Der Fisch, das unbekannte Wesen? Tatsächlich leben 32.000 Arten von Fischen weltweit auf zwei Dritteln der Erdoberfläche in 1,4 Billion Liter Wasser. Die meisten von ihnen schwimmen im Salzwasser der Meere und Ozeane. Süßwasser macht gerade mal 0,3 Prozent der weltweiten Wassermenge aus. In der Homöopathie kennen wir Meeresmittel von wirbellosen Tieren wie Sepia, Asterias oder Spongia schon lange. Arzneien aus der der Wirbeltierklasse der Fische sind noch weitgehend unbekannt. Unsere Autoren haben deshalb in den letzten Jahren in Meeren und Flüssen ihre Netze ausgeworfen und präsentieren in dieser SPEKTRUM-Ausgabe ihren Fang.
Einer der Pioniere der Fischmittel, Louis Klein, wurde auf diese Gruppe aufmerksam, als er nach homöopathischen Behandlungsmöglichkeiten der Demenz suchte. Diese Pathologie ist typisch für die Creutzfeld-Jakob-Krankheit, die durch den Rinderwahn allgemein bekannt wurde und die in Zusammenhang mit kannibalischer Ernährungsweise steht. Rinder waren mit Rindermehl gefüttert worden, die meisten Fische fressen ihres gleichen. Klein fand heraus, dass sich bestimmte Fischarzneien tatsächlich bei demenziellen Erkrankungen bewährt haben. HomöopathInnen auf der ganzen Welt schlossen sich Kleins Forschungsarbeiten an und begannen, mit Prüfungen und klinischen Erprobungen mehr über die Arzneien der Wirbeltiere aus dem Wasser zu erfahren.
Ein entscheidender Impuls ging dabei von der Homöopathin Viktória Németh (früher Bodrogi) und ihrem Buch „Wasserwelt“ aus, in dem sie auch versuchte, die Fischgruppen voneinander zu differenzieren. Ihren Erkenntnissen folgten Jonathan Hardy und Annette Sneevliet mit ihren Arbeiten. Diese HomöopathInnen bieten in ihren exzellent strukturierten Beiträgen einen sehr lehrreichen Überblick, belegt mit gut dokumentierten Fällen, die uns helfen, u. a. Raub- und Beutefische, Einzelgänger und Schwarmfische, Wander- und Bodenfische voneinander zu unterscheiden.
Es erschien uns homöopathisch sinnvoll, die Fische in diesem Heft nach klinischen Themen zu strukturieren. Nach den Übersichtsarbeiten von Hardy, Sneevliet und Németh/Petrucci liegt der Fokus auf dem Thema der Isolation mit den Krankheitsbildern von Demenz und Autismus. Es folgen Kasuistiken mit einem psychologischen Schwerpunkt wie Burnout, Panik, Depression und Zwangsstörung. Komplettiert wird der Fischfang von HomöopathInnen, deren PatientInnen an Gelenk-, Muskel- oder Bauchschmerzen und an Hautproblemen litten.
Etliche LeserInnen werden sich vielleicht an den Familienfilm „Findet Nemo“ erinnern. Dieser Blockbuster aus dem Jahr 2003 wurde sicher nicht von HomöopathInnen erdacht. Aber anscheinend haben seine Macher in ihrem kollektiven Bewusstsein bestimmte Fischarten bereits mit ihren typischen Charaktermerkmalen intuitiv erfasst. Der gefährlich rücksichtslose Barrakuda Raubfisch lässt sich ebenso in unserem entsprechenden Beitrag erkennen, wie der von ihm bedrohte kleine Clownfisch Nemo in seiner naiven Glückseligkeit. Das gleiche gilt für die unter Gedächtnisproblemen (!) leidende Tante Dorie, ein Doktorfisch, der auf den hinterhältigen, scheinheiligen und zynischen (!) Hai namens Bruce trifft, der vorgibt, mit den Bruderhaien Hammer und Hart eine Vegetarier-Selbsthilfegruppe gegründet zu haben. Sein ungebrochener Appetit auf Fischfleisch entlarvt Bruce jedoch als arglistigen Lügner.
Die unglaubliche, bunte und faszinierende Vielfalt der Unterwassertierwelt garantiert jedenfalls Spannung und Vergnügen beim Lernen.