.

Zusammen mit den Eltern von Ludwig wurde besprochen, ob weitere Intensivmaßnahmen durchgeführt werden sollten. Die Reanimation wurde fortgesetzt und Ludwig stabilisierte sich wieder. 

Nachdem er die bedrohliche Phase überstanden hatte, entwickelte er nach der Blutung einen posthämorrhagischen Hydrocephalus. Diesen nach einer Blutung auftretenden Wasserkopf beobachten wir immer wieder. Aus diesem Grund wurde er zu uns ins Dr. von Haunersche Kinderspital verlegt. Und weil wir bereits einige Kinder mit Hirnblutung dritten Grades homöopathisch begleitend behandelt hatten, hat mich der Leiter der Neonatologie dazu geholt.

Nach einer ausführlichen Anamnese mit der Mutter haben wir mit der Behandlung angefangen. Es war wirklich eine sehr eindrucksvolle Situation. Das Kind reagierte beim Trinken mit Verlangsamung des Herzschlags. Im Ultraschall waren deutlich erweiterte Hirnventrikel zu erkennen. Der kleine Junge hatte zudem eine vorgewölbte Schädelfontanelle, was auf einen ziemlich hohen Hirndruck hinwies. Durch diesen Druck wuchs der Kopf um einen Zentimeter pro Tag, man musste also dringend etwas unternehmen.

Wir haben dann angefangen, das Kind homöopathisch zu behandeln. Es bekam Arnica C200 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Das Legen einer externen Drainage der Körperflüssigkeit, um das Gehirn zu entlasten, stand schon auf dem OP-Plan, aber nachts kam ein Notfall dazwischen, sodass unsere Chirurgen damit sehr beschäftigt waren. Da Ludwigs Zustand sich stabilisiert hatte, wurde die OP auf den nächsten Tag verschoben. Nach der Einnahme von Arnica C200 verschwand der verlangsamte Herzschlag, die Fontanelle wurde weicher, sodass sich die Situation entspannte und die OP wieder auf den nächsten Tag verschoben wurde – bis wir dann keine Notwendigkeit mehr sahen, unbedingt eine Drainage zu legen.

Wir haben Ludwig, solange er bei uns blieb, mit Latrodectus C12 (Schwarze Witwe) weiterbehandelt. Sein Bruder wurde ebenfalls zu uns verlegt, denn er hatte vordergründig Lungenprobleme. Das Schöne war, dass sich Ludwigs Zustand unter Latrodectus C12 und überhaupt unter der ganzen Behandlung – so stabilisiert hatte, dass er und sein Bruder eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin nach Hause entlassen werden konnten. Wir haben die Behandlung dann mit Helleborus niger C6 (Schwarze Nieswurz) fortgesetzt. Das ist jetzt schon einige Jahre her.

An Weihnachten habe ich immer einen Brief von den Eltern bekommen. Die beiden Buben sind in die Realschule eingeschult worden. Ludwig ist sehr sportlich und hat jetzt seinen Abschluss gemacht, was man bei diesem Start mit beidseitiger Hirnblutung nicht erwartet hatte. Auch unser Radiologe ist sehr erstaunt über diesen so positiven Verlauf, wenn er heute die Ultraschallbilder anschaut.

Da wir bei Hirnblutung dritten Grades eines Früh- und Neugeborenen konventionell nicht viele Therapiemöglichkeiten zur Verfügung haben, sondern meist abwarten müssen und die Entwicklung de

r Kinder nur mit Physiotherapie und Ergotherapie optimal unterstützen können, ist eine homöopathische Begleittherapie einen Versuch wert. Das konnten wir in einer Beobachtungsstudie mit 18 betroffenen Kindern bestätigen. Zum Glück kommt dieses Krankheitsbild nicht so häufig vor. Aber wenn es doch einmal der Fall ist, haben wir mit der Homöopathie eine Möglichkeit, es positiv zu beeinflussen.

 

Ja, das ist mir auch ganz wichtig. Ich biete es immer an. Da viele Kinder vielschichtig krank sind, bin ich im telefonischen Kontakt mit den Eltern, wenn sie weiter entfernt wohnen. Und wenn Sie einen Termin hier in der Spezialambulanz haben, dann stimmen wir uns ab, damit wir uns sehen. So ist eine gute Zusammenarbeit möglich.Das ist ein sehr beeindruckendes Beispiel! Führen Sie die Behandlung ambulant weiter, nachdem die Kinder, die Sie homöopathisch betreut haben, entlassen werden und wenn die Eltern es wünschen?

 

Homöopathische Lehre für die Studenten

 

Sie arbeiten am Krankenbett und zusätzlich ist Ihnen die universitäre Ausbildung der Medizinstudenten ein großes Anliegen. Wir wissen, dass sich im Vergleich zu vor 20, 30 Jahren immer weniger junge Menschen für das Studium der Homöopathie entscheiden.

Ja, das stimmt. Der Nachwuchs fehlt. Seit 2010 bin ich zusammen mit Dr. Joachim Siebenwirth Dozentin des Wahlpflichtfaches Homöopathie für die Studenten an der LMU München. Was versteht man unter Wahlpflichtfach? Die Studenten können sich für ein Wahlfach entscheiden, und wenn sie dieses einmal gewählt haben, besteht Anwesenheitspflicht. Am Ende des Kurses, also am Ende des Semesters, schreiben sie eine Prüfung, wofür sie einen Schein bekommen. Ein solches Wahlpflichtfach bieten wir zum einen für Studenten der Vorklinik, die ganz am Anfang ihres Studiums stehen, einmal in der Woche an, und zum anderen im Rahmen eines Wochenendkurses von Freitag bis Sonntag für Studenten im klinischen Abschnitt am Ende ihres Studiums. Sie haben die gleiche Stundenzahl wie die Studenten der Vorklinik auf dem Programm. Es ist also sehr intensiv, kompakt und praktisch orientiert.

