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Die homöopathische Behandlung von COVID 19

von Dr. Rajan Sankaran

 

Inhalt:

  1. Spezifische Symptome der Pandemie

  2. Indikationen für Camphora

  3. Fallbeispiele von Rajan Sankaran
    3.1 Eine 27 jährige Frau
    3.2 Eine durch Covid isolierte Patientin
    3.3 Eine 22-jährige Patientin mit Hals- und Kopfschmerzen
    3.4 Hauptsymptom: Fieber
    3.5 Durchfall, Blähungen und Völlegefühl
    3.6 Rollentausch eines Arztes
    3.7 Appetitverlust eines Pflegehelfers

  4. Schwere Krankheitsverläufe
    4.1 Künstliche Beatmung einer 70-jährigen Patientin
    4.2 Schweißausbrüche bei der kleinsten Anstrengung

  5. Potenzierungsstufe der Arznei
  6. Weitere Homeonews zu COVID 19

 

 

Dr. Rajan Sankaran gibt Einblicke in seine Methode, mit der er die drei unterschiedlichen Ebenen der COVID-19 Symptome differenziert. Dazu gehören die gewöhnlichen Symptome des Virus, die Akutsymptome und die konstitutionellen Symptome. Dr. Sankaran veranschaulicht seinen Ansatz anhand mehrerer Fallbeispiele.

Im Auftrag der Regierung hat das Ministerium für Ayurveda, Yoga, Naturheilkunde, Unani, Siddha und Homöopathie (AYUSH) die homöopathische Behandlung von COVID als ergänzende Therapie zum Standardprotokoll zugelassen. Viele Homöopathen werden nun darum gebeten, COVID-Patienten in Krankenhäusern zu behandeln. Viele unserer Patienten, die an COVID erkrankt sind, lassen sich auch homöopathisch behandeln.

In Hinblick auf die aktuelle Situation möchte ich meine eigenen Erfahrungen mit COVID-positiven Fällen mit Ihnen teilen, damit neue und erfahrene KollegInnen gleichermaßen davon profitieren können.

Bevor ich näher auf das Thema eingehe, möchte ich meinen Kollegen und Kolleginnen Dr. Shrikant Talari, Dr. Sonali Bhonsale, Dr. Faiza Khan, Dr. Meghna Shah, Dr. A. K. Arun, Dr. Kshiti Mehta, dem Team des Prana Homeopathy Yoga Center in Pune und dem Team der Akademie The Other Song in Mumbai meinen herzlichen Dank für ihre Mitarbeit aussprechen.

Ich werde hier auch einige ihrer COVID-Fälle vorstellen, da wir uns in der Behandlung dieser Erkrankung als ein Team verstehen und zusammenarbeiten. Bevor ich an dieser Stelle weiter aushole, möchte ich Sie bitten, in Vorbereitung auf diesen Artikel einen meiner Vorträge auf YouTube anzusehen:

In diesem Video spreche ich über die drei Ebenen der Symptome und wie Sie erkennen können, welche Ebene sich in einem Fall am deutlichsten zeigt. Die erste Ebene bezieht sich auf die Pandemie selbst, dort finden wir die gewöhnlichen, für diese Pandemie spezifischen, Symptome.

Die zweite Ebene wird erkennbar, wenn Patienten sehr deutliche und hochakute Symptome zeigen. Als Akutsymptome bezeichnet man Symptome, die erst mit dem Beginn der Infektion auftreten und vorher nicht existierten. Mit dem Beginn der akuten Erkrankung tritt auch die akute Totalität der Symptome in Erscheinung.

Als drittes sehen wir in vielen Fällen auch Symptome des Konstitutionsmittels, die in der akuten Phase zum Vorschein kommen. In allen Fällen wird eine dieser drei Ebenen sehr klar und deutlich zu sehen sein.

Es gibt also drei Möglichkeiten:

  • Symptome, die spezifisch sind für diese Pandemie
  • Die Totalität der Akutsymptome
  • Symptome, die auf das Konstitutionsmittel hinweisen

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1. Welche Symptome sind spezifisch für die Pandemie? 

Im Vordergrund steht die große Schwäche, die als plötzliche Schwäche beschrieben wird und die hauptsächlich die unteren Extremitäten betrifft. Das Gehen fällt schwer. Die Schwäche wird sowohl in den Gliedmaßen als auch im ganzen Körper wahrgenommen. Ein weiteres Symptom der COVID-Erkrankung ist der Geruchs- und Geschmacksverlust. Diese Symptome beschreiben einen Zustand, der einer Betäubung ähnelt, wie eine Art Kollaps oder Schwäche, die an eine Narkose erinnert.

Es kommt auch vor, dass man keinerlei aktiven Symptome sehen kann, kein Zerschlagenheitsgefühl, keine Schmerzen oder Ruhelosigkeit. Die prominenten charakteristischen Symptome in diesen Fällen sind Schwäche, Geschmacksverlust und Verlust des Geruchssinns.

Auf der Gemütsebene fällt auf, dass relativ wenig Angst vorhanden ist, wie im Beispiel eines Patienten, der ins Krankenhaus auf eine COVID-Station gebracht werden muss, aber deswegen nicht nervös wird oder Angst davor zu haben scheint. Eine Einweisung ins Krankenhaus bedeutet, dass es zu Komplikationen kommen kann und die Gefahr besteht, dass die Krankheit tödlich verlaufen könnte. Trotzdem scheint der Patient nicht beunruhigt zu sein.

Oder der Patient macht einen eher fröhlichen Eindruck, was sehr merkwürdig ist. Der Gegenpol zu diesem Gemütszustand ist die Panik. Panik und Angst, allein gelassen zu werden, ein Gefühl der Isolation, des Verlassen-seins. Der Gedanke: „Was wird mit mir passieren?“. Beide Ausdrucksformen dieses Gemütszustands in Kombination mit der oben beschriebenen Schwäche sind Indikationen für das Arzneimittel Camphora.


Indikationen für Camphora

  • Schwäche
  • Anosmie (Verlust des Geruchssinns)
  • Geschmacksverlust
  • Plötzliche Schwäche, Schwäche in den Beinen
  • Gemütszustand: fröhlich und zuversichtlich, ohne Angst oder
  • Panik/Angst, isoliert und allein gelassen zu werden

Diese Indikationen sehen wir in einem Großteil der Patienten, weil sie asymptomatisch sind. Nahezu 80-85 % der Fälle sind asymptomatisch, d.h. der Patient hat zwar die Symptome der Erkrankung, aber keine individuellen Akutsymptome, man könnte es mit einem Zustand der Betäubung vergleichen. Diese Fälle werden gut auf Camphora ansprechen.

Auf der nächsten Ebene finden wir die akuten Symptome. Hier haben wir entweder die spezifischen Symptome der Pandemie – und können Camphora verordnen – oder wir haben eine Reihe akuter Symptome vorliegen, die wir aus der Totalität der Akutsymptome ableiten können: die Besonderheiten des Schüttelfrostes, der Hitze und des Schwitzens beim Fieber, die Zeitmodalitäten und Begleitsymptome. Auch andere Beschwerden wie Kopfschmerzen, Atemnot, Gliederschmerzen, Husten usw. zählen hier.

Neben diesen Symptomen schauen wir uns den Allgemeinzustand des Patienten an – hat er Angst, ist er entspannt, träge und benommen oder aktiv? Wie steht es um seinen Appetit und seinen Durst? Schläft er gut, hat er in diesem akuten Zustand bestimmte Träume? In der Fallaufnahme müssen wir diese Informationen zusammentragen, weil sie uns zu einem spezifischen Akutmittel führen können.

Die dritte Möglichkeit tritt dann ein, wenn Symptome des Konstitutionsmittels in der akuten Erkrankung zu erkennen sind. In der Regel sind das Symptome, die Sie bei Ihrem Patienten auch vorher schon gesehen haben. Der chronische Zustand zeigt sich auch in der akuten Situation. Wir haben das in sehr vielen Fällen beobachten können.

Für unsere Verschreibung orientieren wir uns an den auffälligen Symptomen, also an der Ebene, die sich am deutlichsten zeigt. Im Folgenden werden Fallbeispiele vorgestellt, die diese Methode der Verordnung veranschaulichen soll.

Die Mehrzahl der Fälle wurde in konventionelle Krankenhäuser aufgenommen und zusätzlich zum Standardprotokoll auch homöopathisch behandelt. Die Ausnahme bilden drei Fälle. Die Ergebnisse nach Verabreichung der homöopathischen Arzneimittel waren signifikant und alle Patienten erholten sich sehr gut. Viele haben keine Symptome mehr und wurden danach negativ auf COVID getestet.

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Fallbeispiel 1: Eine 27 Jährige Frau

Es geht um eine 27 Jahre alte Frau. Sie berichtet, dass jemand in ihrem Haus positiv auf COVID getestet wurde und sie deshalb viel zu viele Telefonate führen musste. Sie beschloss deshalb, nicht mehr ans Telefon zu gehen und keine Nachrichten mehr zu beantworten. Seit sie diese Entscheidung getroffen hat ist sie glücklich und zufrieden. Diese Gemütsverfassung ist auch anderen aufgefallen und sie wurde gefragt, ob Sie Drogen – Cannabis vielleicht – nehme. Der Fall wurde telefonisch von einem unserer Ärzte aufgenommen, der bestätigen konnte, dass die Patientin sehr fröhlich und zufrieden klang. Dieses Gefühl „die Welt draußen zu lassen. Ich will keine Telefonanrufe annehmen; ich bin in meiner eignen kleinen Blase und zufrieden damit“ ist typisch für Camphora.

Wir können hier auch die Schmerzunempfindlichkeit von Opium erkennen. Opium stammt aus derselben Unterklasse – Unterklasse 1 – befindet sich also in einem zuversichtlichen und fröhlichen Zustand. Dieser Aspekt des Falles präsentiert sich deutlich. Wenn wir bei MacRepertory die Suchbegriffe Froh, Schmerzunempfindlichkeit und Zuversichtlich eingeben, steht Camphora auf der Trefferliste ganz vorne.

