Diese SPEKTRUM-Ausgabe zum Thema „Neurologische Krankheiten“ wird von der Corona-Krise überlagert, einem Thema, das uns derzeit alle ständig beschäftigt und unser Leben dominiert. Die Krankheit Covid-19 steht dabei für kollektive Unsicherheit, existenzielle Bedrohung und Angst, ausgelöst durch das Fehlen einer wirksamen Behandlung. Ein derartiger Therapienotstand verbindet die beiden Themen dieses Heftes, das unweigerlich von Sars-CoV-2 mit infiziert wurde.
Mit der Neurologie steht in diesem Heft ein Fachgebiet im Fokus, das eine exzellente Diagnostik mit oft unbefriedigenden therapeutischen Optionen verbindet. Viele Erkrankungen des Nervensystems lassen sich gar nicht behandeln, bei anderen geht die medikamentöse Therapie – wie beispielsweise bei der Epilepsie – mit Nebenwirkungen einher, die das Leben erheblich beeinträchtigen können. Die Behandlung verschiedener Formen der Epilepsie, vor allem bei Kindern, gehört deshalb auch zu den dankbaren Aufgaben für HomöopathInnen. In vielen Fällen sind Anfallsleiden mit Entwicklungsverzögerungen verbunden. Unter der homöopathischen Behandlung werden dann Schritte in der Entwicklung nachgeholt, selbst wenn schwere kombinierte Störungen des zentralen Nervensystems vorliegen. Ähnlich gute Erfolge wie bei Anfallsleiden und Entwicklungsstörungen verzeichnet die Homöopathie in vielen Fällen von Multipler Sklerose. Daneben stellen die internationalen Autoren auch Fallbeispiele zur Behandlung von Patienten vor, die mit hartnäckigen Neuralgien, massiven Empfindungsstörungen und neurodegenerativen Erkrankungen zu kämpfen haben. Neue Erkenntnisse verspricht ein Beitrag zur Behandlung von Demenz, Verletzungen und Infektionen des ZNS mit Arzneien aus der Gruppe der Pilze.
Destruktivität und invasive globale Ausbreitung machen die Pilze für manche Homöopathen auch zu Kandidaten bei der Suche nach endemischen Arzneien für Covid-19. Wir haben diese weltweite Suche in den letzten Monaten gespannt beobachtet, die Diskussion über das unterschiedliche Verständnis eines Genius epidemicus aufmerksam verfolgt und die Erfahrungsberichte von Kollegen und die von ihnen veröffentlichten Resultate gesammelt. Dabei haben wir uns auf die Autoren konzentriert, die durch die gemeinsame Arbeit an dieser Zeitschrift in regelmäßigem Austausch mit uns stehen und die die Pandemie in den ersten Monaten in Epizentren wie Iran, Italien, Spanien, Großbritannien oder in New York unmittelbar erlebt haben.