Die Studenten werden zu Beginn des Kurses gefragt, warum sie das Fach Homöopathie gewählt haben. Bei einem Drittel kommt die Antwort: „Ich habe bereits als Kind Globuli bekommen.“ Bei einem weiteren Drittel: „Ich bin sehr skeptisch, man liest viel Negatives über die Homöopathie, aber ich will mein Studium nicht beenden, ohne mich einmal damit auseinandergesetzt zu haben.“ Das finde ich sehr positiv. Diese Studenten sind also eher kritisch zur Homöopathie eingestellt. Aber wenn wir sie dann nach dem ersten Tag fragen: „Was hat Sie bis jetzt beeindruckt?“, antworten sie: „Die Erkenntnis, wie komplex die Homöopathie ist und wie differenziert genau man da vorgeht!“ Sie hätten sich nie vorgestellt, wie präzise man sein muss und was alles eine Rolle spielt. Ein solches Wochenende macht also etwas mit den Studenten. Sie bekommen einfach eine andere Vorstellung, was Homöopathie ist, anstatt nur diese negativen und oft falschen Aspekte vor Augen zu haben, die in der Presse zu lesen sind.

Mein Wunsch wäre, dass jeder Medizinstudent in Deutschland die Möglichkeit bekäme, sich ein Wochenende intensiv mit der Homöopathie an den Universitäten zu beschäftigen. Dann würden wir sicherlich andere Ärzte bekommen. Aber wir sind dran, das zu intensivieren.

 

Die Homöopathie-Ringvorlesungen

 

Sie organisieren die sogenannte „Ringvorlesung Homöopathie“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Was kennzeichnet diese Vortragsreihe?

Die Homöopathie steht als wissenschaftliches und gesellschaftliches Phänomen mehr denn je im Mittelpunkt des Interesses, aber auch in der Kritik. Mit den Ringvorlesungen, die sich an Studenten in der ärztlichen Ausbildung sowie an bereits berufstätige Ärzte richten, möchten wir die Debatte in der Wissenschaft und der Öffentlichkeit sachlich voranbringen. Die Vorlesungsreihe wird universitär, also fächerübergreifend angeboten.

Jedes Jahr wird ein anderer Schwerpunkt gelegt. Im Jahr 2017 ging es zum Beispiel um das Thema: „Welche Forschung gibt es zur Homöopathie?“ An insgesamt zwölf Terminen haben hochkarätige internationale Referenten – aus Deutschland, Österreich, Schweden, Großbritannien, der Schweiz und den Niederlanden – sämtliche relevante Bereiche der Forschung zur Homöopathie präsentiert und zur Diskussion gestellt. Es wurden sowohl randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudien als auch Metaanalysen, also Überblicksstudien, vorgestellt. Darüber hinaus wurden Ergebnisse von unabhängig wiederholten Experimenten aus der Grundlagenforschung zur Homöopathie gezeigt, welche die Wirkung von homöopathischen Arzneien auf Pflanzen untersuchten.

 

Homöopathie in Klinik, Praxis und Forschung

 

Sie sind ebenfalls Gründungsmitglied des „Vereins zur Förderung der ärztlichen Homöopathie in den Kinderkliniken“, kurz „Globulus e. V.“  Was ist das Anliegen dieses Vereins?

Die Gründung von „Globulus e. V.“ erfolgte im Jahr 2000 durch die Kinderärztin Dr. Mira Dorcsi-Ulrich, als sich die Anschubfinanzierung durch die „Carstens-Stiftung“ für das Pilotprojekt „Homöopathie in der Pädiatrie“ dem Ende zuneigte. „Globulus e. V.“ veranstaltet seit 2001 zusammen mit der LMU München das Internationale Symposium „Homöopathie in Klinik, Praxis und Forschung“, das jährlich am Dr. von Haunerschen Kinderspital durchgeführt wird. Im Jahre 2017 fand es zum 16. Mal statt. Das ist zu einer richtigen Tradition geworden.

Bei diesem Symposium ist es uns ein Anliegen, den Dialog zwischen konventionellen und homöopathischen Ärzten zu fördern. Jedes Jahr wird ein Thema präsentiert, wie zum Beispiel akute Infektionen oder Allergien. Zunächst wird das jeweilige Krankheitsbild von einem medizinischen Experten mit der notwendigen Diagnostik und den verschiedenen Therapiemöglichkeiten vorgestellt, damit wir hier auf dem neuesten Stand sind. Dann stellt ein homöopathischer Arzt seine Erfahrungen bei diesem Krankheitsbild vor, um im gemeinsamen Dialog die beste Therapie für jedes Kind zu suchen. Dieser Dialog ist die große Stärke dieses Symposiums und auch das Besondere. Denn hier erleben wir einen Austausch, um voneinander zu lernen und gemeinsam das Bestmögliche für jedes Kind zu finden.

           

Maßnahmen gegen die Antibiotika-Resistenz

 

Im Jahr 2016 wurde auf dem Internationalen Symposium das Thema der akuten Infektionen behandelt ...