Fallbeispiel 2: Eine durch Covid isolierte Patientin

In diesem Fallbeispiel sehen wir das andere, gegensätzliche, Symptombild des Mittels Camphora. Der Vater der Patientin hatte sich mit COVID angesteckt und verstarb später an der Krankheit. Auch sie und ihre Mutter wurden später positiv getestet. Die Mutter musste ins Krankenhaus und die Patientin sich zusammen mit ihrem kleinen Kind zu Hause in Quarantäne begeben. Auch die kleine Tochter wurde positiv getestet.

Zu diesem Zeitpunkt wurde der Fall aufgenommen. Wir befragten die Patienten zu den aktuellen Hauptsymptomen und sie berichtete, dass sie sich große Sorgen um ihre Tochter machte. Sie wusste nicht, wer sich um das Kind kümmern sollte.

Niemand wollte die Kinderbetreuung übernehmen. Wenn wir den Fall und den Gemütszustand analysieren, sehen wir ein Kind, allein und verlassen. Die Patientin ist in einem Zustand der Panik – „Was mache ich nur mit meinem Kind?“

Sie sprach auch darüber, dass sie sich und ihre Tochter am liebsten umbringen würde, um diesem Gefühl zu entkommen. Dieser Zustand ist das genaue Gegenteil des oben beschriebenen Falles. Hier sehen wir Panik und ein Gefühl der Überforderung – es ist alles zu viel für mich.

Sie erwähnte auch, dass alle Angst um ihr Leben hätten und dass Ihre Cousins und ihre Verwandten sie im Stich gelassen hätten. Sie fühlt sich völlig allein, isoliert und in Panik. Das ist Gegenteil von dem berauschten Zustand „Ich habe keine Probleme, ich bin glücklich und zufrieden“.

Wenn wir diese Symptome als Rubriken bei MacRepertory eingeben, sehen wir Gemüt - Töten, Verlangen zu; Gemüt - Verlassen zu sein, Gefühl; Gemüt – Schreien – Hilfe, um und die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit und die grippeähnlichen Symptome. Camphora ist auch hier das passende Arzneimittel. Die Patientin reagierte sehr gut auf das Mittel. Auch sie wurde in das Krankenhaus aufgenommen und dort behandelt, entwickelte sich aber sehr gut.

An diesem Fallbeispiel können wir die gegensätzlichen Polaritäten von Camphora erkennen. Auf der einen Seite haben wir die Panik, die Isolation und die Angst. Auf der anderen Seite das Gefühl „die Welt draußen zu lassen, ich fühle mich glücklich und zufrieden“. In der COVID-Pandemie bleiben alle zu Hause, sind dort allein, aber recht zufrieden, weil wir mit allem versorgt sind. Auch diesen Zustand kennen wir von Camphora.

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Fallbeispiel 3: eine 22-jährige Patientin mit Hals- und Kopfschmerzen

In diesem Beispiel geht es um eine 22-jährige Patientin mit Hals- und Kopfschmerzen, leichter Übelkeit, Schweregefühl, Schwäche und Schwindel beim Aufstehen aus dem Bett. Außerdem hat sie vor dem Stuhlgang Schmerzen im Unterbauch und etwas Durchfall geht ab.

Zum Stuhlgang muss sie immer dringend auf Toilette und kann nur kleine Mengen Stuhl absetzen. Danach geht es ihr besser. Sie hat bereits Hydroxychloroquin-Tabletten genommen. Sie leidet unter Übelkeit, muss sich aber nicht übergeben. Sie ist allgemein schwach, mit hängenden Augenlidern.

Trotz allem ist sie in Hinblick auf ihre Genesung zuversichtlich und äußert dies uns gegenüber auch. Sie berichtet, dass sie keine Angst habe. Kaum Durst auf Wasser. Das zeichnet ein Bild ihres Zustandes und wir haben Camphora verordnet. Die wichtigsten Hinweise waren die Schwäche und die fehlende Angst. Die Patientin sprach gut auf das Arzneimittel an.

Fallbeispiel 4: Hauptsymptom Fieber

Ein 36 Jahre alter Patient, dessen einziges Symptom Fieber war. Er wurde nach drei Tagen Fieber (38,1°C) in die Intensivstation eingeliefert. Zu diesem Zeitpunkt hatte er einen trockenen Hals mit Halsschmerzen und viel Durst. Er fühlte sich schläfrig.

Auf Nachfragen berichtete er, dass er während des Fiebers einfach nur im Bett liegen und schlafen wollte. Hier sehen wir ein ganz anderes Bild, die Symptome deuten auf Bryonia hin. Bryonia-Patienten möchten weder gestört noch behelligt werden. Das Hauptsymptom in diesem Fall ist nicht die Schwäche, sondern die Trockenheit, zusammen mit Durst und dem Verlangen, im Bett zu liegen und nicht gestört zu werden.

Fallbeispiel 5: Durchfall, Blähungen und Völlegefühl

Ein 36 Jahre alter Patient mit Durchfall, Blähungen und Völlegefühl im Abdomen und stinkendem Stuhlgang. Selbst der bloße Gedanke an seiner Krankheit löst Schwäche aus. Die Hauptsymptome in diesem Fall sind der stinkende Stuhlgang, die Besorgnis um seine Erkrankung, Schwäche und Herzrasen. Bei der Angst des Patienten geht es nicht um die Angst vor dem Allein-sein, die wir bei Camphora beobachten können.

Bei diesem Patienten dreht sich die Angst darum, was mit ihm passieren wird: „Was ist, wenn es mir immer schlechter geht, werde ich sterben? Ich habe das nicht unter Kontrolle, mache mir Sorgen um die Arbeit und meine finanzielle Situation. Ich habe das Gefühl, alles verlieren zu werden – Geld, Gesundheit, Arbeit.“

Der Patient ist ein sehr ordentlicher Mensch und legt viel Wert auf Sauberkeit. Ihm geht es für gewöhnlich bei warmem Wetter besser. Die Symptome – Schwäche und Angst, nicht einschlafen können bis drei Uhr morgens (Zeitmodalität) und die Sorge um Beruf, Geld und Gesundheit – sind spezifische Themen von Arsenicum album.

Im Periodensystem der Elemente steht Arsenicum album in Reihe (Periode) 4. In dieser Reihe geht es um die Themen Geld, Sicherheit, Zuhause, Arbeit, Gesundheit und Ausdauer. Arsenicum album befindet sich auf der rechten Seite des Periodensystems, was die innere Haltung „Ich werde alles verlieren“ mit sich bringt. Bei Bryonia ist das anders. Bryonia möchte in Ruhe gelassen werden, in seiner Komfortzone nicht gestört werden. „Ich will nicht gestört werden und will mich nicht bewegen“. Diese grundlegende Empfindung finden wir in Unterklasse 4 des Pflanzenreichs.

Sie wollen in einer Stellung verharren, sich nicht bewegen; keine Veränderung soll sie stören; sie wollen einfach nur im Bett liegen bleiben; das ist das Hauptthema der vierten Unterklasse und auch des Arzneimittels Bryonia.

Um noch einmal auf unseren Patienten zurückzukommen: Hier haben wir die Rubriken Denken an die Beschwerden agg.; Fieber – Diarrhoe – nach – agg.; übelriechend; Gemüt – Hause, zu – Verlangen, nach Hause zu gehen; Sprechen amel. plus Angst mit Schwäche und Herzrasen und Schlaflosigkeit bis 3 Uhr morgens. Alle Symptome sind charakteristisch für Arsenicum album und werden durch die Repertorisation bestätigt. Wir haben die unterschiedlichen akuten Bilder von Camphora, Bryonia und nun Arsenicum album näher betrachten können. Dem Patienten wurde Arsenicum album, dreimal täglich, verordnet.

Mein Kollege Dr. A. K. Arun aus Dehli hat bereits viele symptomatische und asymptomatische COVID-Patienten behandelt. Er hat eine Excel-Datei mit einer Übersicht über 70 Patienten zusammengestellt, die er ausschließlich homöopathisch therapierte. 58 Patienten behandelte er mit Camphora, zwei mit Arsenicum, vier mit Bryonia, drei mit China und zwei mit Eupatorium perfoliatum. Alle Patienten erholten sich mithilfe der Arzneien sehr gut.

Aus diesen Daten können wir schlussfolgern, dass wir nicht jedem Patienten Camphora oder Bryonia geben müssen und dass viele Arzneimittel in Frage kommen können. Das sollten wir immer in Betracht ziehen.

Die wichtigste Indikation für Bryonia sind Trockenheit und der große Durst auf große Mengen kaltes Wasser. Der Patient will sich nicht bewegen und in der gleichen Stellung verharren. Es ist das Gegenteil von Rhus tox, der ständig seine Lage verändert und keine Ruhe findet.

Der Bryonia-Patient lässt sich nicht gerne stören und beantwortet Fragen nur gereizt und unwillig. Ein Beispiel: Ich befragte eine Patientin, die positiv auf COVID getestet worden war, nach ihren Symptomen. Sie berichtete, dass sie am liebsten die ganze Zeit nur schlafen würde und nicht gestört werden wollte. Wenn jemand sie ansprach und sich nach ihrem Befinden erkundigte, schickte sie die Person wieder weg und sagte, sie wolle in Ruhe gelassen werden. Das ist die Hauptindikation für Bryonia.

Bei Arsenicum album ist der Gemütszustand ein anderer: Arsenicum-Patienten haben das Gefühl, etwas zu verlieren. Wie zum Beispiel der Patient, der uns berichtet, dass „seine Gesundheit schwindet“, „er sein Geld verlieren werde“ und „keine Arbeit mehr haben wird“. Er sagt „seine Zukunft sei unsicher“, er ist beunruhigt darüber, „was mit mir und meinem Leben passieren werde“. Zusätzlich tritt gegen Mitternacht eine Verschlimmerung der Symptome ein und den Patienten geht es besser, wenn sie etwas Warmes trinken. Außerdem trinken sie in kleinen Schlucken, dafür aber öfter. Das sind die Schlüsselsymptome von Arsenicum album.

Das Schlüsselsymptom von China ist die Periodizität. Das Fieber tritt in regelmäßigen Abständen auf. Mit dem Fieber kommt der bittere Geschmack im Mund, auch ein Hauptsymptom dieses Mittels. Außerdem können wir ein starkes Verlangen nach Obst und saftigen, erfrischenden Dingen beobachten.

