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Mein sexuelles Verlangen treibt mich in den Wahnsinn:

ein Cantharis-Fall

von Deborah Collins

Fall:

Eine 65-jährige Frau kam wegen „chronischer Müdigkeit“ in die Praxis. Sie hatte das Gefühl, nicht mehr so viel leisten zu können wie früher, und brauchte nachmittags ihre Nickerchen. Sie war pensioniert. Früher hatte sie einen anstrengenden Job bei der Telekom, bei dem sie mehrere Mitarbeiter unter sich hatte:

„Ich musste ein Auge auf sie alle haben und genoss die Geschäftigkeit - ich war überall gleichzeitig.“

Früher hatte sie eine scheinbar endlose Menge an Energie; sie tummelte sich den ganzen Tag bei der Arbeit und begann - kaum zuhause - gleich wieder mit der Hausarbeit.

„Ich arbeitete sogar nachts draußen mit den Autoscheinwerfern an, um den Zaun zu streichen. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit einer außergewöhnlichen Energie begabt war. Ich war die ganze Zeit auf dem Sprung. Nachts konnte ich nicht schlafen; mein Geist war aufgewühlt mit Geschäftigkeit, und oft musste ich eine Schlaftablette nehmen um mich zu entspannen. Ich habe es mit Meditation versucht, aber ich kann nicht lange genug stillhalten dafür. Ich muss auf dem Sprung sein.“

Obwohl ihre Haupt-Beschwerde „Müdigkeit“ ist, kommt sie nicht ganz so müde daher. Sie ist klein, gut gekleidet und gut frisiert und spricht auf eine lebhafte und muntere Art. Sie macht häufig schnelle Gesten und ist ständig in Bewegung auf ihrem Stuhl. Sie hat helle Augen und spricht schnell und sehr intensiv. Auf die Bitte, über sich selbst zu sprechen, spricht sie vor allem über ihren Ehemann.

„Er schreit mich immer an und sagt, dass ich mir zu viele Kleider nähe, und dass mein Kleiderschrank bereits überfüllt ist. Er hasst es, wenn ich mit dem Stoff für ein neues Kleid nachhause komme, aber ich liebe es, neue Kleider zu haben. Obschon ich sie nur einmal trage, gebe ich sie am Ende weg. Mein Mann ist so eine Nervensäge, er saugt hinter mir her, wenn ich irgendetwas in der Küche gemacht habe, und räumt jeden Krümel weg, auch wenn ihn niemand sehen kann.“ (Er erhält später Germanium wegen seiner Gelenkschmerzen und Depressionen).

P: „Ich war ein wildes Kind; ich machte, was ich wollte, und ging mit jedem ins Bett, der Sex haben wollte. Meine Mutter erlegte mir keinerlei Beschränkungen auf - sie hatte sich durch ihre eigene strenge Erziehung eingeschränkt gefühlt, und ließ mich machen, was ich wollte. Aber das bedeutete auch, dass sie mich nicht schützte und mir keine sicheren Grenzen gab. Als junges Mädchen war ich ziemlich provokativ; mit zwölf wurde ich von unserem Nachbarn vergewaltigt, aber ich wusste damals noch nicht, dass es tatsächlich eine Vergewaltigung war. Ich mochte es. Er sprach zu einem seiner Freunde über mich, und der missbrauchte mich auch sexuell. Schließlich kam es heraus, und sie wurden verhaftet, und mein Foto erschien in allen Zeitungen. Ich galt daraufhin als „leichtes  Mädchen“ und wurde als Freiwild betrachtet, und so ging es einfach weiter, obwohl die Männer ins Gefängnis gesteckt worden waren. Ich habe einen sehr starken Sexualtrieb; ich dachte es wäre toll, aber in Wirklichkeit war es zu viel. Ich hatte Beziehungen mit verheirateten Männern - einmal verbrachte ein Mann sogar die Nacht vor seiner Hochzeit mit mir.