Ja, es ging um die multiresistenten Keime, die deutlich zunehmen. Sie stellen ein Riesenproblem dar, weil es immer schwieriger wird, sie erfolgreich mit Antibiotika zu behandeln. Hier in der Kinderklinik, und das schätze ich sehr, werden Antibiotika nur dann verschrieben, wenn es eine klare Indikation dafür gibt. Das ist sicher ein Verdienst von Prof. Dr. Johannes Hübner, der in der Haunerschen Kinderklinik Leiter der Abteilung für pädiatrische Infektiologie ist. Es ist sein großes Anliegen, die Anwendung der Antibiotika immer kritisch zu hinterfragen und sie dann einzusetzen, wenn sie angezeigt sind, nämlich bei bakteriellen und nicht bei viralen Infektionen. Bei einer bakteriellen Meningitis beispielsweise sind sie ein Segen, sie sind lebensrettend. Früher ging man vor allem in den Arztpraxen mit den Antibiotika viel leichtfertiger um: Wenn ein Kind länger Fieber hatte, bekam es sofort ein Antibiotikum. Wir sind jetzt viel zurückhaltender geworden. Das ist sehr wichtig, um die Entwicklung der multiresistenten Keime zu bremsen, damit wir die Antibiotika auch weiterhin als große Hilfe bei den Kindern einsetzen, die sie auch wirklich brauchen.

Es wäre ein großer Wunsch von mir, dass wir auf diesem Gebiet unsere Zusammenarbeit weiter intensivieren und die Homöopathie als Therapieempfehlung mitberücksichtigen oder einfließen lassen. Hier ist zum Glück etwas im Werden.

 

Der „Selbstheileffekt“ der Homöopathie

 

Was würden Sie als großes Plus der Homöopathie zur unterstützenden Behandlung bei Kindern und an der Universitätskinderklinik betrachten?

Die Integration der Homöopathie in die Kinderkliniken und allgemein in die Universitätskliniken erweitert unsere Möglichkeiten, auf eine sanfte Art und Weise und ohne schädigende Nebenwirkungen zu therapieren. Das halte ich für ganz wichtig. Sie ist eine spezifische Reiz- und Regulationstherapie, mit der wir versuchen, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen und den Organismus wieder in die Balance zu bringen. So kann die Homöopathie ein Baustein auf dem gemeinsamen Weg zur bestmöglichen Therapie für das Kind sein.

Unser Neurologe hat einen schönen Satz gesagt: „Wir treffen uns am Bett des kranken Kindes und entscheiden dann gemeinsam, was das Bestmögliche ist.“ Es gibt viel zwischen Himmel und Erde, was wir nicht verstehen, aber es entscheidet sich beim kranken Kind, was wir tun sollen, was angezeigt ist.

 

Bei einem Neugeborenen mit einer Hirnblutung kann man dann auch nicht von Placebo reden!

Placebo ist ein umfangreicher Begriff. Wir sagen es immer so dahin, aber Placebo ist viel mehr als Placebo. Placebo wirkt bei jeder Therapie, egal, welche Form man anwendet. Wir wissen noch viel zu wenig darüber. Prof. Harald Walach, Gastprofessor an der Universität Witten-Herdecke, hat in seinem Blog vorgeschlagen, den Begriff „Placebo-Effekt“ in „Selbstheileffekt“ umzuändern. Das finde ich eigentlich sehr schön. Somit kann die Homöopathie einen Impuls zur Selbstheilung geben, also einen Selbstheileffekt bewirken. Da das Wort „Placebo“ mittlerweile einen negativen Beigeschmack hat, finde ich den Begriff „Selbstheileffekt“ eine gute Idee. Was gibt es Schöneres, als durch seine Therapie, sei es durch ein passendes Wort, durch die passenden Globuli oder durch eine bestimmte Behandlungsmethode, den Selbstheileffekt des Körpers zu stimulieren?

 

Die Wirkung der Homöopathie selbst erfahren

 

Absolut! Jetzt kommen wir zur letzten Frage: Die Klassische Homöopathie ...

Ich nenne sie lieber Einzelmittelhomöopathie ...

 

... Die Einzelmittelhomöopathie unterlag in den letzten Jahren großen Kontroversen und wurde Gegenstand negativer Presse. Auf der anderen Seite ist sie laut Umfragen der Krankenkassen gefragter denn je. Sie ist nach über 200 Jahren immer noch aktuell. Warum denken Sie, dass sie eigentlich zeitlos ist?

Das Schöne an der Homöopathie ist, dass sie fern jeglicher Ideologie ist. Sie ist einfach ein Heilverfahren, um kranke Menschen zu behandeln. Das schätze ich an ihr sehr. Man braucht nicht daran zu glauben oder eine bestimmte Überzeugung davon zu haben, um sie anzuwenden, wie es bei anderen Therapieformen der Fall ist. Und sie hat sich seit über 200 Jahren beim Patienten bewährt! Die kranken Menschen spüren, was ihnen guttut und möchten es gerne weiter in Anspruch nehmen. Die Bevölkerung ist unsere größte Unterstützung! Ohne die Eltern der kranken Kinder wäre ich schon lange nicht mehr hier. Denn sie fragen danach, weil sie gute Erfahrungen gesammelt haben. Wir haben hier oft schwerkranke Kinder und wenig Therapiemöglichkeiten. In einer solchen verzweifelten Situation sind die Eltern sehr dankbar, wenn von einer anderen Möglichkeit in der Therapie Gebrauch gemacht wird. Die Eltern sind also unsere größten Unterstützer! Weil sie die Wirkung der homöopathischen Arzneien immer wieder erlebt haben, bei sich selbst, bei ihren Kindern, bei ihren Haustieren. Die Wirkung der Homöopathie selbst zu erleben überzeugt am allermeisten. Ich glaube, es gibt nur wenige Menschen, die über die Theorie zur Homöopathie gekommen sind. Die meisten sind durch persönliches Erleben zu ihr gekommen, auch in Situationen, in welchen sie gar nicht so viel erwartet haben.