Auf der Gemütsebene sind diese Patienten stark erregt. Sie können nicht schlafen, die Gedanken sind unruhig und drehen sich im Kreis. Immerhin gehört China zu den Rubiaceae, der Coffea-Familie. Es sind die hartnäckigen Gedanken, Ideen und Pläne, die den Patienten nicht schlafen lassen.

China gehört zum Malaria-Miasma, deswegen die Periodizität und Schwäche, begleitet von dem Gefühl, großes Pech zu haben. Sie fragen sich „Warum ich?“, „Warum trifft es immer mich?“. Das ist einer der Gemütszustände von China.

Ein China-Patient könnte zum Beispiel fragen „Warum habe ich mich mit COVID infiziert und andere nicht?“ „Warum habe ich immer so viel Pech und Unglück?“ „Ich habe wirklich viel Pech, ständig werde ich geplagt und muss mich herumärgern.“ Dieser innere Zustand - von etwas geplagt zu werden – kann eine wichtige Indikation für China sein. Auch in der Rubrik Gemüt – Wahnideen – verfolgt zu werden spiegelt sich das Gefühl wider, vom Pech verfolgt und behindert zu werden.

Die Hauptindikationen für Gelsemium sind Benommenheit und Durstlosigkeit. Auch gibt es hier einen Aspekt von Schock oder schlechten Nachrichten. Der Patient sagt zum Beispiel: „Ich war geschockt, als ich den Bericht las.“ Dieses Gefühl von Schock und Überraschung lässt sich auf die Tatsache zurückführen, dass Gelsemium wie Ignatia zu der botanischen Familie der Loganiaceae gehört. Das Hauptthema der Loganiaceae ist plötzliches Überrasch-werden und Schock.

Diese Arzneimittel sind am häufigsten indiziert und werden auch am meisten verordnet.


Interessanterweise hat sich bei den COVID-Erkrankungen gezeigt, dass während der akuten Infektion nicht selten das Konstitutionsmittel gegeben werden muss. Dieser Aspekt soll anhand der folgenden Fallbeispiele verdeutlicht werden.

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Fallbeispiel 6: Rollentausch eines Arztes

In diesem Fallbeispiel geht es um einen 26-jährigen Patienten, Arzt von Beruf, der von unserem Ärzteteam zu seinen Symptomen befragt wurde. Er begann mit folgender Aussage: „Ich mache gern Kampfsport und mag Bruce Lee; ich halte mich gern fit und trainiere jeden Tag eine Stunde; ich lasse jemanden auf meinem Bauch stehen, damit ich fit werde. Auch wenn ich von fünf Leuten gleichzeitig angegriffen werde, macht mir das nichts aus; ich kann fünf Räuber gleichzeitig in die Flucht schlagen.“

Eigentlich hatten wir den Patienten nach seiner COVID-Erkrankung und seinen Symptomen gefragt, er aber sprach über etwas ganz anderes, also ist es auch für die Fallanalyse von Bedeutung.

Selbst während einer COVID-Infektion denkt er an Kampfsport. In diesem Zusammenhang sagt er: „An einem Tag habe ich mehr trainiert, vielleicht habe ich deswegen eine Schwellung an den Oberschenkeln bekommen, danach musste ich mich heftig übergeben. Ich konnte noch nicht einmal Wasser trinken. Ich musste alle zwei Stunden erbrechen und konnte nichts bei mir behalten. Es fühlte sich an, als würde ich meine Eingeweide erbrechen. Als hätte ich Knoten in meinen Eingeweiden.“

Das ist merkwürdig und interessant. Wir versuchen zu verstehen, was das Auffallende an COVID ist. Die Beschwerden dieses Patienten äußern sich als Knoten in den Eingeweiden, heftigem Erbrechen, als würden seine Eingeweide dabei herauskommen, fast als gäbe es da einen heftigen Krampf, der die Eingeweide herausdrückt.

Dann erzählte er von sich selbst und erwähnte, dass Obama und Abdul Khan seine großen Vorbilder seien, weil man sich an diese auch noch nach ihrem Tod erinnern wird. Er hätte auch gern, dass die Leute nach seinem Tod an ihn denken und ihn als Mann in Erinnerung behalten, der etwas Gutes geleistet hat. Dann sprach er über den Irak und Syrien, die eigentlich nicht bombardiert werden dürften, weil dabei unschuldige Menschen sterben.

Es war ihm wichtig, dass man ihn als guten Menschen in Erinnerung behält, als Mann mit einem guten Namen, der Gutes tut und dafür respektiert wird. Hier wird deutlich, dass der Patient über Leistung spricht. Er muss Gutes leisten, damit sich die Menschen an ihn erinnern. Die Themen, mit denen er sich beschäftigt, sind: angegriffen werden, Kraft und Stärke aufbauen, seine Fähigkeiten im Kampfsport auszubauen und Leistung. Diese Themen gehören zum Mineralreich.

Bei diesem Patienten dreht sich alles um die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten, es geht um Angriff und Verteidigung, um die Krämpfe und um den Knoten in den Eingeweiden. Wenn wir diese Suchbegriffe bei Reference Works eingeben als ‚Knoten nicht mehr als drei Worte entfernt von Eingeweide, angegriffen nicht mehr als drei Worte entfernt von Wahnidee (das grundlegende Gefühl ist angegriffen zu werden), im selbem Arzneimittel wie Knoten in den Eingeweiden (die Empfindung, Koten in den Eingeweiden zu haben)‘ , dann stoßen wir auf das Arzneimittel Cuprum metallicum.

‚Knoten nicht mehr als drei Worte entfernt von Eingeweide, im selbem Arzneimittel wie angegriffen, nicht mehr als drei Worte entfernt von Wahnidee (2): cann-i., Cupr.

Cuprum ist eine Arznei, die bei heftigen Krämpfen gegeben wird. Alles ist von Krämpfen gezeichnet: Muskelkrämpfe, Epilepsie, Erbrechen; alles ist heftig und tritt in Krämpfen auf, das Hauptsymptom dieses Patienten. Ihm wurde das Mittel Cuprum metallicum verordnet und er reagierte sehr gut auf die Arznei.

In diesem Fall kann man auch in der Narrative der akuten COVID-Erkrankung den Grundzustand des Patienten erkennen: Die akuten Symptome, die sich wie Knoten in den Eingeweiden anfühlen und die heftigen Krämpfe mit Erbrechen, die auf Cuprum und das Mineralreich hindeuten. Cuprum passt zu diesem Mann – er macht Kampfsport, weil er glaubt, dass er jederzeit und plötzlich angegriffen werden könnte und in der Lage sein muss, sich zu verteidigen.

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Fallbeispiel 7: Appetitverlust eines Pfegehelfers

Dieser Fall handelt von einem 36 Jahre alten Patienten, einem Pflegehelfer im Krankenhaus, der positiv auf COVID getestet wurde. Sein Hauptsymptom war ein vollständiger Appetitverlust. Normalerweise hat er vormittags zwischen zehn und elf Uhr Hunger, aber im Moment kann er überhaupt nichts essen.

Er fühlte sich schwach und fiebrig, mit Hitze in den Fußsohlen und in der Stirn. Er isst gerne Milchprodukte. Bevor er krank wurde, aß er 1 kg Quark in der Woche. Auch Lassi (ein traditionelles Getränk aus Joghurt und Buttermilch) trank er gern. Er verzehrte viele fettige Milchprodukte: Sahne, Milcheis, Buttermilch mit Sahne und Jaggery (indischer Vollrohrzucker, Anm. d. Ü.). Er konnte sieben Gläser Trinkjoghurt auf einmal trinken.

Er machte sich große Sorgen um seine Familie. Aus der Fallaufnahme erfahren wir, dass er ein äußerst großes Verlangen nach Milch und Milchprodukten hat, müssen aber auch verstehen, dass es sich hier nicht um ein akutes Symptom handelt, sondern dieses Verlangen schon immer da war. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Patient sein Konstitutionsmittel braucht und keine Arznei, die spezifisch ist für den akuten Zustand. Weiter berichtete der Patient, dass sein Vater einen Unfall gehabt habe und bewusstlos auf der Intensivstation läge.

Er sollte sich um seine Mutter und Schwester kümmern. Ihm war nach Weinen zumute, aber er konnte seine Gefühle nicht ausdrücken, weil er sich verantwortlich fühlte und seine Emotionen unter Kontrolle haben wollte. In seiner Trauer wurde er krank, bekam einen Schnupfen und Kopfschmerzen. Er hatte die Hoffnung verloren und dachte, sein Vater müsse sterben.

Beim Erzählen kamen ihm die Tränen und er begann zu weinen. Auch seine Großmutter war nicht gesund und er glaubte, sie würde bald sterben. Er wurde sehr emotional und weinte. Wir können also sehen, dass es sich hier um einen sehr sensiblen und emotionalen Menschen handelt, der aber wegen seines großen Pflichtgefühls seinen Kummer nicht zum Ausdruck bringen kann.

Er erwähnte auch, dass er eine Affäre mit einer Frau habe, obwohl beide verheiratet seien. Er machte sich Sorgen um seinen guten Ruf in der Gesellschaft. Er berichtete: „Ich habe keine Angst davor, dass mich jemand verprügeln könnte - darum mache ich mir keine Gedanken. Aber wenn ich diese Angst spüre, fangen meine Beine an zu zittern. Wenn ich mich streite, ist es meist, weil ich mich für andere Leute einsetze. Wissen Sie, in der Firma, für die ich arbeite, hat sich ein Angestellter umgebracht. Sie haben versucht, es zu vertuschen, aber ich habe mich dagegen gewehrt.“

Gleichzeitig wollte er fit sein und ging regelmäßig ins Fitnessstudio. So weit also die Beschreibung seiner Symptome und seines Gemütszustandes. Wenn wir den Fall analysieren, können wir sehen, dass dieser Mann sehr sensibel ist, ein starkes Pflichtgefühl besitzt, ein großes Verlangen nach Milch und Milchprodukten hat und seinen Kummer unterdrückt.

Er will sich wehren, ist aber sehr sensibel; er gerät leicht in Verlegenheit und sorgt sich um seinen Ruf. Das wurde sehr deutlich, als er uns von seiner Affäre erzählte und sagte, er mache sich Sorgen darum, was passieren würde, wenn die Beziehung ans Tageslicht käme.