Heutzutage geht es mir, sexuell gesehen, miserabel. Wenn mein Mann mich „bestrafen“ will, hält er sich sexuell zurück, manchmal monatelang, wohl wissend, dass das mein Schwachpunkt ist. Ich denke oft daran, ihn zu verlassen und mich auf die Suche nach einem anderen Mann zu machen - ich brauche kaum hinzusehen, denn sie spüren das, und kommen zu mir. Ich muss mich zügeln, sonst ...  Frauen mögen mich nicht, sie haben immer Angst, dass ich ihnen ihren Mann entreiße. Sie klatschen über mich und halten mich aus ihren Kreisen heraus. Sie versuchen stets die Besten zu sein, um die besten Veranstaltungen bei sich zu haben, um anzugeben, und mich schließen sie aus.“

DC: „Sonst noch etwas?“

P: „Alle meine Gelenke und Muskeln tun weh - die Ärzte sagen, es sei Fibromyalgie. Wenn ich mich bewege, ist es besser, aber ich werde schnell steif. Seit Jahren nehme ich Antibiotika wegen einer chronischen Blasenentzündung. Früher habe ich vor Schmerzen geschrien, wenn ich pinkelte. Jetzt stinkt es, aber es tut nicht mehr weh, solange ich Antibiotika nehme.“

DC: „Noch etwas?“


P: „Wenn ich mich nicht wohl fühle, bekomme ich Dermatitis auf den Händen, es bilden sich Blasen, und Haut schält sich in großen Flecken ab. Früher habe ich oft geträumt, ich sei eine Blume an einer Eisenbahnlinie - ein Zug kam, und ich würde zerquetscht werden. Als ich noch klein war, erzählte ich das einmal dem Arzt, er erschrak und sagte zu meiner Mutter, sie müsse ein Auge auf mich haben, aber es änderte sich nichts. Ich habe immer noch das Gefühl, ich könnte zerquetscht und jederzeit getötet werden, und manchmal weckt mich das nachts auf.
Ich esse die ganze Zeit, ich nasche nur. Es ist egal, was ich esse, es könnte alles und jedes sein, aber wenn ich nicht esse, sinkt mein Blutzuckerspiegel ab und ich bin einer Ohnmacht nahe. Ich esse Snacks und alles, was gerade zur Hand ist, statt mir etwas Aufwendiges zu machen. Ich bin dünn, aber das kommt nur, weil ich mich so viel bewege - jeder andere, der so viel essen würde wie ich, wäre fett.“


Analyse

Sie braucht eindeutig ein Tiermittel:

- Konkurrenzverhalten

- gesteigerter Sexualtrieb

- Angst vor einem Angriff

- Lebhaftigkeit

Und es ist eindeutig ein Insekt:

- ungestüm (im Gegensatz zu Schlangen, die listiger sind)

- (fruchtloser) Fleiß

- gut organisiert

- Team-Arbeit

- Angst, zerquetscht zu werden

-> Viele Patienten, die Käfermittel brauchen, haben Probleme mit der Muskulatur, oft in Form von Fibromyalgie, wie die steifen Panzer von Käfern

 

Verordnung:

Die Blaseninfektionen, die Dermatitis und die Sexualität, die sie fast verrückt macht, deuten auf Cantharis hin, die in ansteigenden Potenzen innerhalb von zwei Jahren gegeben wurde.

Das erste, was sie bemerkte, war, dass sie besser schlief, und ihre Schlaftabletten zunächst reduzieren konnte, dann ließ sie sie ganz weg. Ihre Energie stieg, aber nicht in der hektischen Art, wie früher.