Es ist immer wieder eine Herausforderung, die genau passende Arznei zu finden, sodass wir mit der Homöopathie nie in einen langweiligen Trott geraten. Jeder Patient ist einzigartig, ist etwas Besonders, und für jeden Patienten dürfen wir haargenau das Passende finden – das macht unheimlich viel Freude!

 

 

Das vollständige Interview ist zu nachzulesen in: „Die Pioniere der Homöopathie im 21. Jahrhundert“ von Heidi Brand & Anne Devillard. Gespräche u. a. mit Jan Scholten, Massimo Mangialavori, Heiner Frei, Alok Pareek, Frederik Schroyens, Rajan Sankaran ...

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New born baby boy resting in mothers arms: Shutterstock_663728050_Copyright KieferPix

Rear view of students raising hands with teacher in college lecture hall: Shutterstock_697698286_Copyright vectorfusionart

Escherichia coli also known as Ecoli bacteria health science concept: Shutterstock_1231846009_Copyright Ezume Images

Doctor examining a little girl by stethoscope: Shutterstock_508217206_Copyright Andrei_R

 

HOMÖOPATHIE IN DER UNIVERSITÄTSKLINIK

Interview mit Dr. Sigrid Kruse

von Heidi Brand & Anne Devillard

 

Auszug aus dem Buch „DIE PIONIERE DER HOMÖOPATHIE IM 21. JAHRHUNDERT“

von Heidi Brand & Anne Devillard

 

Seit mehr als 200 Jahren hat das homöopathische Heilsystem seine Wirksamkeit bei der Behandlung unzähliger chronischer und akuter Krankheitsfälle immer wieder unter Beweis gestellt. Von Befürwortern der konventionellen Medizin sowie in Wissenschaftskreisen wird die Homöopathie dennoch nicht als eine effiziente medizinische Therapieform betrachtet, die auf präzisen Heilgesetzen beruht. Sie wird zurzeit sogar immer häufiger als eine unseriöse Heilmethode in der Öffentlichkeit herabgesetzt. Was Homöopathie am Krankenbett leisten und wie die effektive Zusammenarbeit von Kollegen aller Therapierichtungen praktiziert werden kann, zeigt das folgende Interview mit Dr. Sigrid Kruse, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, das zusammen mit 15 weiteren Gesprächen in dem Buch von Heidi Brand und Anne Devillard „DIE PIONIERE DER HOMÖOPATHIE IM 21. JAHRHUNDERT“ veröffentlicht wurde.

 

 Dr. Kruse ist seit 1995 am Dr. von Haunerschen Kinderspital des Klinikums der Universität München tätig und leitet dort den Bereich Homöopathie. Die Haunersche Kinderklinik gilt als eines der renommiertesten Universitätskinderkrankenhäuser europaweit und ist unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Klein beispielhaft in der pädiatrischen Forschung für die Verbesserung der Therapie bei akuten und chronischen Erkrankungen im Kindesalter.

Sigrid Kruse ist im Moment die einzige homöopathische Ärztin in Deutschland, die Patienten an einer Universitätskinderklinik homöopathisch begleitend behandelt, sowohl ambulant wie stationär. Sie hält europaweit Vorträge und organisiert die „Ringvorlesung Homöopathie“ an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Seit 2002 leitet sie auch das jährlich stattfindende internationale Symposium „Homöopathie in Klinik, Praxis und Forschung“, das dem Dialog zwischen konventionellen und homöopathischen Ärzten dient. Ferner vermittelt sie Medizinstudenten im Rahmen des Wahlfachs einen Einblick in die Homöopathie und gibt ihnen sowie den Ärzten die Möglichkeit, am Krankenbett praktische Homöopathie zu erleben.

 

Frau Dr. Kruse, mit Ihrer Hilfe ist es erstmals gelungen, die Homöopathie als komplementäre Therapie in eine universitäre Klinik zu integrieren. Was sind die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit? Welche Krankheiten behandeln Sie vorwiegend bzw. unterstützen Sie homöopathisch?

An der Universitätsklinik gibt es drei Bereiche: Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Für uns ist die Homöopathie ein Teil der modernen Medizin. Also haben wir uns auch um diese drei Bereiche zu kümmern und ihnen gerecht zu werden. 

Was die Patientenversorgung betrifft, bilden die stationären Kinder einen großen Schwerpunkt. Hier werde ich zum homöopathischen Konsil gerufen und komme auf die Station, wo ich gebraucht werde. Ein Konsil ist die patientenbezogene Beratung eines Arztes durch einen anderen Arzt. Das ist hier mittlerweile so selbstverständlich wie ein Konsil der Allergologie, Gastroenterologie oder Neurologie geworden. Der Experte kommt einfach auf die Station, wenn er angefordert wird. Ich werde mittlerweile auf alle Stationen gerufen. Die Schwerpunkte bilden die Neonatologie, die Onkologie, die Kinderchirurgie, aber auch die Intensivstationen.

Einmal in der Woche bin ich im Klinikum Großhadern zum Konsil. Dort befindet sich eine Intensivstation für Kinder. Hier ist auch die Kinderkardiologie beheimatet, in der Kinder mit Herzerkrankungen behandelt werden, die wegen eines Herzfehlers operiert werden müssen oder auf ein neues Herz warten. Ebenso befindet sich hier die Kinderneurologie, wo Kinder mit Hirntumoren oder nach einem Schädel-Hirn-Trauma behandelt werden. Eine weitere Station ist die Kinderpalliativstation, auf der wir mit der Homöopathie ebenfalls begleitend zur Seite stehen.