Wir entschieden uns für die Rubriken Milch, Verlangen nach; Gemüt - Streitsüchtig; Gemüt – Weinen – Weint leicht; Zittern; Gemüt - Empfindlich Ungerechtigkeit, Gemüt – Mitgefühl, Mitleid; Gemüt – Beschwerden – Verlegenheit, durch; Gemüt – Pflicht – zu viel Pflichtgefühl; Extremitäten – Zittern – Beine – Angst, bei.

Ignatia steht hier an erster Stelle. Ignatia ist eine Arznei aus dem Pflanzenreich. Diese Menschen sind sehr sensibel und halten viel stillen Kummer zurück. Gleichzeitig haben sie ein großes Pflichtgefühl und übernehmen viel Verantwortung.

Dem Patienten wurde Ignatia verordnet, weil es keinen großen Unterschied zwischen seinem akuten und chronischen Zustand gab. Er nahm das Mittel in der Potenzierung C200 ein.

Als nächstes möchte ich über die Ebene der sehr ernsten und schweren Fälle schreiben. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir nur asymptomatische Fälle besprochen oder Patienten, bei denen die typischen Symptome dieser Pandemie im Vordergrund standen, wie z.B. Schwäche, heftige und plötzliche Symptome, entweder begleitet von einem Gefühl der Panik und Angst oder Gelassenheit und Heiterkeit. Alle Fälle sprachen gut auf Camphora an.

Auf der zweiten Ebene haben wir akute Zustände, bei denen wir die Gesamtheit aller akuten Symptome aufnehmen müssen und über diese Symptome zum Arzneimittel gelangen. Die Mittel, die auf dieser Ebene häufig angezeigt waren, sind Arsenicum, Bryonia, China, Gelsemium und Camphora.

In wenigen anderen Fällen haben uns die wahlanzeigenden Symptome der Patienten zum Konstitutionsmittel geführt: der Gemütszustand, seine Konstitution, die Allgemeinsymptome, Verlangen und Abneigungen. Bei diesen Patienten müssen wir das entsprechende Konstitutionsmittel verordnen, weil es keine auffallenden, bemerkenswerten Akutsymptome gibt und auch die typischen Symptome der Pandemie nicht hervorstechen. So müssen wir an diese Fälle herangehen.

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Schwere Krankheitsverläufe

Ich habe nicht viel Erfahrung mit ernsten, schweren Fällen, also mit Patienten, deren Sauerstoffsättigung bei weniger als 90 liegt oder die beatmet werden müssen. Unter den wenigen Fällen, die ich behandelt habe, möchte ich einen hier besonders hervorheben.

Fallbeispiel 1: Künstliche Beatmung einer 70-jährigen Patientin

Es handelt sich um eine 70-jährige Patientin, die beatmet werden musste. Sie hatte Atemnot, war sehr schwach und konnte nicht mehr aus dem Bett aufstehen. Sie klagte über Brennen an den Handinnenflächen und im Magen. Sie schwitzte am ganzen Körper und hatte ruhelose Beine. Aufgrund der Schwäche hatte sie große Atemnot und sie konnte nicht einmal aufrecht sitzen.

Außerdem litt sie unter Erbrechen mit bitterem Geschmack im Mund und sie war untergewichtig. Sie erwähnte, dass sie verwirrt sei und nicht wusste, wo sie war. Sie konnte nicht sagen, ob sie sich auf dem Boden (im Gegensatz zu schweben; Anm. d. Ü.) befand oder irgendwo anders. Ihr Mund war trocken und sie hatte wenig Durst.

Die Patientin war sehr besorgt um ihre Enkelkinder. Je stärker die Schwäche und der Schwindel wurden, desto schneller wurde ihre Atemfrequenz. Sie verlangte an einem kalten Tuch für ihre Fußsohlen und Handflächen, damit das Brennen endlich aufhöre. Wir gaben ihr Camphora 10M, eine Gabe alle sechs Stunden. Die große Schwäche gepaart mit dem Verlangen nach etwas Kaltem für die Extremitäten ist eine gute Indikation für Camphora. Die Patientin erholte sich gut und wurde weiter im Krankenhaus behandelt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der individuellen Verschreibung ist, dass man immer wachsam sein sollte. Der Zustand des Patienten kann sich verändern und damit auch die Indikation für die passende Arznei. Unter Umständen muss man die Verschreibung anpassen und ein neues Mittel geben. Ich möchte an dieser Stelle einen Fall vorstellen, in dem wir der Patientin Camphora, Arsenicum und China gaben.

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Fallbeispiel 2: Schweißausbrüche

Der Fall einer 26 Jahre alten Frau, die positiv auf COVID getestet wurde und seit zehn Tagen Krankheitssymptome hatte. Sie hatte in unserem Bürogebäude einige Termine gehabt, als sie sich müde fühlte und selbst bei der kleinsten Anstrengung in Schweiß ausbrach. Sie war sogar in Ohnmacht gefallen, fühlte sich schwach und bekam nach diesem Vorfall Herzrasen und ein niedrig-gradiges Fieber.

Die Frau wurde mit Verdacht auf eine Harnwegsinfektion ins Krankenhaus gebracht, es stellte sich aber heraus, dass sie COVID-positiv war. Sie fühlte sich nicht gut und verstand nicht, was mit ihr geschah. Auch ihr Vater war krank. Sie fragte sich, „warum das ausgerechnet mir passieren musste?“.

Als erstes wurde der Patientin Camphora verordnet, wegen der Schwäche und den für die Pandemie typischen Symptomen. Beim Follow up am nächsten Tag hatte sich ihr Zustand weder sonderlich verändert noch konnten wir eine Besserung feststellen. Wenn das verabreichte Mittel nichts bewirkt, sollte man den Fall noch einmal überdenken.

In der Homöopathie gibt es kein Wundermittel für alles oder eine Arznei, die jede Krankheit heilen kann. Camphora ist eine nützliche Arznei, passt aber nicht in jedem Fall. Wenn sich die Symptome ändern und wir keine Besserung erkennen können, müssen wir ein anderes Mittel geben. Diese Patientin wurde immer schwächer und begann, Wasser in kleinen Schlucken zu trinken. Außerdem sorgte sie sich um die Gesundheit ihres Vaters und um ihre eigene. Ihre Sauerstoffsättigung änderte sich und sie wurde sehr ängstlich deswegen. Es waren gute Indikationen für Arsenicum und das Mittel wurde alle sechs Stunden gegeben.

Am nächsten Tag ging es ihr sehr viel besser. Sie war weniger nervös, hatte gut geschlafen und fühlte sich kräftiger. Sie war zuversichtlich und hatte nicht mehr so viel Angst. Auch der Husten war besser geworden. Wir gaben ihr weiterhin Arsenicum album 1M.

Dann passierte etwas Merkwürdiges. Ich hatte die Patienten darum gebeten, mir zu berichten, wie sie sich fühlte. Anstatt zu sagen, dass sie sich besser fühlte, sagte sie nur, dass alles in Ordnung sei, sie aber erst spät eingeschlafen wäre. Sie sei bis vier oder fünf Uhr morgens wach gelegen und habe über die Zukunft nachgedacht und Pläne geschmiedet.

Ich hakte nach und bat sie mehr über sich selbst zu erzählen. Die Patientin berichtete, dass sie sehr kreativ sei und gerne Bücher schrieb. Mir wurde klar, dass die Patientin China brauchte und nicht Arsenicum. Wir baten die Patientin, das Arsenicum abzusetzen und China einzunehmen, weil die ängstliche Nervosität von Arsenicum nicht mehr vorhanden war. Dafür aber die unruhigen Gedanken und Erregtheit von China.

Die Patientin weigerte sich und sagte, sie wolle lieber Arsenicum einnehmen, es würde ihr besser damit gehen. Ich musste mit viel Nachdruck insistieren und schließlich willigte sie ein. Die Indikationen für Arsenicum waren einfach nicht mehr da, das Symptombild entsprach jetzt China.

Wenn die Indikationen für eine Arznei nicht mehr da sind, müssen wir ein anderes Mittel geben, auch wenn es dem Patienten besser geht. Wir müssen immer nach dem Ist-Zustand verordnen.

Nach der Einnahme von China kam am nächsten Tag die nervöse Ängstlichkeit zurück. Die Patientin sagte, sie hätte lieber wieder Arsenicum eingenommen. Sie sagt: „Mir ging es gut, aber Sie haben die Arznei abgesetzt.“ Auf der psychologischen Ebene zeigte sich wieder die Angst, aber ich gab der Patientin weiterhin China, weil ich gesehen hatte, dass China von der Konstitution her besser zu ihr passte.

Am nächsten Tag fühlte sie sich besser und war wieder so wie vorher. In diesen Fällen müssen wir sehr aufmerksam sein. Wenn es dem Patienten nicht besser geht, müssen wir eine andere Arznei geben. Aber auch, wenn der Patient Fortschritte macht und sich die Symptome ändern, sollten wir ein neues Mittel geben, weil sich der Zustand des Patienten geändert hat.

Potenzierungsstufe und wiederholte Gabe der Arznei

  • Wenn die Emotionen und die Lokalsymptome im Vordergrund stehen, sollten wir die Potenzierungsstufe C200 geben.
  • Liegt die Betonung auf den Allgemeinsymptomen, dem Gemütszustand und den Träumen, sollten wir uns für die 1M entscheiden.
  • Bei sehr heftigen, intensiven Symptomen, zum Beispiel bei großer Schwäche oder anderen heftigen Symptomen, zeigen sich Energie- und Empfindungsebene. In diesen Fällen ist die 10M angezeigt.
  • Was die wiederholte Gabe einer Arznei betrifft, kommt es auf die Intensität des Falles an. Normalerweise gebe ich ein Mittel zweimal täglich, bei heftigen Zuständen auch dreimal täglich. In akuten Situationen lasse ich das Mittel alle drei Stunden einnehmen. Anschließend schleichen wir das Arzneimittel aus und setzen es ganz ab, sobald die Symptome rückläufig sind. Den Patienten geben wir anschließend meist noch ein Placebo.