„Ich habe immer noch viel zu tun, aber ich fühle mich nicht mehr ständig zur Arbeit getrieben.“

Die Dermatitis auf ihren Händen flammte noch einmal kurz auf, und die Haut schälte sich vollständig ab; sie trug eine pflanzliche Salbe auf, und seitdem ist ihre Haut glatt und macht keine Probleme mehr. Ihr Urin riecht weniger, aber es kostete einige Überredungskünste, sie davon zu überzeugen, ihr Antibiotikum zu reduzieren, da sie Angst vor den Schmerzen hatte, die sie früher beim Wasserlassen gehabt hatte. Doch als ihr Urin wieder klar wurde, reduzierte sie die Antibiotika, und setzte sie dann ganz ab, ohne negative Nebenwirkungen, und ohne dass ihre frühere Zystitis zurückkehrte.

Am bemerkenswertesten aber ist die Veränderung in der Beziehung mit ihrem Ehemann.

„Er ist viel freundlicher geworden, er schreit mich nicht mehr ständig an. Wir verstehen uns viel besser, und ich denke nicht mehr daran, ihn wegen einem anderen zu verlassen, obwohl ich auf andere Männer noch immer anziehend wirke. Ich flirte gern, aber es ist mir nicht mehr so wichtig wie früher, ich mache es nur aus Spaß.“

„Ich esse jetzt besser und nasche nicht mehr so viel. Jetzt esse ich zu den Mahlzeiten und knabbere nicht die ganze Zeit zwischendurch. Aber komischerweise nehme ich nicht ab, obwohl ich weniger esse. Vielleicht verbrenne ich es nicht mehr in der gleichen Weise.“

„Meine Muskeln sind nicht mehr so steif. Früher musste ich mich morgens „aufwärmen“, und musste mich dauernd strecken. Mein Nacken renkt sich noch von Zeit zu Zeit aus, aber ich brauche keine Schmerzmittel mehr.“
(Sie hatte mir nie gesagt, dass sie welche eingenommen hatte...).

Nach fast einem Jahr kam sie wieder - und dieses Mal sprach sie mehr über ihre Traurigkeit, als über Müdigkeit oder Schmerzen.

„Ich habe viel geweint. Meine ganze Jugend erschien mir in meinen Träumen und Gedanken. Ich merke immer mehr, wie allein ich mich als Kind gefühlt hatte, und wie wenig mütterliche Fürsorge und Schutz ich hatte. Ich gab mich den Männern nur hin, um beachtet zu werden; ich hielt Sex für eine Art der Kontaktaufnahme. Aber jetzt, wo ich älter bin, wird mir klar, dass ich keine wirklichen Freunde habe, und dass die Männer mich nur benutzt haben. Ich weine und weine um das kleine Mädchen, das nie richtig geliebt wurde.“

Es war interessant, dazu über Cantharis in Frans Vermeulens „Prisma“ zu lesen: „Polyphagie[1], viel essen, die Gewohnheit polyphager Insekten, viele verschiedene Arten von Nahrung zu fressen.“ Er beschreibt auch Wahnsinn und Wut, „wie die rasende Lyssa, der Sproß von Uranus und Nyx, Herakles in den Wahnsinn trieb.“ „Cantharis ist eine wilde Teufelsarznei.“ ( Saine )

Wir kennen den Fleiß der Insekten, aber auch die Müdigkeit gehört zum Mittelbild, vor allem, wenn man sich mit ständiger Geschäftigkeit überfordert: „Große Schwäche. Ständig müde, deutliches Sinken der Kräfte.“

Vermeulens Text über Cantharis zu lesen ist fast das gleiche, wie meine Beobachtungen zu dieser Patientin zu lesen.