Ich werde auch oft gerufen, wenn Kinder sehr unruhig sind, zum Beispiel, wenn Säuglinge viel schreien. Keiner in der Kinderheilkunde gibt gern Beruhigungsmittel wegen möglicher Nebenwirkungen. Die Homöopathie wird zudem eingesetzt, um die Nebenwirkungen der konventionellen Therapie abzumildern. In der Onkologie – wenn ein Kind beispielsweise eine Leukämie hat – wird natürlich die Chemotherapie durchgeführt. Eine begleitende homöopathische Therapie kann Nebenwirkungen abfangen, sodass das Kind besser durch die Chemotherapie kommt.

Wir können mit der Homöopathie immer wieder Medikamente einsparen und dazu beitragen, dass die Kinder früher nach Hause entlassen werden. Das sind erfreuliche zusätzliche Effekte.

 

Welche Rolle spielt für Sie als homöopathische Ärztin die Diagnose?

Bevor man überhaupt anfängt zu behandeln, ist es wichtig, eine Diagnose zu stellen und sich zu überlegen, ob die Homöopathie hier überhaupt zum Einsatz kommen soll. Denn es geht immer darum, gemeinsam die bestmögliche Therapie für das Kind zu finden. Deswegen halte ich die Diagnostik für das A und O und das Wichtigste, bevor wir homöopathisch behandeln.

Dann schaue ich mir das Kind an, mache eine Anamnese (Fallaufnahme) mit der Mutter oder dem Vater, mit dem Kind und überlege: „Wie kann ich hier am besten homöopathisch behandeln?“ Im weiteren Vorgehen unterscheide ich, ob es sich um eine akute oder eine chronische Krankheit handelt. Bei den akuten Krankheitsfällen verordne ich gern nach der bewährten Indikation aufgrund des vollständigen lokalen Symptoms. Bei chronischen Krankheiten führe ich natürlich eine ausführliche Anamnese durch und verordne dann aufgrund der Gesamtheit der Symptome und aufgrund der Konstitution und der Diathese des Patienten eine homöopathische Arznei. Die Diathesen entsprechen nach der Lehre von Prof. Dr. Mathias Dorcsi, dem Begründer der „Wiener Schule der Homöopathie“, in etwa den drei Hahnemannschen Miasmen Psora, Sykose und Syphilis.

 

Neben dem stationären Bereich sind Sie auch in der Notfallambulanz tätig. Wie sieht dort der Einsatz der Homöopathie als komplementäre Medizin aus?

Ich bin froh darüber, hier die Homöopathie einsetzen zu können, zum Beispiel bei Virusinfektionen. Wir werden zum Glück mit den Antibiotika immer zurückhaltender. Sie werden nur eingesetzt, wenn sie wirklich angezeigt sind, nämlich bei bakteriellen Infektionen. Viele Kinder kommen in die Notfallambulanz aber mit viralen Infektionen, und hier bin ich dankbar, die Homöopathie als Therapiemöglichkeit zu haben. Mithilfe des vollständigen Lokalsymptoms kann auch in der Notfallambulanz bei viralen Infektionen rasch eine individuell passende Arznei gefunden werden.

  

Beeindruckende Ergebnisse

 

Könnten Sie uns von Fällen erzählen – wenn es Ihre Schweigepflicht nicht verletzt –, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind und die deutlich machen, wozu die Homöopathie als komplementäre Therapie in der Universitätsklinik in der Lage ist?

Mich beeindrucken immer noch Kinder mit Hirnblutungen dritten Grades, bei denen wir konventionell ursächlich nicht so viel tun können. Diese Hirnblutungen treten immer wieder bei Frühgeborenen auf, oft gar nicht zum Zeitpunkt der Geburt, sondern erst am dritten, vierten Lebenstag. Wir hatten den Fall von Ludwig, einem Zwilling, der in der 23. Woche geboren wurde und am dritten Lebenstag eine beidseitige Hirnblutung sowie eine Lungenblutung bekam. Das Kind musste reanimiert werden.

Die Prognose für Kinder mit einer Hirnblutung dritten Grades ist nicht besonders gut. Laut Statistik haben sie eine Chance von sieben bis zehn Prozent, sich normal zu entwickeln. Alle anderen leiden unter mäßigen bis schweren Entwicklungsstörungen.

Zusammen mit den Eltern von Ludwig wurde besprochen, ob weitere Intensivmaßnahmen durchgeführt werden sollten. Die Reanimation wurde fortgesetzt und Ludwig stabilisierte sich wieder. 

Nachdem er die bedrohliche Phase überstanden hatte, entwickelte er nach der Blutung einen posthämorrhagischen Hydrocephalus. Diesen nach einer Blutung auftretenden Wasserkopf beobachten wir immer wieder. Aus diesem Grund wurde er zu uns ins Dr. von Haunersche Kinderspital verlegt. Und weil wir bereits einige Kinder mit Hirnblutung dritten Grades homöopathisch begleitend behandelt hatten, hat mich der Leiter der Neonatologie dazu geholt.

Nach einer ausführlichen Anamnese mit der Mutter haben wir mit der Behandlung angefangen. Es war wirklich eine sehr eindrucksvolle Situation. Das Kind reagierte beim Trinken mit Verlangsamung des Herzschlags. Im Ultraschall waren deutlich erweiterte Hirnventrikel zu erkennen. Der kleine Junge hatte zudem eine vorgewölbte Schädelfontanelle, was auf einen ziemlich hohen Hirndruck hinwies. Durch diesen Druck wuchs der Kopf um einen Zentimeter pro Tag, man musste also dringend etwas unternehmen.