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Homöopathie und Pandemien

17.04.2020 Dr. Aditya Kasariyans und Dr. Rajan Sankaran
Update zur Studie über die homöopathische Behandlung von Covid-19 Infektionen im Iran

19.03.2020 Dr. Aditya Kasariyans und Dr. Rajan Sankaran
Homöopathie für Infektionen mit dem Coronavirus Covid-19

11.03.2020 Dr. Manisha und Dr. Manish Bhatia
Coronavirus Covid-19 und Homöopathie

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Quelle: https://hpathy.com/homeopathy-papers/treating-covid-19-with-homoeopathy/

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Die homöopathische Behandlung von COVID 19

von Dr. Rajan Sankaran

 

Inhalt:

  1. Spezifische Symptome der Pandemie

  2. Indikationen für Camphora

  3. Fallbeispiele von Rajan Sankaran
    3.1 Eine 27 jährige Frau
    3.2 Eine durch Covid isolierte Patientin
    3.3 Eine 22-jährige Patientin mit Hals- und Kopfschmerzen
    3.4 Hauptsymptom: Fieber
    3.5 Durchfall, Blähungen und Völlegefühl
    3.6 Rollentausch eines Arztes
    3.7 Appetitverlust eines Pflegehelfers

  4. Schwere Krankheitsverläufe
    4.1 Künstliche Beatmung einer 70-jährigen Patientin
    4.2 Schweißausbrüche bei der kleinsten Anstrengung

  5. Potenzierungsstufe der Arznei
  6. Weitere Homeonews zu COVID 19

 

 

Dr. Rajan Sankaran gibt Einblicke in seine Methode, mit der er die drei unterschiedlichen Ebenen der COVID-19 Symptome differenziert. Dazu gehören die gewöhnlichen Symptome des Virus, die Akutsymptome und die konstitutionellen Symptome. Dr. Sankaran veranschaulicht seinen Ansatz anhand mehrerer Fallbeispiele.

Im Auftrag der Regierung hat das Ministerium für Ayurveda, Yoga, Naturheilkunde, Unani, Siddha und Homöopathie (AYUSH) die homöopathische Behandlung von COVID als ergänzende Therapie zum Standardprotokoll zugelassen. Viele Homöopathen werden nun darum gebeten, COVID-Patienten in Krankenhäusern zu behandeln. Viele unserer Patienten, die an COVID erkrankt sind, lassen sich auch homöopathisch behandeln.

In Hinblick auf die aktuelle Situation möchte ich meine eigenen Erfahrungen mit COVID-positiven Fällen mit Ihnen teilen, damit neue und erfahrene KollegInnen gleichermaßen davon profitieren können.

Bevor ich näher auf das Thema eingehe, möchte ich meinen Kollegen und Kolleginnen Dr. Shrikant Talari, Dr. Sonali Bhonsale, Dr. Faiza Khan, Dr. Meghna Shah, Dr. A. K. Arun, Dr. Kshiti Mehta, dem Team des Prana Homeopathy Yoga Center in Pune und dem Team der Akademie The Other Song in Mumbai meinen herzlichen Dank für ihre Mitarbeit aussprechen.

Ich werde hier auch einige ihrer COVID-Fälle vorstellen, da wir uns in der Behandlung dieser Erkrankung als ein Team verstehen und zusammenarbeiten. Bevor ich an dieser Stelle weiter aushole, möchte ich Sie bitten, in Vorbereitung auf diesen Artikel einen meiner Vorträge auf YouTube anzusehen:

In diesem Video spreche ich über die drei Ebenen der Symptome und wie Sie erkennen können, welche Ebene sich in einem Fall am deutlichsten zeigt. Die erste Ebene bezieht sich auf die Pandemie selbst, dort finden wir die gewöhnlichen, für diese Pandemie spezifischen, Symptome.

Die zweite Ebene wird erkennbar, wenn Patienten sehr deutliche und hochakute Symptome zeigen. Als Akutsymptome bezeichnet man Symptome, die erst mit dem Beginn der Infektion auftreten und vorher nicht existierten. Mit dem Beginn der akuten Erkrankung tritt auch die akute Totalität der Symptome in Erscheinung.

Als drittes sehen wir in vielen Fällen auch Symptome des Konstitutionsmittels, die in der akuten Phase zum Vorschein kommen. In allen Fällen wird eine dieser drei Ebenen sehr klar und deutlich zu sehen sein.

Es gibt also drei Möglichkeiten:

  • Symptome, die spezifisch sind für diese Pandemie
  • Die Totalität der Akutsymptome
  • Symptome, die auf das Konstitutionsmittel hinweisen

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1. Welche Symptome sind spezifisch für die Pandemie? 

Im Vordergrund steht die große Schwäche, die als plötzliche Schwäche beschrieben wird und die hauptsächlich die unteren Extremitäten betrifft. Das Gehen fällt schwer. Die Schwäche wird sowohl in den Gliedmaßen als auch im ganzen Körper wahrgenommen. Ein weiteres Symptom der COVID-Erkrankung ist der Geruchs- und Geschmacksverlust. Diese Symptome beschreiben einen Zustand, der einer Betäubung ähnelt, wie eine Art Kollaps oder Schwäche, die an eine Narkose erinnert.

Es kommt auch vor, dass man keinerlei aktiven Symptome sehen kann, kein Zerschlagenheitsgefühl, keine Schmerzen oder Ruhelosigkeit. Die prominenten charakteristischen Symptome in diesen Fällen sind Schwäche, Geschmacksverlust und Verlust des Geruchssinns.

Auf der Gemütsebene fällt auf, dass relativ wenig Angst vorhanden ist, wie im Beispiel eines Patienten, der ins Krankenhaus auf eine COVID-Station gebracht werden muss, aber deswegen nicht nervös wird oder Angst davor zu haben scheint. Eine Einweisung ins Krankenhaus bedeutet, dass es zu Komplikationen kommen kann und die Gefahr besteht, dass die Krankheit tödlich verlaufen könnte. Trotzdem scheint der Patient nicht beunruhigt zu sein.

Oder der Patient macht einen eher fröhlichen Eindruck, was sehr merkwürdig ist. Der Gegenpol zu diesem Gemütszustand ist die Panik. Panik und Angst, allein gelassen zu werden, ein Gefühl der Isolation, des Verlassen-seins. Der Gedanke: „Was wird mit mir passieren?“. Beide Ausdrucksformen dieses Gemütszustands in Kombination mit der oben beschriebenen Schwäche sind Indikationen für das Arzneimittel Camphora.


Indikationen für Camphora

  • Schwäche
  • Anosmie (Verlust des Geruchssinns)
  • Geschmacksverlust
  • Plötzliche Schwäche, Schwäche in den Beinen
  • Gemütszustand: fröhlich und zuversichtlich, ohne Angst oder
  • Panik/Angst, isoliert und allein gelassen zu werden

Diese Indikationen sehen wir in einem Großteil der Patienten, weil sie asymptomatisch sind. Nahezu 80-85 % der Fälle sind asymptomatisch, d.h. der Patient hat zwar die Symptome der Erkrankung, aber keine individuellen Akutsymptome, man könnte es mit einem Zustand der Betäubung vergleichen. Diese Fälle werden gut auf Camphora ansprechen.

Auf der nächsten Ebene finden wir die akuten Symptome. Hier haben wir entweder die spezifischen Symptome der Pandemie – und können Camphora verordnen – oder wir haben eine Reihe akuter Symptome vorliegen, die wir aus der Totalität der Akutsymptome ableiten können: die Besonderheiten des Schüttelfrostes, der Hitze und des Schwitzens beim Fieber, die Zeitmodalitäten und Begleitsymptome. Auch andere Beschwerden wie Kopfschmerzen, Atemnot, Gliederschmerzen, Husten usw. zählen hier.

Neben diesen Symptomen schauen wir uns den Allgemeinzustand des Patienten an – hat er Angst, ist er entspannt, träge und benommen oder aktiv? Wie steht es um seinen Appetit und seinen Durst? Schläft er gut, hat er in diesem akuten Zustand bestimmte Träume? In der Fallaufnahme müssen wir diese Informationen zusammentragen, weil sie uns zu einem spezifischen Akutmittel führen können.

Die dritte Möglichkeit tritt dann ein, wenn Symptome des Konstitutionsmittels in der akuten Erkrankung zu erkennen sind. In der Regel sind das Symptome, die Sie bei Ihrem Patienten auch vorher schon gesehen haben. Der chronische Zustand zeigt sich auch in der akuten Situation. Wir haben das in sehr vielen Fällen beobachten können.

Für unsere Verschreibung orientieren wir uns an den auffälligen Symptomen, also an der Ebene, die sich am deutlichsten zeigt. Im Folgenden werden Fallbeispiele vorgestellt, die diese Methode der Verordnung veranschaulichen soll.

Die Mehrzahl der Fälle wurde in konventionelle Krankenhäuser aufgenommen und zusätzlich zum Standardprotokoll auch homöopathisch behandelt. Die Ausnahme bilden drei Fälle. Die Ergebnisse nach Verabreichung der homöopathischen Arzneimittel waren signifikant und alle Patienten erholten sich sehr gut. Viele haben keine Symptome mehr und wurden danach negativ auf COVID getestet.

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Fallbeispiel 1: Eine 27 Jährige Frau

Es geht um eine 27 Jahre alte Frau. Sie berichtet, dass jemand in ihrem Haus positiv auf COVID getestet wurde und sie deshalb viel zu viele Telefonate führen musste. Sie beschloss deshalb, nicht mehr ans Telefon zu gehen und keine Nachrichten mehr zu beantworten. Seit sie diese Entscheidung getroffen hat ist sie glücklich und zufrieden. Diese Gemütsverfassung ist auch anderen aufgefallen und sie wurde gefragt, ob Sie Drogen – Cannabis vielleicht – nehme. Der Fall wurde telefonisch von einem unserer Ärzte aufgenommen, der bestätigen konnte, dass die Patientin sehr fröhlich und zufrieden klang. Dieses Gefühl „die Welt draußen zu lassen. Ich will keine Telefonanrufe annehmen; ich bin in meiner eignen kleinen Blase und zufrieden damit“ ist typisch für Camphora.

Wir können hier auch die Schmerzunempfindlichkeit von Opium erkennen. Opium stammt aus derselben Unterklasse – Unterklasse 1 – befindet sich also in einem zuversichtlichen und fröhlichen Zustand. Dieser Aspekt des Falles präsentiert sich deutlich. Wenn wir bei MacRepertory die Suchbegriffe Froh, Schmerzunempfindlichkeit und Zuversichtlich eingeben, steht Camphora auf der Trefferliste ganz vorne.