 

[1] Krankhaft gesteigerte Nahrungsaufnahme, da kein Sättigungsgefühl eintritt

**************************************************************************

Dieser Artikel wurde auf www.interhomeopathy.org publiziert

Foto: © shutterstock - "auf der Höhe des Glücks", siloto

Kategorie: Fälle
Stichwörter: Konkurrenz, intensive Sexualität, Angst, angegriffen zu werden, Angst, zerquetscht zu werden, ungestümes Verhalten, Teamarbeiter.
Mittel: Cantharis

 

Mein sexuelles Verlangen treibt mich in den Wahnsinn:

ein Cantharis-Fall

von Deborah Collins

Fall:

Eine 65-jährige Frau kam wegen „chronischer Müdigkeit“ in die Praxis. Sie hatte das Gefühl, nicht mehr so viel leisten zu können wie früher, und brauchte nachmittags ihre Nickerchen. Sie war pensioniert. Früher hatte sie einen anstrengenden Job bei der Telekom, bei dem sie mehrere Mitarbeiter unter sich hatte:

„Ich musste ein Auge auf sie alle haben und genoss die Geschäftigkeit - ich war überall gleichzeitig.“

Früher hatte sie eine scheinbar endlose Menge an Energie; sie tummelte sich den ganzen Tag bei der Arbeit und begann - kaum zuhause - gleich wieder mit der Hausarbeit.

„Ich arbeitete sogar nachts draußen mit den Autoscheinwerfern an, um den Zaun zu streichen. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit einer außergewöhnlichen Energie begabt war. Ich war die ganze Zeit auf dem Sprung. Nachts konnte ich nicht schlafen; mein Geist war aufgewühlt mit Geschäftigkeit, und oft musste ich eine Schlaftablette nehmen um mich zu entspannen. Ich habe es mit Meditation versucht, aber ich kann nicht lange genug stillhalten dafür. Ich muss auf dem Sprung sein.“

Obwohl ihre Haupt-Beschwerde „Müdigkeit“ ist, kommt sie nicht ganz so müde daher. Sie ist klein, gut gekleidet und gut frisiert und spricht auf eine lebhafte und muntere Art. Sie macht häufig schnelle Gesten und ist ständig in Bewegung auf ihrem Stuhl. Sie hat helle Augen und spricht schnell und sehr intensiv. Auf die Bitte, über sich selbst zu sprechen, spricht sie vor allem über ihren Ehemann.

„Er schreit mich immer an und sagt, dass ich mir zu viele Kleider nähe, und dass mein Kleiderschrank bereits überfüllt ist. Er hasst es, wenn ich mit dem Stoff für ein neues Kleid nachhause komme, aber ich liebe es, neue Kleider zu haben. Obschon ich sie nur einmal trage, gebe ich sie am Ende weg. Mein Mann ist so eine Nervensäge, er saugt hinter mir her, wenn ich irgendetwas in der Küche gemacht habe, und räumt jeden Krümel weg, auch wenn ihn niemand sehen kann.“ (Er erhält später Germanium wegen seiner Gelenkschmerzen und Depressionen).

P: „Ich war ein wildes Kind; ich machte, was ich wollte, und ging mit jedem ins Bett, der Sex haben wollte. Meine Mutter erlegte mir keinerlei Beschränkungen auf - sie hatte sich durch ihre eigene strenge Erziehung eingeschränkt gefühlt, und ließ mich machen, was ich wollte. Aber das bedeutete auch, dass sie mich nicht schützte und mir keine sicheren Grenzen gab. Als junges Mädchen war ich ziemlich provokativ; mit zwölf wurde ich von unserem Nachbarn vergewaltigt, aber ich wusste damals noch nicht, dass es tatsächlich eine Vergewaltigung war. Ich mochte es. Er sprach zu einem seiner Freunde über mich, und der missbrauchte mich auch sexuell. Schließlich kam es heraus, und sie wurden verhaftet, und mein Foto erschien in allen Zeitungen. Ich galt daraufhin als „leichtes  Mädchen“ und wurde als Freiwild betrachtet, und so ging es einfach weiter, obwohl die Männer ins Gefängnis gesteckt worden waren. Ich habe einen sehr starken Sexualtrieb; ich dachte es wäre toll, aber in Wirklichkeit war es zu viel. Ich hatte Beziehungen mit verheirateten Männern - einmal verbrachte ein Mann sogar die Nacht vor seiner Hochzeit mit mir.