Wir haben dann angefangen, das Kind homöopathisch zu behandeln. Es bekam Arnica C200 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Das Legen einer externen Drainage der Körperflüssigkeit, um das Gehirn zu entlasten, stand schon auf dem OP-Plan, aber nachts kam ein Notfall dazwischen, sodass unsere Chirurgen damit sehr beschäftigt waren. Da Ludwigs Zustand sich stabilisiert hatte, wurde die OP auf den nächsten Tag verschoben. Nach der Einnahme von Arnica C200 verschwand der verlangsamte Herzschlag, die Fontanelle wurde weicher, sodass sich die Situation entspannte und die OP wieder auf den nächsten Tag verschoben wurde – bis wir dann keine Notwendigkeit mehr sahen, unbedingt eine Drainage zu legen.

Wir haben Ludwig, solange er bei uns blieb, mit Latrodectus C12 (Schwarze Witwe) weiterbehandelt. Sein Bruder wurde ebenfalls zu uns verlegt, denn er hatte vordergründig Lungenprobleme. Das Schöne war, dass sich Ludwigs Zustand unter Latrodectus C12 und überhaupt unter der ganzen Behandlung – so stabilisiert hatte, dass er und sein Bruder eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin nach Hause entlassen werden konnten. Wir haben die Behandlung dann mit Helleborus niger C6 (Schwarze Nieswurz) fortgesetzt. Das ist jetzt schon einige Jahre her.

An Weihnachten habe ich immer einen Brief von den Eltern bekommen. Die beiden Buben sind in die Realschule eingeschult worden. Ludwig ist sehr sportlich und hat jetzt seinen Abschluss gemacht, was man bei diesem Start mit beidseitiger Hirnblutung nicht erwartet hatte. Auch unser Radiologe ist sehr erstaunt über diesen so positiven Verlauf, wenn er heute die Ultraschallbilder anschaut.

Da wir bei Hirnblutung dritten Grades eines Früh- und Neugeborenen konventionell nicht viele Therapiemöglichkeiten zur Verfügung haben, sondern meist abwarten müssen und die Entwicklung de

r Kinder nur mit Physiotherapie und Ergotherapie optimal unterstützen können, ist eine homöopathische Begleittherapie einen Versuch wert. Das konnten wir in einer Beobachtungsstudie mit 18 betroffenen Kindern bestätigen. Zum Glück kommt dieses Krankheitsbild nicht so häufig vor. Aber wenn es doch einmal der Fall ist, haben wir mit der Homöopathie eine Möglichkeit, es positiv zu beeinflussen.

 

Ja, das ist mir auch ganz wichtig. Ich biete es immer an. Da viele Kinder vielschichtig krank sind, bin ich im telefonischen Kontakt mit den Eltern, wenn sie weiter entfernt wohnen. Und wenn Sie einen Termin hier in der Spezialambulanz haben, dann stimmen wir uns ab, damit wir uns sehen. So ist eine gute Zusammenarbeit möglich.Das ist ein sehr beeindruckendes Beispiel! Führen Sie die Behandlung ambulant weiter, nachdem die Kinder, die Sie homöopathisch betreut haben, entlassen werden und wenn die Eltern es wünschen?

 

Homöopathische Lehre für die Studenten

 

Sie arbeiten am Krankenbett und zusätzlich ist Ihnen die universitäre Ausbildung der Medizinstudenten ein großes Anliegen. Wir wissen, dass sich im Vergleich zu vor 20, 30 Jahren immer weniger junge Menschen für das Studium der Homöopathie entscheiden.

Ja, das stimmt. Der Nachwuchs fehlt. Seit 2010 bin ich zusammen mit Dr. Joachim Siebenwirth Dozentin des Wahlpflichtfaches Homöopathie für die Studenten an der LMU München. Was versteht man unter Wahlpflichtfach? Die Studenten können sich für ein Wahlfach entscheiden, und wenn sie dieses einmal gewählt haben, besteht Anwesenheitspflicht. Am Ende des Kurses, also am Ende des Semesters, schreiben sie eine Prüfung, wofür sie einen Schein bekommen. Ein solches Wahlpflichtfach bieten wir zum einen für Studenten der Vorklinik, die ganz am Anfang ihres Studiums stehen, einmal in der Woche an, und zum anderen im Rahmen eines Wochenendkurses von Freitag bis Sonntag für Studenten im klinischen Abschnitt am Ende ihres Studiums. Sie haben die gleiche Stundenzahl wie die Studenten der Vorklinik auf dem Programm. Es ist also sehr intensiv, kompakt und praktisch orientiert.

Die Studenten werden zu Beginn des Kurses gefragt, warum sie das Fach Homöopathie gewählt haben. Bei einem Drittel kommt die Antwort: „Ich habe bereits als Kind Globuli bekommen.“ Bei einem weiteren Drittel: „Ich bin sehr skeptisch, man liest viel Negatives über die Homöopathie, aber ich will mein Studium nicht beenden, ohne mich einmal damit auseinandergesetzt zu haben.“ Das finde ich sehr positiv. Diese Studenten sind also eher kritisch zur Homöopathie eingestellt. Aber wenn wir sie dann nach dem ersten Tag fragen: „Was hat Sie bis jetzt beeindruckt?“, antworten sie: „Die Erkenntnis, wie komplex die Homöopathie ist und wie differenziert genau man da vorgeht!“ Sie hätten sich nie vorgestellt, wie präzise man sein muss und was alles eine Rolle spielt. Ein solches Wochenende macht also etwas mit den Studenten. Sie bekommen einfach eine andere Vorstellung, was Homöopathie ist, anstatt nur diese negativen und oft falschen Aspekte vor Augen zu haben, die in der Presse zu lesen sind.