Fallbeispiel 2: Eine durch Covid isolierte Patientin

In diesem Fallbeispiel sehen wir das andere, gegensätzliche, Symptombild des Mittels Camphora. Der Vater der Patientin hatte sich mit COVID angesteckt und verstarb später an der Krankheit. Auch sie und ihre Mutter wurden später positiv getestet. Die Mutter musste ins Krankenhaus und die Patientin sich zusammen mit ihrem kleinen Kind zu Hause in Quarantäne begeben. Auch die kleine Tochter wurde positiv getestet.

Zu diesem Zeitpunkt wurde der Fall aufgenommen. Wir befragten die Patienten zu den aktuellen Hauptsymptomen und sie berichtete, dass sie sich große Sorgen um ihre Tochter machte. Sie wusste nicht, wer sich um das Kind kümmern sollte.

Niemand wollte die Kinderbetreuung übernehmen. Wenn wir den Fall und den Gemütszustand analysieren, sehen wir ein Kind, allein und verlassen. Die Patientin ist in einem Zustand der Panik – „Was mache ich nur mit meinem Kind?“

Sie sprach auch darüber, dass sie sich und ihre Tochter am liebsten umbringen würde, um diesem Gefühl zu entkommen. Dieser Zustand ist das genaue Gegenteil des oben beschriebenen Falles. Hier sehen wir Panik und ein Gefühl der Überforderung – es ist alles zu viel für mich.

Sie erwähnte auch, dass alle Angst um ihr Leben hätten und dass Ihre Cousins und ihre Verwandten sie im Stich gelassen hätten. Sie fühlt sich völlig allein, isoliert und in Panik. Das ist Gegenteil von dem berauschten Zustand „Ich habe keine Probleme, ich bin glücklich und zufrieden“.

Wenn wir diese Symptome als Rubriken bei MacRepertory eingeben, sehen wir Gemüt - Töten, Verlangen zu; Gemüt - Verlassen zu sein, Gefühl; Gemüt – Schreien – Hilfe, um und die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit und die grippeähnlichen Symptome. Camphora ist auch hier das passende Arzneimittel. Die Patientin reagierte sehr gut auf das Mittel. Auch sie wurde in das Krankenhaus aufgenommen und dort behandelt, entwickelte sich aber sehr gut.

An diesem Fallbeispiel können wir die gegensätzlichen Polaritäten von Camphora erkennen. Auf der einen Seite haben wir die Panik, die Isolation und die Angst. Auf der anderen Seite das Gefühl „die Welt draußen zu lassen, ich fühle mich glücklich und zufrieden“. In der COVID-Pandemie bleiben alle zu Hause, sind dort allein, aber recht zufrieden, weil wir mit allem versorgt sind. Auch diesen Zustand kennen wir von Camphora.

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Fallbeispiel 3: eine 22-jährige Patientin mit Hals- und Kopfschmerzen

In diesem Beispiel geht es um eine 22-jährige Patientin mit Hals- und Kopfschmerzen, leichter Übelkeit, Schweregefühl, Schwäche und Schwindel beim Aufstehen aus dem Bett. Außerdem hat sie vor dem Stuhlgang Schmerzen im Unterbauch und etwas Durchfall geht ab.

Zum Stuhlgang muss sie immer dringend auf Toilette und kann nur kleine Mengen Stuhl absetzen. Danach geht es ihr besser. Sie hat bereits Hydroxychloroquin-Tabletten genommen. Sie leidet unter Übelkeit, muss sich aber nicht übergeben. Sie ist allgemein schwach, mit hängenden Augenlidern.

Trotz allem ist sie in Hinblick auf ihre Genesung zuversichtlich und äußert dies uns gegenüber auch. Sie berichtet, dass sie keine Angst habe. Kaum Durst auf Wasser. Das zeichnet ein Bild ihres Zustandes und wir haben Camphora verordnet. Die wichtigsten Hinweise waren die Schwäche und die fehlende Angst. Die Patientin sprach gut auf das Arzneimittel an.

Fallbeispiel 4: Hauptsymptom Fieber

Ein 36 Jahre alter Patient, dessen einziges Symptom Fieber war. Er wurde nach drei Tagen Fieber (38,1°C) in die Intensivstation eingeliefert. Zu diesem Zeitpunkt hatte er einen trockenen Hals mit Halsschmerzen und viel Durst. Er fühlte sich schläfrig.

Auf Nachfragen berichtete er, dass er während des Fiebers einfach nur im Bett liegen und schlafen wollte. Hier sehen wir ein ganz anderes Bild, die Symptome deuten auf Bryonia hin. Bryonia-Patienten möchten weder gestört noch behelligt werden. Das Hauptsymptom in diesem Fall ist nicht die Schwäche, sondern die Trockenheit, zusammen mit Durst und dem Verlangen, im Bett zu liegen und nicht gestört zu werden.

Fallbeispiel 5: Durchfall, Blähungen und Völlegefühl

Ein 36 Jahre alter Patient mit Durchfall, Blähungen und Völlegefühl im Abdomen und stinkendem Stuhlgang. Selbst der bloße Gedanke an seiner Krankheit löst Schwäche aus. Die Hauptsymptome in diesem Fall sind der stinkende Stuhlgang, die Besorgnis um seine Erkrankung, Schwäche und Herzrasen. Bei der Angst des Patienten geht es nicht um die Angst vor dem Allein-sein, die wir bei Camphora beobachten können.

Bei diesem Patienten dreht sich die Angst darum, was mit ihm passieren wird: „Was ist, wenn es mir immer schlechter geht, werde ich sterben? Ich habe das nicht unter Kontrolle, mache mir Sorgen um die Arbeit und meine finanzielle Situation. Ich habe das Gefühl, alles verlieren zu werden – Geld, Gesundheit, Arbeit.“

Der Patient ist ein sehr ordentlicher Mensch und legt viel Wert auf Sauberkeit. Ihm geht es für gewöhnlich bei warmem Wetter besser. Die Symptome – Schwäche und Angst, nicht einschlafen können bis drei Uhr morgens (Zeitmodalität) und die Sorge um Beruf, Geld und Gesundheit – sind spezifische Themen von Arsenicum album.

Im Periodensystem der Elemente steht Arsenicum album in Reihe (Periode) 4. In dieser Reihe geht es um die Themen Geld, Sicherheit, Zuhause, Arbeit, Gesundheit und Ausdauer. Arsenicum album befindet sich auf der rechten Seite des Periodensystems, was die innere Haltung „Ich werde alles verlieren“ mit sich bringt. Bei Bryonia ist das anders. Bryonia möchte in Ruhe gelassen werden, in seiner Komfortzone nicht gestört werden. „Ich will nicht gestört werden und will mich nicht bewegen“. Diese grundlegende Empfindung finden wir in Unterklasse 4 des Pflanzenreichs.

Sie wollen in einer Stellung verharren, sich nicht bewegen; keine Veränderung soll sie stören; sie wollen einfach nur im Bett liegen bleiben; das ist das Hauptthema der vierten Unterklasse und auch des Arzneimittels Bryonia.

Um noch einmal auf unseren Patienten zurückzukommen: Hier haben wir die Rubriken Denken an die Beschwerden agg.; Fieber – Diarrhoe – nach – agg.; übelriechend; Gemüt – Hause, zu – Verlangen, nach Hause zu gehen; Sprechen amel. plus Angst mit Schwäche und Herzrasen und Schlaflosigkeit bis 3 Uhr morgens. Alle Symptome sind charakteristisch für Arsenicum album und werden durch die Repertorisation bestätigt. Wir haben die unterschiedlichen akuten Bilder von Camphora, Bryonia und nun Arsenicum album näher betrachten können. Dem Patienten wurde Arsenicum album, dreimal täglich, verordnet.

Mein Kollege Dr. A. K. Arun aus Dehli hat bereits viele symptomatische und asymptomatische COVID-Patienten behandelt. Er hat eine Excel-Datei mit einer Übersicht über 70 Patienten zusammengestellt, die er ausschließlich homöopathisch therapierte. 58 Patienten behandelte er mit Camphora, zwei mit Arsenicum, vier mit Bryonia, drei mit China und zwei mit Eupatorium perfoliatum. Alle Patienten erholten sich mithilfe der Arzneien sehr gut.

Aus diesen Daten können wir schlussfolgern, dass wir nicht jedem Patienten Camphora oder Bryonia geben müssen und dass viele Arzneimittel in Frage kommen können. Das sollten wir immer in Betracht ziehen.

Die wichtigste Indikation für Bryonia sind Trockenheit und der große Durst auf große Mengen kaltes Wasser. Der Patient will sich nicht bewegen und in der gleichen Stellung verharren. Es ist das Gegenteil von Rhus tox, der ständig seine Lage verändert und keine Ruhe findet.

Der Bryonia-Patient lässt sich nicht gerne stören und beantwortet Fragen nur gereizt und unwillig. Ein Beispiel: Ich befragte eine Patientin, die positiv auf COVID getestet worden war, nach ihren Symptomen. Sie berichtete, dass sie am liebsten die ganze Zeit nur schlafen würde und nicht gestört werden wollte. Wenn jemand sie ansprach und sich nach ihrem Befinden erkundigte, schickte sie die Person wieder weg und sagte, sie wolle in Ruhe gelassen werden. Das ist die Hauptindikation für Bryonia.

Bei Arsenicum album ist der Gemütszustand ein anderer: Arsenicum-Patienten haben das Gefühl, etwas zu verlieren. Wie zum Beispiel der Patient, der uns berichtet, dass „seine Gesundheit schwindet“, „er sein Geld verlieren werde“ und „keine Arbeit mehr haben wird“. Er sagt „seine Zukunft sei unsicher“, er ist beunruhigt darüber, „was mit mir und meinem Leben passieren werde“. Zusätzlich tritt gegen Mitternacht eine Verschlimmerung der Symptome ein und den Patienten geht es besser, wenn sie etwas Warmes trinken. Außerdem trinken sie in kleinen Schlucken, dafür aber öfter. Das sind die Schlüsselsymptome von Arsenicum album.

Das Schlüsselsymptom von China ist die Periodizität. Das Fieber tritt in regelmäßigen Abständen auf. Mit dem Fieber kommt der bittere Geschmack im Mund, auch ein Hauptsymptom dieses Mittels. Außerdem können wir ein starkes Verlangen nach Obst und saftigen, erfrischenden Dingen beobachten.