Heutzutage geht es mir, sexuell gesehen, miserabel. Wenn mein Mann mich „bestrafen“ will, hält er sich sexuell zurück, manchmal monatelang, wohl wissend, dass das mein Schwachpunkt ist. Ich denke oft daran, ihn zu verlassen und mich auf die Suche nach einem anderen Mann zu machen - ich brauche kaum hinzusehen, denn sie spüren das, und kommen zu mir. Ich muss mich zügeln, sonst ...  Frauen mögen mich nicht, sie haben immer Angst, dass ich ihnen ihren Mann entreiße. Sie klatschen über mich und halten mich aus ihren Kreisen heraus. Sie versuchen stets die Besten zu sein, um die besten Veranstaltungen bei sich zu haben, um anzugeben, und mich schließen sie aus.“

DC: „Sonst noch etwas?“

P: „Alle meine Gelenke und Muskeln tun weh - die Ärzte sagen, es sei Fibromyalgie. Wenn ich mich bewege, ist es besser, aber ich werde schnell steif. Seit Jahren nehme ich Antibiotika wegen einer chronischen Blasenentzündung. Früher habe ich vor Schmerzen geschrien, wenn ich pinkelte. Jetzt stinkt es, aber es tut nicht mehr weh, solange ich Antibiotika nehme.“

DC: „Noch etwas?“


P: „Wenn ich mich nicht wohl fühle, bekomme ich Dermatitis auf den Händen, es bilden sich Blasen, und Haut schält sich in großen Flecken ab. Früher habe ich oft geträumt, ich sei eine Blume an einer Eisenbahnlinie - ein Zug kam, und ich würde zerquetscht werden. Als ich noch klein war, erzählte ich das einmal dem Arzt, er erschrak und sagte zu meiner Mutter, sie müsse ein Auge auf mich haben, aber es änderte sich nichts. Ich habe immer noch das Gefühl, ich könnte zerquetscht und jederzeit getötet werden, und manchmal weckt mich das nachts auf.
Ich esse die ganze Zeit, ich nasche nur. Es ist egal, was ich esse, es könnte alles und jedes sein, aber wenn ich nicht esse, sinkt mein Blutzuckerspiegel ab und ich bin einer Ohnmacht nahe. Ich esse Snacks und alles, was gerade zur Hand ist, statt mir etwas Aufwendiges zu machen. Ich bin dünn, aber das kommt nur, weil ich mich so viel bewege - jeder andere, der so viel essen würde wie ich, wäre fett.“


Analyse

Sie braucht eindeutig ein Tiermittel:

- Konkurrenzverhalten

- gesteigerter Sexualtrieb

- Angst vor einem Angriff

- Lebhaftigkeit

Und es ist eindeutig ein Insekt:

- ungestüm (im Gegensatz zu Schlangen, die listiger sind)

- (fruchtloser) Fleiß

- gut organisiert

- Team-Arbeit

- Angst, zerquetscht zu werden

-> Viele Patienten, die Käfermittel brauchen, haben Probleme mit der Muskulatur, oft in Form von Fibromyalgie, wie die steifen Panzer von Käfern

 

Verordnung:

Die Blaseninfektionen, die Dermatitis und die Sexualität, die sie fast verrückt macht, deuten auf Cantharis hin, die in ansteigenden Potenzen innerhalb von zwei Jahren gegeben wurde.

Das erste, was sie bemerkte, war, dass sie besser schlief, und ihre Schlaftabletten zunächst reduzieren konnte, dann ließ sie sie ganz weg. Ihre Energie stieg, aber nicht in der hektischen Art, wie früher.