Mein Wunsch wäre, dass jeder Medizinstudent in Deutschland die Möglichkeit bekäme, sich ein Wochenende intensiv mit der Homöopathie an den Universitäten zu beschäftigen. Dann würden wir sicherlich andere Ärzte bekommen. Aber wir sind dran, das zu intensivieren.

 

Die Homöopathie-Ringvorlesungen

 

Sie organisieren die sogenannte „Ringvorlesung Homöopathie“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Was kennzeichnet diese Vortragsreihe?

Die Homöopathie steht als wissenschaftliches und gesellschaftliches Phänomen mehr denn je im Mittelpunkt des Interesses, aber auch in der Kritik. Mit den Ringvorlesungen, die sich an Studenten in der ärztlichen Ausbildung sowie an bereits berufstätige Ärzte richten, möchten wir die Debatte in der Wissenschaft und der Öffentlichkeit sachlich voranbringen. Die Vorlesungsreihe wird universitär, also fächerübergreifend angeboten.

Jedes Jahr wird ein anderer Schwerpunkt gelegt. Im Jahr 2017 ging es zum Beispiel um das Thema: „Welche Forschung gibt es zur Homöopathie?“ An insgesamt zwölf Terminen haben hochkarätige internationale Referenten – aus Deutschland, Österreich, Schweden, Großbritannien, der Schweiz und den Niederlanden – sämtliche relevante Bereiche der Forschung zur Homöopathie präsentiert und zur Diskussion gestellt. Es wurden sowohl randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudien als auch Metaanalysen, also Überblicksstudien, vorgestellt. Darüber hinaus wurden Ergebnisse von unabhängig wiederholten Experimenten aus der Grundlagenforschung zur Homöopathie gezeigt, welche die Wirkung von homöopathischen Arzneien auf Pflanzen untersuchten.

 

Homöopathie in Klinik, Praxis und Forschung

 

Sie sind ebenfalls Gründungsmitglied des „Vereins zur Förderung der ärztlichen Homöopathie in den Kinderkliniken“, kurz „Globulus e. V.“  Was ist das Anliegen dieses Vereins?

Die Gründung von „Globulus e. V.“ erfolgte im Jahr 2000 durch die Kinderärztin Dr. Mira Dorcsi-Ulrich, als sich die Anschubfinanzierung durch die „Carstens-Stiftung“ für das Pilotprojekt „Homöopathie in der Pädiatrie“ dem Ende zuneigte. „Globulus e. V.“ veranstaltet seit 2001 zusammen mit der LMU München das Internationale Symposium „Homöopathie in Klinik, Praxis und Forschung“, das jährlich am Dr. von Haunerschen Kinderspital durchgeführt wird. Im Jahre 2017 fand es zum 16. Mal statt. Das ist zu einer richtigen Tradition geworden.

Bei diesem Symposium ist es uns ein Anliegen, den Dialog zwischen konventionellen und homöopathischen Ärzten zu fördern. Jedes Jahr wird ein Thema präsentiert, wie zum Beispiel akute Infektionen oder Allergien. Zunächst wird das jeweilige Krankheitsbild von einem medizinischen Experten mit der notwendigen Diagnostik und den verschiedenen Therapiemöglichkeiten vorgestellt, damit wir hier auf dem neuesten Stand sind. Dann stellt ein homöopathischer Arzt seine Erfahrungen bei diesem Krankheitsbild vor, um im gemeinsamen Dialog die beste Therapie für jedes Kind zu suchen. Dieser Dialog ist die große Stärke dieses Symposiums und auch das Besondere. Denn hier erleben wir einen Austausch, um voneinander zu lernen und gemeinsam das Bestmögliche für jedes Kind zu finden.

           

Maßnahmen gegen die Antibiotika-Resistenz

 

Im Jahr 2016 wurde auf dem Internationalen Symposium das Thema der akuten Infektionen behandelt ...

Ja, es ging um die multiresistenten Keime, die deutlich zunehmen. Sie stellen ein Riesenproblem dar, weil es immer schwieriger wird, sie erfolgreich mit Antibiotika zu behandeln. Hier in der Kinderklinik, und das schätze ich sehr, werden Antibiotika nur dann verschrieben, wenn es eine klare Indikation dafür gibt. Das ist sicher ein Verdienst von Prof. Dr. Johannes Hübner, der in der Haunerschen Kinderklinik Leiter der Abteilung für pädiatrische Infektiologie ist. Es ist sein großes Anliegen, die Anwendung der Antibiotika immer kritisch zu hinterfragen und sie dann einzusetzen, wenn sie angezeigt sind, nämlich bei bakteriellen und nicht bei viralen Infektionen. Bei einer bakteriellen Meningitis beispielsweise sind sie ein Segen, sie sind lebensrettend. Früher ging man vor allem in den Arztpraxen mit den Antibiotika viel leichtfertiger um: Wenn ein Kind länger Fieber hatte, bekam es sofort ein Antibiotikum. Wir sind jetzt viel zurückhaltender geworden. Das ist sehr wichtig, um die Entwicklung der multiresistenten Keime zu bremsen, damit wir die Antibiotika auch weiterhin als große Hilfe bei den Kindern einsetzen, die sie auch wirklich brauchen.