Auf der Gemütsebene sind diese Patienten stark erregt. Sie können nicht schlafen, die Gedanken sind unruhig und drehen sich im Kreis. Immerhin gehört China zu den Rubiaceae, der Coffea-Familie. Es sind die hartnäckigen Gedanken, Ideen und Pläne, die den Patienten nicht schlafen lassen.

China gehört zum Malaria-Miasma, deswegen die Periodizität und Schwäche, begleitet von dem Gefühl, großes Pech zu haben. Sie fragen sich „Warum ich?“, „Warum trifft es immer mich?“. Das ist einer der Gemütszustände von China.

Ein China-Patient könnte zum Beispiel fragen „Warum habe ich mich mit COVID infiziert und andere nicht?“ „Warum habe ich immer so viel Pech und Unglück?“ „Ich habe wirklich viel Pech, ständig werde ich geplagt und muss mich herumärgern.“ Dieser innere Zustand - von etwas geplagt zu werden – kann eine wichtige Indikation für China sein. Auch in der Rubrik Gemüt – Wahnideen – verfolgt zu werden spiegelt sich das Gefühl wider, vom Pech verfolgt und behindert zu werden.

Die Hauptindikationen für Gelsemium sind Benommenheit und Durstlosigkeit. Auch gibt es hier einen Aspekt von Schock oder schlechten Nachrichten. Der Patient sagt zum Beispiel: „Ich war geschockt, als ich den Bericht las.“ Dieses Gefühl von Schock und Überraschung lässt sich auf die Tatsache zurückführen, dass Gelsemium wie Ignatia zu der botanischen Familie der Loganiaceae gehört. Das Hauptthema der Loganiaceae ist plötzliches Überrasch-werden und Schock.

Diese Arzneimittel sind am häufigsten indiziert und werden auch am meisten verordnet.


Interessanterweise hat sich bei den COVID-Erkrankungen gezeigt, dass während der akuten Infektion nicht selten das Konstitutionsmittel gegeben werden muss. Dieser Aspekt soll anhand der folgenden Fallbeispiele verdeutlicht werden.

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Fallbeispiel 6: Rollentausch eines Arztes

In diesem Fallbeispiel geht es um einen 26-jährigen Patienten, Arzt von Beruf, der von unserem Ärzteteam zu seinen Symptomen befragt wurde. Er begann mit folgender Aussage: „Ich mache gern Kampfsport und mag Bruce Lee; ich halte mich gern fit und trainiere jeden Tag eine Stunde; ich lasse jemanden auf meinem Bauch stehen, damit ich fit werde. Auch wenn ich von fünf Leuten gleichzeitig angegriffen werde, macht mir das nichts aus; ich kann fünf Räuber gleichzeitig in die Flucht schlagen.“

Eigentlich hatten wir den Patienten nach seiner COVID-Erkrankung und seinen Symptomen gefragt, er aber sprach über etwas ganz anderes, also ist es auch für die Fallanalyse von Bedeutung.

Selbst während einer COVID-Infektion denkt er an Kampfsport. In diesem Zusammenhang sagt er: „An einem Tag habe ich mehr trainiert, vielleicht habe ich deswegen eine Schwellung an den Oberschenkeln bekommen, danach musste ich mich heftig übergeben. Ich konnte noch nicht einmal Wasser trinken. Ich musste alle zwei Stunden erbrechen und konnte nichts bei mir behalten. Es fühlte sich an, als würde ich meine Eingeweide erbrechen. Als hätte ich Knoten in meinen Eingeweiden.“

Das ist merkwürdig und interessant. Wir versuchen zu verstehen, was das Auffallende an COVID ist. Die Beschwerden dieses Patienten äußern sich als Knoten in den Eingeweiden, heftigem Erbrechen, als würden seine Eingeweide dabei herauskommen, fast als gäbe es da einen heftigen Krampf, der die Eingeweide herausdrückt.

Dann erzählte er von sich selbst und erwähnte, dass Obama und Abdul Khan seine großen Vorbilder seien, weil man sich an diese auch noch nach ihrem Tod erinnern wird. Er hätte auch gern, dass die Leute nach seinem Tod an ihn denken und ihn als Mann in Erinnerung behalten, der etwas Gutes geleistet hat. Dann sprach er über den Irak und Syrien, die eigentlich nicht bombardiert werden dürften, weil dabei unschuldige Menschen sterben.

Es war ihm wichtig, dass man ihn als guten Menschen in Erinnerung behält, als Mann mit einem guten Namen, der Gutes tut und dafür respektiert wird. Hier wird deutlich, dass der Patient über Leistung spricht. Er muss Gutes leisten, damit sich die Menschen an ihn erinnern. Die Themen, mit denen er sich beschäftigt, sind: angegriffen werden, Kraft und Stärke aufbauen, seine Fähigkeiten im Kampfsport auszubauen und Leistung. Diese Themen gehören zum Mineralreich.

Bei diesem Patienten dreht sich alles um die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten, es geht um Angriff und Verteidigung, um die Krämpfe und um den Knoten in den Eingeweiden. Wenn wir diese Suchbegriffe bei Reference Works eingeben als ‚Knoten nicht mehr als drei Worte entfernt von Eingeweide, angegriffen nicht mehr als drei Worte entfernt von Wahnidee (das grundlegende Gefühl ist angegriffen zu werden), im selbem Arzneimittel wie Knoten in den Eingeweiden (die Empfindung, Koten in den Eingeweiden zu haben)‘ , dann stoßen wir auf das Arzneimittel Cuprum metallicum.

‚Knoten nicht mehr als drei Worte entfernt von Eingeweide, im selbem Arzneimittel wie angegriffen, nicht mehr als drei Worte entfernt von Wahnidee (2): cann-i., Cupr.

Cuprum ist eine Arznei, die bei heftigen Krämpfen gegeben wird. Alles ist von Krämpfen gezeichnet: Muskelkrämpfe, Epilepsie, Erbrechen; alles ist heftig und tritt in Krämpfen auf, das Hauptsymptom dieses Patienten. Ihm wurde das Mittel Cuprum metallicum verordnet und er reagierte sehr gut auf die Arznei.

In diesem Fall kann man auch in der Narrative der akuten COVID-Erkrankung den Grundzustand des Patienten erkennen: Die akuten Symptome, die sich wie Knoten in den Eingeweiden anfühlen und die heftigen Krämpfe mit Erbrechen, die auf Cuprum und das Mineralreich hindeuten. Cuprum passt zu diesem Mann – er macht Kampfsport, weil er glaubt, dass er jederzeit und plötzlich angegriffen werden könnte und in der Lage sein muss, sich zu verteidigen.

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Fallbeispiel 7: Appetitverlust eines Pfegehelfers

Dieser Fall handelt von einem 36 Jahre alten Patienten, einem Pflegehelfer im Krankenhaus, der positiv auf COVID getestet wurde. Sein Hauptsymptom war ein vollständiger Appetitverlust. Normalerweise hat er vormittags zwischen zehn und elf Uhr Hunger, aber im Moment kann er überhaupt nichts essen.

Er fühlte sich schwach und fiebrig, mit Hitze in den Fußsohlen und in der Stirn. Er isst gerne Milchprodukte. Bevor er krank wurde, aß er 1 kg Quark in der Woche. Auch Lassi (ein traditionelles Getränk aus Joghurt und Buttermilch) trank er gern. Er verzehrte viele fettige Milchprodukte: Sahne, Milcheis, Buttermilch mit Sahne und Jaggery (indischer Vollrohrzucker, Anm. d. Ü.). Er konnte sieben Gläser Trinkjoghurt auf einmal trinken.

Er machte sich große Sorgen um seine Familie. Aus der Fallaufnahme erfahren wir, dass er ein äußerst großes Verlangen nach Milch und Milchprodukten hat, müssen aber auch verstehen, dass es sich hier nicht um ein akutes Symptom handelt, sondern dieses Verlangen schon immer da war. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Patient sein Konstitutionsmittel braucht und keine Arznei, die spezifisch ist für den akuten Zustand. Weiter berichtete der Patient, dass sein Vater einen Unfall gehabt habe und bewusstlos auf der Intensivstation läge.

Er sollte sich um seine Mutter und Schwester kümmern. Ihm war nach Weinen zumute, aber er konnte seine Gefühle nicht ausdrücken, weil er sich verantwortlich fühlte und seine Emotionen unter Kontrolle haben wollte. In seiner Trauer wurde er krank, bekam einen Schnupfen und Kopfschmerzen. Er hatte die Hoffnung verloren und dachte, sein Vater müsse sterben.

Beim Erzählen kamen ihm die Tränen und er begann zu weinen. Auch seine Großmutter war nicht gesund und er glaubte, sie würde bald sterben. Er wurde sehr emotional und weinte. Wir können also sehen, dass es sich hier um einen sehr sensiblen und emotionalen Menschen handelt, der aber wegen seines großen Pflichtgefühls seinen Kummer nicht zum Ausdruck bringen kann.

Er erwähnte auch, dass er eine Affäre mit einer Frau habe, obwohl beide verheiratet seien. Er machte sich Sorgen um seinen guten Ruf in der Gesellschaft. Er berichtete: „Ich habe keine Angst davor, dass mich jemand verprügeln könnte - darum mache ich mir keine Gedanken. Aber wenn ich diese Angst spüre, fangen meine Beine an zu zittern. Wenn ich mich streite, ist es meist, weil ich mich für andere Leute einsetze. Wissen Sie, in der Firma, für die ich arbeite, hat sich ein Angestellter umgebracht. Sie haben versucht, es zu vertuschen, aber ich habe mich dagegen gewehrt.“

Gleichzeitig wollte er fit sein und ging regelmäßig ins Fitnessstudio. So weit also die Beschreibung seiner Symptome und seines Gemütszustandes. Wenn wir den Fall analysieren, können wir sehen, dass dieser Mann sehr sensibel ist, ein starkes Pflichtgefühl besitzt, ein großes Verlangen nach Milch und Milchprodukten hat und seinen Kummer unterdrückt.

Er will sich wehren, ist aber sehr sensibel; er gerät leicht in Verlegenheit und sorgt sich um seinen Ruf. Das wurde sehr deutlich, als er uns von seiner Affäre erzählte und sagte, er mache sich Sorgen darum, was passieren würde, wenn die Beziehung ans Tageslicht käme.

