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Darmsanierung bei Hunden und Katzen in 5 Schritten

Eva Fürnschuß 17.02.25
Aktuelles
- Minuten

Abbildung 1: Gesunde und zufriedene Haustiere manchen ihre Menschen glücklich. Auch bei Hunden und Katzen trägt der Darm viel zur allgemeinen Gesundheit bei.

Der Darm ist der Schlüssel zur Gesundheit – bei Menschen und Tieren. Unsere vierbeinigen Begleiter leiden jedoch häufig an Verdauungsstörungen, werden antibiotisch behandelt oder erkranken an chronischen, degenerativen Beschwerden. Akute und chronische Krankheiten bei Hunden und Katzen sind in den meisten Fällen auf einen ungesunden Darm zurückzuführen. Ist die natürliche Darmflora einmal aus dem Gleichgewicht gekommen, kann eine Darmsanierung helfen. Ziel einer Darmsanierung ist es

  • die Darmschleimhaut zu regenerieren
  • Allergien und Autoimmunerkrankungen vorzubeugen
  • Entzündungsprozesse einzudämmen, innerlich wie äußerlich, z.B. an Ohren und Haut
  • das Immunsystem zu unterstützen
  • bei chronischen Magen-Darm-Leiden das Gleichgewicht unter den Darmbakterien wiederherzustellen, z.B. nach einer Antibiotikagabe

Die Übergänge zwischen den einzelnen Schritten sind hier fließend, da die Wirkung der empfohlenen Mittel auch immer abhängig ist von den individuellen Umständen.

Schritt 1: Darmreinigung

Die grobe Reinigung des Darmes ist der erste Schritt einer Darmsanierung. Zum Glück leiden die wenigsten Tiere an Verstopfung, darum kann man einen regelmäßigen Stuhlgang voraussetzen. Dennoch lagern sich Schlacken, Schwermetalle und Essensreste in den Darmtaschen ab. Gute und günstige Abhilfe schafft man hier mit Sauerkraut. Katzen lieben es leider nicht so wie Hunde, aber selten ein Hund, der kein Sauerkraut mag. Man kann es ungewaschen in kleinen Mengen zum normalen Futter beimengen. Ich gebe einem 30 kg schweren Hund bis zu 200 g Sauerkraut pro Tag. Kleineren Tiere entsprechend weniger.

Ballaststoffe sind für Fleischfresser elementar. Eingeweichte Flohsamenschalen helfen den Darmbewegungen (auch Darmperistaltik genannt), regenerieren die Schleimhaut und sind essenziell als Präbiotika zur Wiederherstellung der Darmbakterien. Man sollte sie vorher aufweichen, der Richtwert ist ca. ½ TL täglich bei 10 kg Körpergewicht, aufgeteilt auf jede Futterration.

Schritt 2: Entpilzung

Abbildung 2: Bentonit kann zur Entpilzung der Darmschleimhaut eingesetzt werden. Das Vulkanmineral ist auch für Hunde und Katzen wohltuend.

Bei chronischen entzündlichen Prozessen an Haut und Pfoten der Tiere sind sehr häufig Pilze mit im Spiel! Leider fallen die Tests hier oft falsch negativ aus, darum darf man sich nicht darauf verlassen! Für einen erfahrenen Therapeuten/Arzt ist dies eine Blickdiagnose. Da 70% der Pilzüberwucherung (meist ist es ein Hefepilz – Candida) im Darm stattfindet, helfen äußerliche-lokale Behandlungen zumindest nicht nachhaltig.

Entpilzung des Körpers ist nur möglich, wenn der Pilz nicht mehr weiter ernährt wird: Das ist leider der Fall, wenn jegliche Art von Zucker gefüttert wird. Leider sind sowohl in Kartoffeln, Karotten als auch Erbsenproteinen bereits zu viele Kohlenhydrate vorhanden, sodass die Hefe weiter am Leben bleibt. Eine Kur mit Futter- oder Aktivkohle, Bentonit , Myrrhe, Aloe Vera Pulver, Pau d’arco individuell eingesetzt schafft hier gute Abhilfe. Aktivkohle wirkt stärker und bindet mehr als die Futterkohle. Das sollte bei der Anwendung berücksichtigt werden. Die Dosis entspricht bei einem 30 kg Hund mit relativ starken Symptomen mindestens der Dosierung beim Menschen, also je Produkt ca. 2x täglich 500 mg oder mehr. Für kleinere Hunde muss die Dosierung entsprechend umgerechnet werden.

Bei Katzen muss man vorsichtiger beginnen und gibt die geschmacksneutraleren Varianten als erstes. Auch homöopathische Candida-Tropfen haben sich bewährt! Ich verwende in der Regel Pulver oder Kapseln und kombiniere gerne mehrere Nahrungsergänzungsmittel. Man kann davon ruhig alles gemeinsam ins Futter geben.