Es wäre ein großer Wunsch von mir, dass wir auf diesem Gebiet unsere Zusammenarbeit weiter intensivieren und die Homöopathie als Therapieempfehlung mitberücksichtigen oder einfließen lassen. Hier ist zum Glück etwas im Werden.

 

Der „Selbstheileffekt“ der Homöopathie

 

Was würden Sie als großes Plus der Homöopathie zur unterstützenden Behandlung bei Kindern und an der Universitätskinderklinik betrachten?

Die Integration der Homöopathie in die Kinderkliniken und allgemein in die Universitätskliniken erweitert unsere Möglichkeiten, auf eine sanfte Art und Weise und ohne schädigende Nebenwirkungen zu therapieren. Das halte ich für ganz wichtig. Sie ist eine spezifische Reiz- und Regulationstherapie, mit der wir versuchen, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen und den Organismus wieder in die Balance zu bringen. So kann die Homöopathie ein Baustein auf dem gemeinsamen Weg zur bestmöglichen Therapie für das Kind sein.

Unser Neurologe hat einen schönen Satz gesagt: „Wir treffen uns am Bett des kranken Kindes und entscheiden dann gemeinsam, was das Bestmögliche ist.“ Es gibt viel zwischen Himmel und Erde, was wir nicht verstehen, aber es entscheidet sich beim kranken Kind, was wir tun sollen, was angezeigt ist.

 

Bei einem Neugeborenen mit einer Hirnblutung kann man dann auch nicht von Placebo reden!

Placebo ist ein umfangreicher Begriff. Wir sagen es immer so dahin, aber Placebo ist viel mehr als Placebo. Placebo wirkt bei jeder Therapie, egal, welche Form man anwendet. Wir wissen noch viel zu wenig darüber. Prof. Harald Walach, Gastprofessor an der Universität Witten-Herdecke, hat in seinem Blog vorgeschlagen, den Begriff „Placebo-Effekt“ in „Selbstheileffekt“ umzuändern. Das finde ich eigentlich sehr schön. Somit kann die Homöopathie einen Impuls zur Selbstheilung geben, also einen Selbstheileffekt bewirken. Da das Wort „Placebo“ mittlerweile einen negativen Beigeschmack hat, finde ich den Begriff „Selbstheileffekt“ eine gute Idee. Was gibt es Schöneres, als durch seine Therapie, sei es durch ein passendes Wort, durch die passenden Globuli oder durch eine bestimmte Behandlungsmethode, den Selbstheileffekt des Körpers zu stimulieren?

 

Die Wirkung der Homöopathie selbst erfahren

 

Absolut! Jetzt kommen wir zur letzten Frage: Die Klassische Homöopathie ...

Ich nenne sie lieber Einzelmittelhomöopathie ...

 

... Die Einzelmittelhomöopathie unterlag in den letzten Jahren großen Kontroversen und wurde Gegenstand negativer Presse. Auf der anderen Seite ist sie laut Umfragen der Krankenkassen gefragter denn je. Sie ist nach über 200 Jahren immer noch aktuell. Warum denken Sie, dass sie eigentlich zeitlos ist?

Das Schöne an der Homöopathie ist, dass sie fern jeglicher Ideologie ist. Sie ist einfach ein Heilverfahren, um kranke Menschen zu behandeln. Das schätze ich an ihr sehr. Man braucht nicht daran zu glauben oder eine bestimmte Überzeugung davon zu haben, um sie anzuwenden, wie es bei anderen Therapieformen der Fall ist. Und sie hat sich seit über 200 Jahren beim Patienten bewährt! Die kranken Menschen spüren, was ihnen guttut und möchten es gerne weiter in Anspruch nehmen. Die Bevölkerung ist unsere größte Unterstützung! Ohne die Eltern der kranken Kinder wäre ich schon lange nicht mehr hier. Denn sie fragen danach, weil sie gute Erfahrungen gesammelt haben. Wir haben hier oft schwerkranke Kinder und wenig Therapiemöglichkeiten. In einer solchen verzweifelten Situation sind die Eltern sehr dankbar, wenn von einer anderen Möglichkeit in der Therapie Gebrauch gemacht wird. Die Eltern sind also unsere größten Unterstützer! Weil sie die Wirkung der homöopathischen Arzneien immer wieder erlebt haben, bei sich selbst, bei ihren Kindern, bei ihren Haustieren. Die Wirkung der Homöopathie selbst zu erleben überzeugt am allermeisten. Ich glaube, es gibt nur wenige Menschen, die über die Theorie zur Homöopathie gekommen sind. Die meisten sind durch persönliches Erleben zu ihr gekommen, auch in Situationen, in welchen sie gar nicht so viel erwartet haben.

Es ist immer wieder eine Herausforderung, die genau passende Arznei zu finden, sodass wir mit der Homöopathie nie in einen langweiligen Trott geraten. Jeder Patient ist einzigartig, ist etwas Besonders, und für jeden Patienten dürfen wir haargenau das Passende finden – das macht unheimlich viel Freude!

 

 

Das vollständige Interview ist zu nachzulesen in: „Die Pioniere der Homöopathie im 21. Jahrhundert“ von Heidi Brand & Anne Devillard. Gespräche u. a. mit Jan Scholten, Massimo Mangialavori, Heiner Frei, Alok Pareek, Frederik Schroyens, Rajan Sankaran ...

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New born baby boy resting in mothers arms: Shutterstock_663728050_Copyright KieferPix

Rear view of students raising hands with teacher in college lecture hall: Shutterstock_697698286_Copyright vectorfusionart

Escherichia coli also known as Ecoli bacteria health science concept: Shutterstock_1231846009_Copyright Ezume Images

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