„Ich habe immer noch viel zu tun, aber ich fühle mich nicht mehr ständig zur Arbeit getrieben.“

Die Dermatitis auf ihren Händen flammte noch einmal kurz auf, und die Haut schälte sich vollständig ab; sie trug eine pflanzliche Salbe auf, und seitdem ist ihre Haut glatt und macht keine Probleme mehr. Ihr Urin riecht weniger, aber es kostete einige Überredungskünste, sie davon zu überzeugen, ihr Antibiotikum zu reduzieren, da sie Angst vor den Schmerzen hatte, die sie früher beim Wasserlassen gehabt hatte. Doch als ihr Urin wieder klar wurde, reduzierte sie die Antibiotika, und setzte sie dann ganz ab, ohne negative Nebenwirkungen, und ohne dass ihre frühere Zystitis zurückkehrte.

Am bemerkenswertesten aber ist die Veränderung in der Beziehung mit ihrem Ehemann.

„Er ist viel freundlicher geworden, er schreit mich nicht mehr ständig an. Wir verstehen uns viel besser, und ich denke nicht mehr daran, ihn wegen einem anderen zu verlassen, obwohl ich auf andere Männer noch immer anziehend wirke. Ich flirte gern, aber es ist mir nicht mehr so wichtig wie früher, ich mache es nur aus Spaß.“

„Ich esse jetzt besser und nasche nicht mehr so viel. Jetzt esse ich zu den Mahlzeiten und knabbere nicht die ganze Zeit zwischendurch. Aber komischerweise nehme ich nicht ab, obwohl ich weniger esse. Vielleicht verbrenne ich es nicht mehr in der gleichen Weise.“

„Meine Muskeln sind nicht mehr so steif. Früher musste ich mich morgens „aufwärmen“, und musste mich dauernd strecken. Mein Nacken renkt sich noch von Zeit zu Zeit aus, aber ich brauche keine Schmerzmittel mehr.“
(Sie hatte mir nie gesagt, dass sie welche eingenommen hatte...).

Nach fast einem Jahr kam sie wieder - und dieses Mal sprach sie mehr über ihre Traurigkeit, als über Müdigkeit oder Schmerzen.

„Ich habe viel geweint. Meine ganze Jugend erschien mir in meinen Träumen und Gedanken. Ich merke immer mehr, wie allein ich mich als Kind gefühlt hatte, und wie wenig mütterliche Fürsorge und Schutz ich hatte. Ich gab mich den Männern nur hin, um beachtet zu werden; ich hielt Sex für eine Art der Kontaktaufnahme. Aber jetzt, wo ich älter bin, wird mir klar, dass ich keine wirklichen Freunde habe, und dass die Männer mich nur benutzt haben. Ich weine und weine um das kleine Mädchen, das nie richtig geliebt wurde.“

Es war interessant, dazu über Cantharis in Frans Vermeulens „Prisma“ zu lesen: „Polyphagie[1], viel essen, die Gewohnheit polyphager Insekten, viele verschiedene Arten von Nahrung zu fressen.“ Er beschreibt auch Wahnsinn und Wut, „wie die rasende Lyssa, der Sproß von Uranus und Nyx, Herakles in den Wahnsinn trieb.“ „Cantharis ist eine wilde Teufelsarznei.“ ( Saine )

Wir kennen den Fleiß der Insekten, aber auch die Müdigkeit gehört zum Mittelbild, vor allem, wenn man sich mit ständiger Geschäftigkeit überfordert: „Große Schwäche. Ständig müde, deutliches Sinken der Kräfte.“

Vermeulens Text über Cantharis zu lesen ist fast das gleiche, wie meine Beobachtungen zu dieser Patientin zu lesen.

 

[1] Krankhaft gesteigerte Nahrungsaufnahme, da kein Sättigungsgefühl eintritt

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Dieser Artikel wurde auf www.interhomeopathy.org publiziert

Foto: © shutterstock - "auf der Höhe des Glücks", siloto

Kategorie: Fälle
Stichwörter: Konkurrenz, intensive Sexualität, Angst, angegriffen zu werden, Angst, zerquetscht zu werden, ungestümes Verhalten, Teamarbeiter.
Mittel: Cantharis

 





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