Mit Nystatin (ein schulmedizinisches Antimykotikum) habe ich leider noch nie einen nachhaltigen Erfolg verbuchen können. Selbstverständlich trägt jede einzelne Antibiotika Gabe zu einer neuen Verpilzung bei.

Ist die Pilzerkrankung hartnäckig, kann es sowohl an psychischen Ursachen, Übersäuerung oder auch an einer Leberbelastungen liegen. Chlorophyll-Tropfen wirken hier wie ein Katalysator, der die Pilz-Kur oft erst in Gang bringt.

Schritt 3: Leberstoffwechsel beachten!

Da die Leber Galle produziert und diese in den Darm fließt, kann es bei einer Gallen-Malabsorptionsstörung bzw. einem Gallensäureverlustsyndrom zu leichten „Verätzungen“ („Mir kommt die Galle hoch“) kommen. Die beste Darmsanierung wird nicht fruchten, wenn man nicht gleichzeitig dieses Problem behebt. Psyche, zu fettes Essen (Trockenfutter! Leckerlis! Falsches BARF) und chemische Medikamente belasten diesen Prozess. Die Gabe von Bitterstoffen, Taurin und/oder Vitamin B sind Pflicht bei jeglichen Gallenthemen wie Erbrechen, zweifärbiger Kot, Gallenschleim/-sludge oder widerkehrenden Koliken.

Bitterkräuter für Tiere sind zum Beispiel Löwenzahn(-saft), den nehmen auch heikle Hunde und Katzen. Eine Mischung aus Wermut, Enzian und Tausendgüldenkraut (mindestens 500 mg täglich pro 30 kg Körpergewicht) schmeckt intensiv, ist aber oft notwendig. Beim Artischocken-Extrakt kann man für je 10 kg Körpergewicht bis zu 320 mg täglich verabreichen. Bei Wermut und Enzian - den bittersten Stoffe überhaupt - gebe ich nicht mehr als ca. 30 mg pro 20 kg Körpergewicht und Tag. Bei Katzen würde ich das nur in Ausnahmefällen empfehlen, und nur in geschlossenen Kapseln, da sie sonst sehr speicheln.

Im Zweifel macht man hier eine Stuhlanalyse, um diese Störung richtig zu diagnostizieren.

Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO) findet aufgrund dieser Problematik statt, Pankreasprobleme gehen mit der Gallenproblematik Hand in Hand und können auch nur so gelöst werden!

Veränderung (sowohl erhöht als auch erniedrigt) vor allem des ALP-Wertes im Blut kann ein Hinweis auf dieses Syndrom sein!

Schritt 4: Schleimhautaufbau

Erst nach diesen Schritten macht ein Schleimhautaufbau überhaupt Sinn. Stuhlanalysen können den Grad der Veränderung in der Darmschleimhaut aufzeigen. Zonulin-Wert, Darmspezifisches IgA und auch E. coli-Keime sind Parameter, die im Labor nicht erhöht sein sollten. Kommt es zu winzig kleinen Löchern im Darm, gelangen Kotreste in die Blutbahn und Juckreiz, Autoimmunerkrankungen, Rheuma etc. entstehen.

Umgekehrt sind eine Regeneration und Behandlung der Darmschleimhaut bei allen langwierigen Krankheiten sinnvoll. Glutamin, Huminsäure, Aloe Vera und E. Coli-Produkte aus der Humanmedizin (z.B. Synerga, Colibiogen, Symbioflor) schaffen Abhilfe. Generell kann gesagt werden, dass man sich an der auf der Verpackung angegebenen Dosierung für Menschen orientieren kann, das sind mindestens 1ml 1x täglich pro Tier und Tag. Meist steigert man auf mindestens 2x täglich 1-3 ml. Auch bei Katzen! Allerdings muss dies über einige Monate verabreicht werden, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen, nach dem Motto: Je länger, desto besser!

Kollagen ist nicht nur für Gelenke, sondern auch für die Elastizität des Darmes wichtig.

Heilpilze wie Hericium und Chaga in Extraktform (!) gegeben, können zusätzlich wunderbar unterstützen. Die Dosierung sollte nicht zu sehr von der des Menschen abweichen, da die Tiere einen sehr hohen Stoffwechsel haben und eher höhere Dosis brauchen. Dies gilt nicht nur für Heilpilze, sondern in der Regel auch für andere Nahrungsergänzungsmittel. Empfohlen wird, dass man immer mit einer kleinen Menge beginnt, diese aber bis zum gewünschten Erfolg steigert!

