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Spektrum Homöopathie 02/2022

Narayana Verlag 29.06.22
Aktuelles
- Minuten

Nach dem „Genius epidemicus“ (1/21) und „Long Covid“ (3/21) widmen wir uns erneut dem beherrschenden Thema der letzten beiden Jahre. Doch diese Ausgabe ist anders. Als wir im Sommer 2021 mit der Planung für ein Heft zu „Seuche und Psyche“ begannen, war längst klar, dass die Pandemie nicht nur fatale Folgen für die körperliche Gesundheit der Menschen, sondern auch schlimme psychosoziale Auswirkungen haben würde. Der psychische Druck durch existentielle Bedrohungen in vielen Lebensbereichen, durch Social Distancing bei gleichzeitiger Enge in den Familien, durch die Einschränkung von Freiheitsrechten, die aufgeheizte Impfdiskussion und andere spaltende Streitthemen führte zu Angststörungen, Panikattacken, Paranoia, Depression und Suizidalität. Wir wollten die psychosozialen Aspekte der Corona-Krise in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen abbilden und Möglichkeiten der homöopathischen Behandlung aufzeigen.

Doch die Umsetzung dieser Idee war nicht einfach. SPEKTRUM 2/22 entstand vor dem Hintergrund einer von schweren vergangenen und derzeitigen Krisen erschöpften und gespaltenen Welt und einer ebenso erschöpften  homöopathischen Community. Eine Reihe von Autoren zogen ihre Zusagen zurück, weil sie kurz vor dem Burn-out standen oder gerade mit der durchaus unangenehmen Omikron-Variante infiziert waren. Andere wollten neben dem Leiden ihrer PatientInnen auch ihr eigenes Erleben der Pandemie beschreiben und dieses in einen größeren Zusammenhang stellen. Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven entstand so nicht nur eine ungewöhnliche Ausgabe unseres Journals, sondern auch ein spannendes und bewegendes Zeitdokument: sehr persönlich, offen, emotional und auch verletzlich. Unsere AutorInnen haben viel über sich selbst preisgegeben.

So erzählt Pat Deacon, wie sich ihre zunächst kritische Einstellung gegenüber der Impfung durch Erfahrungen in ihrer Praxis nachhaltig änderte und wie sie sich dabei von vielen Kollegen entfremdete. Auf der anderen Seite lesen wir Geschichten von PatientInnen, die als Ungeimpfte massiv unter Mobbing und Ausgrenzung gelitten haben. In dieser globalen Krise erleben wir Homöopathen oft ähnliche Verletzungen wie unsere PatientInnen und teilen ihre tiefe Verunsicherung. Wer wie Deborah Collins auf der Intensivstation beinahe an Covid-19 gestorben ist, hat einen ganz neuen Blick auf sein eigenes Leben und das seiner Mitmenschen.

Ähnlich wie Collins sehen viele unserer Autoren die Pandemie auch als Chance: Auf der individuellen Ebene bringt die pandemische Krise alte Traumata und verdeckte Konflikte an die Oberfläche und typische Reaktionsmuster mit den entsprechenden Arzneien lassen sich auf einmal besser erkennen. Einige PatientInnen in unseren Kasuistiken verdanken ihr Simile und eine tief gehende Heilung diesem Brennglaseffekt, den die Corona-Krise auf jede(n) einzelne(n) wie auf die ganze Gesellschaft hat. Auch auf der globalen Ebene erhofft man sich heilende Impulse von der Krise. Voraussetzung dafür ist allerdings eine schonungslose Diagnose, wie sie Franz Sowboda in seinem Beitrag stellt. Mit Corona und dem Ukraine- Krieg sieht er uns in einer explosiven Zeit, die er dem Stadium 17 des Periodensystems und der Pikrinsäure zuordnet: emotionslos, beziehungslos, gewaltbereit. „Unsere Haut hungert“, schreibt Wiet van Helmond. Wie für Swoboda liegt auch für Helmond die Heilung in einem neuen sozialen Zusammenhalt, in Austausch, Nähe und Kontakt, in einer Zukunft, die – wie Roland Guenther schreibt – „nicht auf Angst und Kontrolle, sondern auf Vertrauen und Zusammenarbeit basiert“.

Die Fallbeispiele dieser Ausgabe zeigen, wie die Homöopathie auf der individuellen Ebene helfen kann, die Wunden von Trennung, Isolation, Verlust von Beziehung, Bevormundung, Diskriminierung, Orientierungslosigkeit zu heilen, und wie sie damit einen Beitrag leisten kann zu einem neuen vertrauensvollen sozialen Zusammenhalt. Auch wenn im Zentrum wieder die Geschichten von Patienten stehen mit ausführlichen Fallanalysen, interessanten Arzneiverordnungen und der Darstellung des Heilverlaufs, ist es neben dem Lerneffekt für die praktische homöopathische Arbeit vorrangiges Ziel dieser SPEKTRUM-Ausgabe, ganz unterschiedliche Stimmen und Ansichten zu den drängenden Problemen dieser unheilvollen Pikrin-Zeit zu hören und damit Brücken zu bauen über die Gräben, die sich in den letzten Jahren aufgetan haben. Aus diesem Grund haben wir auch die ungewöhnliche Rezension eines Buches ohne unmittelbaren Zusammenhang mit der Homöopathie an das Ende unserer Artikelfolge gestellt. Mit Jane Goodalls „Book of Hope“ senden wir einen Weckruf an die homöopathische Community: Seid tolerant, lasst uns wieder miteinander reden, lasst uns Hoffnung schöpfen und lasst uns an den Stellen, an denen wir stehen, unser Bestes für andere geben.

Narayana Verlag