Wir entschieden uns für die Rubriken Milch, Verlangen nach; Gemüt - Streitsüchtig; Gemüt – Weinen – Weint leicht; Zittern; Gemüt - Empfindlich Ungerechtigkeit, Gemüt – Mitgefühl, Mitleid; Gemüt – Beschwerden – Verlegenheit, durch; Gemüt – Pflicht – zu viel Pflichtgefühl; Extremitäten – Zittern – Beine – Angst, bei.

Ignatia steht hier an erster Stelle. Ignatia ist eine Arznei aus dem Pflanzenreich. Diese Menschen sind sehr sensibel und halten viel stillen Kummer zurück. Gleichzeitig haben sie ein großes Pflichtgefühl und übernehmen viel Verantwortung.

Dem Patienten wurde Ignatia verordnet, weil es keinen großen Unterschied zwischen seinem akuten und chronischen Zustand gab. Er nahm das Mittel in der Potenzierung C200 ein.

Als nächstes möchte ich über die Ebene der sehr ernsten und schweren Fälle schreiben. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir nur asymptomatische Fälle besprochen oder Patienten, bei denen die typischen Symptome dieser Pandemie im Vordergrund standen, wie z.B. Schwäche, heftige und plötzliche Symptome, entweder begleitet von einem Gefühl der Panik und Angst oder Gelassenheit und Heiterkeit. Alle Fälle sprachen gut auf Camphora an.

Auf der zweiten Ebene haben wir akute Zustände, bei denen wir die Gesamtheit aller akuten Symptome aufnehmen müssen und über diese Symptome zum Arzneimittel gelangen. Die Mittel, die auf dieser Ebene häufig angezeigt waren, sind Arsenicum, Bryonia, China, Gelsemium und Camphora.

In wenigen anderen Fällen haben uns die wahlanzeigenden Symptome der Patienten zum Konstitutionsmittel geführt: der Gemütszustand, seine Konstitution, die Allgemeinsymptome, Verlangen und Abneigungen. Bei diesen Patienten müssen wir das entsprechende Konstitutionsmittel verordnen, weil es keine auffallenden, bemerkenswerten Akutsymptome gibt und auch die typischen Symptome der Pandemie nicht hervorstechen. So müssen wir an diese Fälle herangehen.

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Schwere Krankheitsverläufe

Ich habe nicht viel Erfahrung mit ernsten, schweren Fällen, also mit Patienten, deren Sauerstoffsättigung bei weniger als 90 liegt oder die beatmet werden müssen. Unter den wenigen Fällen, die ich behandelt habe, möchte ich einen hier besonders hervorheben.

Fallbeispiel 1: Künstliche Beatmung einer 70-jährigen Patientin

Es handelt sich um eine 70-jährige Patientin, die beatmet werden musste. Sie hatte Atemnot, war sehr schwach und konnte nicht mehr aus dem Bett aufstehen. Sie klagte über Brennen an den Handinnenflächen und im Magen. Sie schwitzte am ganzen Körper und hatte ruhelose Beine. Aufgrund der Schwäche hatte sie große Atemnot und sie konnte nicht einmal aufrecht sitzen.

Außerdem litt sie unter Erbrechen mit bitterem Geschmack im Mund und sie war untergewichtig. Sie erwähnte, dass sie verwirrt sei und nicht wusste, wo sie war. Sie konnte nicht sagen, ob sie sich auf dem Boden (im Gegensatz zu schweben; Anm. d. Ü.) befand oder irgendwo anders. Ihr Mund war trocken und sie hatte wenig Durst.

Die Patientin war sehr besorgt um ihre Enkelkinder. Je stärker die Schwäche und der Schwindel wurden, desto schneller wurde ihre Atemfrequenz. Sie verlangte an einem kalten Tuch für ihre Fußsohlen und Handflächen, damit das Brennen endlich aufhöre. Wir gaben ihr Camphora 10M, eine Gabe alle sechs Stunden. Die große Schwäche gepaart mit dem Verlangen nach etwas Kaltem für die Extremitäten ist eine gute Indikation für Camphora. Die Patientin erholte sich gut und wurde weiter im Krankenhaus behandelt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der individuellen Verschreibung ist, dass man immer wachsam sein sollte. Der Zustand des Patienten kann sich verändern und damit auch die Indikation für die passende Arznei. Unter Umständen muss man die Verschreibung anpassen und ein neues Mittel geben. Ich möchte an dieser Stelle einen Fall vorstellen, in dem wir der Patientin Camphora, Arsenicum und China gaben.

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Fallbeispiel 2: Schweißausbrüche

Der Fall einer 26 Jahre alten Frau, die positiv auf COVID getestet wurde und seit zehn Tagen Krankheitssymptome hatte. Sie hatte in unserem Bürogebäude einige Termine gehabt, als sie sich müde fühlte und selbst bei der kleinsten Anstrengung in Schweiß ausbrach. Sie war sogar in Ohnmacht gefallen, fühlte sich schwach und bekam nach diesem Vorfall Herzrasen und ein niedrig-gradiges Fieber.

Die Frau wurde mit Verdacht auf eine Harnwegsinfektion ins Krankenhaus gebracht, es stellte sich aber heraus, dass sie COVID-positiv war. Sie fühlte sich nicht gut und verstand nicht, was mit ihr geschah. Auch ihr Vater war krank. Sie fragte sich, „warum das ausgerechnet mir passieren musste?“.

Als erstes wurde der Patientin Camphora verordnet, wegen der Schwäche und den für die Pandemie typischen Symptomen. Beim Follow up am nächsten Tag hatte sich ihr Zustand weder sonderlich verändert noch konnten wir eine Besserung feststellen. Wenn das verabreichte Mittel nichts bewirkt, sollte man den Fall noch einmal überdenken.

In der Homöopathie gibt es kein Wundermittel für alles oder eine Arznei, die jede Krankheit heilen kann. Camphora ist eine nützliche Arznei, passt aber nicht in jedem Fall. Wenn sich die Symptome ändern und wir keine Besserung erkennen können, müssen wir ein anderes Mittel geben. Diese Patientin wurde immer schwächer und begann, Wasser in kleinen Schlucken zu trinken. Außerdem sorgte sie sich um die Gesundheit ihres Vaters und um ihre eigene. Ihre Sauerstoffsättigung änderte sich und sie wurde sehr ängstlich deswegen. Es waren gute Indikationen für Arsenicum und das Mittel wurde alle sechs Stunden gegeben.

Am nächsten Tag ging es ihr sehr viel besser. Sie war weniger nervös, hatte gut geschlafen und fühlte sich kräftiger. Sie war zuversichtlich und hatte nicht mehr so viel Angst. Auch der Husten war besser geworden. Wir gaben ihr weiterhin Arsenicum album 1M.

Dann passierte etwas Merkwürdiges. Ich hatte die Patienten darum gebeten, mir zu berichten, wie sie sich fühlte. Anstatt zu sagen, dass sie sich besser fühlte, sagte sie nur, dass alles in Ordnung sei, sie aber erst spät eingeschlafen wäre. Sie sei bis vier oder fünf Uhr morgens wach gelegen und habe über die Zukunft nachgedacht und Pläne geschmiedet.

Ich hakte nach und bat sie mehr über sich selbst zu erzählen. Die Patientin berichtete, dass sie sehr kreativ sei und gerne Bücher schrieb. Mir wurde klar, dass die Patientin China brauchte und nicht Arsenicum. Wir baten die Patientin, das Arsenicum abzusetzen und China einzunehmen, weil die ängstliche Nervosität von Arsenicum nicht mehr vorhanden war. Dafür aber die unruhigen Gedanken und Erregtheit von China.

Die Patientin weigerte sich und sagte, sie wolle lieber Arsenicum einnehmen, es würde ihr besser damit gehen. Ich musste mit viel Nachdruck insistieren und schließlich willigte sie ein. Die Indikationen für Arsenicum waren einfach nicht mehr da, das Symptombild entsprach jetzt China.

Wenn die Indikationen für eine Arznei nicht mehr da sind, müssen wir ein anderes Mittel geben, auch wenn es dem Patienten besser geht. Wir müssen immer nach dem Ist-Zustand verordnen.

Nach der Einnahme von China kam am nächsten Tag die nervöse Ängstlichkeit zurück. Die Patientin sagte, sie hätte lieber wieder Arsenicum eingenommen. Sie sagt: „Mir ging es gut, aber Sie haben die Arznei abgesetzt.“ Auf der psychologischen Ebene zeigte sich wieder die Angst, aber ich gab der Patientin weiterhin China, weil ich gesehen hatte, dass China von der Konstitution her besser zu ihr passte.

Am nächsten Tag fühlte sie sich besser und war wieder so wie vorher. In diesen Fällen müssen wir sehr aufmerksam sein. Wenn es dem Patienten nicht besser geht, müssen wir eine andere Arznei geben. Aber auch, wenn der Patient Fortschritte macht und sich die Symptome ändern, sollten wir ein neues Mittel geben, weil sich der Zustand des Patienten geändert hat.

Potenzierungsstufe und wiederholte Gabe der Arznei

  • Wenn die Emotionen und die Lokalsymptome im Vordergrund stehen, sollten wir die Potenzierungsstufe C200 geben.
  • Liegt die Betonung auf den Allgemeinsymptomen, dem Gemütszustand und den Träumen, sollten wir uns für die 1M entscheiden.
  • Bei sehr heftigen, intensiven Symptomen, zum Beispiel bei großer Schwäche oder anderen heftigen Symptomen, zeigen sich Energie- und Empfindungsebene. In diesen Fällen ist die 10M angezeigt.
  • Was die wiederholte Gabe einer Arznei betrifft, kommt es auf die Intensität des Falles an. Normalerweise gebe ich ein Mittel zweimal täglich, bei heftigen Zuständen auch dreimal täglich. In akuten Situationen lasse ich das Mittel alle drei Stunden einnehmen. Anschließend schleichen wir das Arzneimittel aus und setzen es ganz ab, sobald die Symptome rückläufig sind. Den Patienten geben wir anschließend meist noch ein Placebo.

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Quelle: https://hpathy.com/homeopathy-papers/treating-covid-19-with-homoeopathy/

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