Wir messen auch immer den Folsäurespiegel, um dieses wichtige Vitamin B für den Darm zu verabreichen. Eine Injektionskur oder orale Tropfen führen schnell zu einer Verbesserung. Lebensmittel alleine können einen Mangel nicht aufheben.

Schritt 5: Bakterienaufbau

Abbildung 3: Mit den richtigen Bakterien kann eine robuste und gesunde Darmflora aufgebaut werden.

Es gibt hunderte Bakterienarten im Darm, die alle unterschiedliche Funktionen haben. Sie sind nicht nur für die Verdauung wichtig, sondern vor allem auch für ein gesundes Immunsystem und die Psyche! Es ist erwiesen, dass Stress das Darmmilieu innerhalb von Tagen komplett verändern kann! Falsche, nicht artgerechte Ernährung, Antibiotika und sogar zu viele Trockenartikel schädigen das Mikrobiom längerfristig. Ein Teufelskreis beginnt.

Umgekehrt hat es sich bewährt, eine breite Palette an guten Darmbakterien auch über Monate zu verabreichen. Leider genügen nicht nur 1-2 unterschiedliche Bakterienstämme, sondern es sollten verschiedenste Lacto- und Bifidobakterien sein, außerdem sind auch der Enterococcus und gute E. coli wichtig. Gute Erfahrungen habe ich mit Symbioflor, Enteroferment und Bioflair gemacht.  

Fermentierte Produkte können ebenso zugezogen werden, werden aber leider zum Teil im Magen zerstört. Die Gabe sollte auch bei den Tieren daher nüchtern und unabhängig von der Mahlzeit stattfinden.

Von Produkten mit Inulin oder Dextrin würde ich eher abraten, viele Hunde und Katzen bekommen davon Bauchschmerzen.

Mögliche Heilungshindernisse

Übersäuerung und zu schwache Entgiftung, psychische Einschränkungen, die zu Stress oder/ und Ärger führen, können den Heilungsverlauf beeinträchtigen. Im Zweifel kann man den Cortisol- und Vitamin B 12-Spiegel des Tieres messen und objektiver sehen, inwiefern der Vierbeiner doch „gestresst“ ist.

Entsäuerung mit Natron unabhängig von den Mahlzeiten verdrängt Pilze und stabilisiert die Körperphysiologie. Hier reicht eine kleine Messerspitze direkt in die Mundschleimhaut. Man sollte es nicht zum Futter geben!

Man kann diese Schritte immer wieder von oben nach unten und auch umgekehrt wiederholen, oft wirken manche Produkte erst in der zweiten Runde besonders gut.

Fazit

Der Prozess erfordert Zeit und Geduld. Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut, aber in Wahrheit ist dies die einzig nachhaltige Möglichkeit, um ihren vierbeinigen Liebling von chronischen Krankheiten zu heilen. Eine artgerechte, individuell abgestimmte Ernährung ist zu diesem Programm elementar für einen Erfolg! Trockenfutter schädigt den Darm und die beste Darmsanierung kann hier nichts ausrichten.

Biografisches

Geboren in Graz und am Land neben einem Bauernhof aufgewachsen, wurde Eva Fürnschuß schon als Kind durch ihre kräuterkundige Großmutter und Mutter mit der Naturheilkunde vertraut. Zu ihren Lieblingsbüchern gehörten die über Tiere und die Apotheke aus der Natur. Während ihres Tiermedizinstudiums in Wien absolvierte sie zusätzlich eine intensive Ausbildung in klassischer Homöopathie. Im Rahmen zahlreicher Auslandsaufenthalte in Kanada und Schottland konnte sie neue Blickwinkel in der Veterinärmedizin und des BARFs kennenlernen. Über ein Fernstudium kam eine TCVM-Ausbildung am Qi-Institut in Florida hinzu, zudem ein Akupunktur-Kursus in Deutschland. Später tauchte sie in die Welt der Vitalpilze und der Orthomolekular ein. In ihrer tierärztlichen Praxis arbeitet Eva Fürnschuß seit gut 15 Jahren mit einer individuellen Auswahl aus all diesen Methoden. Zusammen mit einer gesunden Ernährung ist dies sicher das Geheimrezept erfolgreicher und nachhaltig positiver Therapien.

Eva Fürnschuß lebt mit ihrer Familie, drei Menschenkindern und 14 tierischen Schützlingen in der schönen Steiermark in Österreich.


VET Alternative - Ganzheitliche Tierärztin Mag.a Eva Fürnschuß


Abbildung 1: New Africa/shutterstock.com ; Abbildung 2: Iryna Mylinska/shutterstock.com ; Abbildung 3: Choksawatdikorn/shutterstock.com


17.02.2025

Eva Fürnschuß